„Extrem schwieriger Spagat“

Sport / 07.05.2018 • 19:28 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Als Athletiktrainer und Physiotherapeut kümmert sich Martin Hämmerle um die SCRA-Spieler, im Bild links mit Christian Gebauer.gepa
Als Athletiktrainer und Physiotherapeut kümmert sich Martin Hämmerle um die SCRA-Spieler, im Bild links mit Christian Gebauer.gepa

Altachs Athletiktrainer über die verrückte Verletzungsmisere beim Bundesligaklub.

Altach In seinem Job als Athletiktrainer bei Altach hat Martin Hämmerle schon viel erlebt. Immerhin macht der Physiotherapeut vom Olympiazentrum Dornbirn den Altachern schon seit Adi Hütters Trainer-Ära Beine. Mit einer Verletzungsserie wie heuer hatte er aber noch nie zu tun.

Wie ärgerlich ist die aktuelle Situation?

Hämmerle Man spricht in Bezug auf Verletzte ja leider oft nur vom Ausheilen. Aber es läuft da ja auch immer extrem viel Ergänzungstraining, um an Defiziten zu arbeiten und Stärken weiter zu verbessern. Sicher ist eine Verletzung immer eine blöde Situation. Sie kann aber auch eine große Chance sein, um Dinge auf ein nächstes Level zu bringen.

Aktuell sind bei Altach zehn Stammspieler verletzt. Von außen heißt es da schnell: Da muss beim Training was falsch laufen.

Hämmerle Dann sagen Presse oder Fans: Was trainieren die? Die sind alle verletzt? Aber die Hintergründe hinterfragt kaum jemand. Es liegt einfach meistens nicht daran, dass wir eine Übung zu viel oder zu wenig machen. Ein so sensibles Trainings- und Belasungssystem im Spitzensport kann leicht ins Wanken geraten. Es ist eine komplexe Zusammenarbeit. Alleine im Trainerteam spielen viele Abteilungen zusammen. Auch externe Faktoren, wie Temperaturen oder Kunstrasen. Abgesehen von den Pechgeschichten wie jene von Dobras, der sich beim Rodeln verletzt hat.

Welche Faktoren sind das speziell?

Hämmerle Es ist keine Ausrede. Aber es gibt Fakten, die wir in Altach nicht immer ganz kompensieren können. Die langen Fahrten. Oder die Infrastruktur zum Trainieren und Regenerieren im Vergleich zu größeren Klubs. Da muss man alles berücksichtigen, wenn man ein Urteil fällt. Es geht halt auch um die finanziellen Möglichkeiten. Was die Trainingsinhalte betrifft, gibt es die goldene Lösung für 25 Spieler mit unseren personellen und finanziellen Möglichkeiten nicht. Wir sind ja nicht die Bayern, wo ein komplett anderer Staff an Menpower im Hintergrund arbeitet. Und ich habe jetzt zum zweiten Mal in Altach erlebt, dass eine Saison mit Europa League für den Output schwierig ist. Weil die Spieler durch die Mehrbelastung anfälliger werden. Natürlich war das schon letzten August. Aber da beginnt schon dieser Kreislauf.

Gibt es noch eine Erklärung für das „Seuchen-Frühjahr“?

Hämmerle Ja, die Grippewelle im Februar. Die ist auch ein Grund, warum wir im Frühling nicht in Fahrt kommen. Jeder der Sport macht weiß, wenn er einmal eine richtige Grippe hatte und zwei Wochen, weg ist, braucht es vier, fünf Wochen bis er wieder in Form ist. Die Zeit gibt es im Fußball nicht. Du kommst in einen Teufelskreis, weil du jede Woche wieder ein Spiel hast. Ein Einzelsportler nimmt sich ein, zwei Monate eine Wettkampfpause. Das geht im Fußball nicht. Salomon zum Beispiel ist jetzt krank. Kein Mensch sonst, der fünf Tage im Bett liegt, sollte dann sofort 90 Minuten Fußball in der Bundesliga spielen.

Der Trainer steht ja auch unter Druck und muss Ergebnisse liefern

Hämmerle Sicher. Da geht es ja auch um Jobverlängerungen usw. Das ist ein extrem schwieriger Spagat für das ganze Team. Einerseits willst du eine perfekte Reha gestalten und mit einem Spieler schnellst möglichst zurückkommen. Es geht aber auch um den besten Weg für den Spieler im Sinne seiner Leistungsfähigkeit. Und man muss auch an die nächste Saison denken. Es kann nicht Ziel sein, mit zehn Verletzten in die Saisonpause zu gehen. Die sollten im Urlaub fit sein, damit sie sich erholen können und frisch zum Trainingsstart kommen.

„Wir sind ja nicht der FC Bayern, wo ein komplett anderer Staff an Menpower arbeitet.“