Das Kunststück ist vollbracht

13.05.2018 • 20:49 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Torhüter David Madlener freut sich mit Dominic Zwerger über das Tor zum 4:0-Endstand gegen Weißrussland.reuters
Torhüter David Madlener freut sich mit Dominic Zwerger über das Tor zum 4:0-Endstand gegen Weißrussland.reuters

4:0-Sieg gegen Weißrussland, Österreich schaffte historischen WM-Klassenerhalt.

Kopenhagen Arm in Arm standen Österreichs Eishockey-Spieler auf dem Eis der Royal Arena, als erstmals bei dieser WM die österreichische Hymne gespielt wurde. Mit einem 4:0 gegen Weißrussland hatte das ÖEHV-Team erstmals seit 14 Jahren den Klassenerhalt geschafft. „Unglaublich schön. Heute war der Tag X, wo wir die Leistung abrufen mussten, das haben wir zum Glück getan“, sagte Torhüter Bernhard Starkbaum.

Michael Raffl war während des Turniers zum Team gestoßen und hatte die Mannschaft in der entscheidenden Phase verstärkt. Nun zeigte sich der NHL-Stürmer tief beeindruckt. „Ich habe nicht gedacht, dass es mir so viel bedeutet. Ich war heute mit sehr vielen Emotionen bei der Sache. Es ist ein unglaubliches Gefühl“, sagte der Villacher, der einen Powerplay-Treffer zum ersten Sieg gegen die Weißrussen bei einer WM überhaupt beisteuerte. Das Ende dieser Serie war aber nur Nebensache.

Team mit Charakter

„Normalerweise fährt man zur WM, bekommt ein paar auf den Deckel, schafft vielleicht einen Sieg, aber das ist zu wenig und du fährst als Verlierer heim. Endlich haben wir das Schlüsselspiel gewonnen“, freute sich Raffl und hob den Charakter der Mannschaft hervor: „Ich habe schon in deutlich besseren österreichischen Mannschaften gespielt und den Klassenerhalt nicht geschafft. Deshalb macht mich das heute umso stolzer.“

Hunderte Fans feierten in Kopenhagen mit den rot-weiß-roten Spielern und bekamen ein Sonderlob von Raffl ob ihrer positiven Einstellung während des ganzen Turniers. „Am Ausgang von der Kabine zum Hotel muss man immer durch die Fans, und ich habe kein einziges negatives Wort von den österreichischen Fans gehört, obwohl wir nicht unser bestes Eishockey gezeigt haben. Das befreit schon irgendwie, da spürt man keinen Druck. Die sind da und haben eine gute Zeit und dass sie nun einen Sieg von uns bekommen, das ist fantastisch“, erklärte der Star der Mannschaft.

Auch Dominic Zwerger, Torschütze zum 4:0 gegen Weißrussland, war in Feierlaune. „Es ist ein unglaubliches Gefühl, dass wir gleich bei meiner ersten A-WM die Klasse halten und das nach 14 Jahren“, schwärmte der Dornbirner. „Vor meinem Tor habe ich gedacht, jetzt muss einmal einer mit der Brechstange rein und wenn ich die Scheibe erhalte, schieße ich. Zum Glück ist sie reingegangen. Im Eishockey muss man mit Höhen und Tiefen umgehen und wir sind mit der Frankreich-Partie sehr gut umgegangen.“

Nach der Niederlage im ersten Schlüsselspiel am Tag davor (2:5 gegen Frankreich) haben sich die Österreicher gefangen und punktgenau eine starke Leistung geboten. Motiviert hat sie Teamchef Roger Bader auch durch einen Spruch. „If you cannot do great things, make small things in a great way“ (Wenn du keine großartigen Dinge tun kannst, mach kleine Dinge auf großartige Weise) ließ er 22-mal ausdrucken und gab es den Spielern. Seine Krawatte zeigte auf der Vorderseite Eishockeymotive, auf der Hinterseite das Feierbier.

Ein pefektes Spiel

Bader analysierte in den Katakomben der Royal Arena noch nüchtern. „Das ist ganz oben (in der Karriere). Wenn man bei einer A-WM als Aufsteiger erstmals seit zehn Jahren die Klasse hält, ist das natürlich ganz oben“, sage der Schweizer. „Von dem her, was wir momentan spielen können, kann man vielleicht von einem perfekten Spiel reden. Wenn wir mal schwächere Phasen hatten, hatten wir Starkbaum, der uns vor Gegentreffern bewahrt hat. Das Powerplay war gut, Unterzahl war gut, die Mannschaft hat den Spielplan umgesetzt.“

Auch in der Stunde seines größten Erfolgs als Trainer war der Winterthurer frei von Euphorie. „Es ist eine große Erleichterung, wir dürfen für eine A-WM planen“, sagte er, betonte aber einmal mehr: „Ich habe das vorher gesagt und sage das auch jetzt: Wir sind nicht A-Klasse, wir sind meilenweit davon entfernt. Es muss viel passieren, dass wir A-Klasse werden.“ Im letzten Auftritt bei der A-WM geht es heute (20.15 Uhr) gegen Tschechien.

„Vor meinem Tor habe ich gedacht, jetzt muss einmal einer mit der Brechstange rein.“