Krawalle, Tränen, Abschiedsschmerz und eine neue Zeitrechnung

Sport / 13.05.2018 • 22:09 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ordnungshüter mit Hundestaffeln, aber auch berittene Polizeistaffeln sorgten in der Endphase für halbwegs Ruhe im HSV-Stadion.afp
Ordnungshüter mit Hundestaffeln, aber auch berittene Polizeistaffeln sorgten in der Endphase für halbwegs Ruhe im HSV-Stadion.afp

Nach Jahren des
Chaos ist der HSV erstmals zweitklassig.

Hamburg Der Start in die neue Zeitrechnung des Hamburger SV fiel Bernd Hoffmann sichtlich schwer. Der Boss des abgestürzten Traditionsklubs hatte freien Blick auf die eilig umgestellte Uhr im Volksparkstadion, doch wirklich hingucken mochte er nicht. „Das muss man erstmal verdauen. Das ist ein harter Schlag“, sagte Hoffmann am Sonntag. Als wenn der historische Sturz in die Zweitklassigkeit nicht genug gewesen wäre, wühlten ihn die schweren Ausschreitungen vom Vortag auf. „Der Abstieg in Würde ist von diesen bekloppten Chaoten leider überlagert worden“, sagte der Aufsichtsratschef des Klubs.

Fast 20.000 Tage im Oberhaus

Dicke schwarze Rauchwolken, laute Böller-Explosionen, massiver Polizeieinsatz mit Pferden und Hunden auf dem Spielfeld – hässliche Szenen bildeten das skandalöse Schlussbild einer Hamburger Horrorsaison. „Das ist das Bild, das vom HSV um die Welt geht. Das macht mich sehr traurig, aber auch ein Stück weit wütend“, sagte Hoffmann zu den Krawallen, die Sekunden vor dem Abstieg für eine 15-minütige Spielunterbrechung und schlimme Schlagzeilen sorgten.

Die Begleitumstände machten den Trauertag für die Hamburger noch schwerer zu ertragen: Nach 54 Jahren und 261 Tagen hat es auch das letzte der 16 Gründungsmitglieder erwischt – der HSV ist nach 1866 Bundesliga-Spielen und 19.985 Tagen im Oberhaus erstmals abgestiegen. Statt Bayern, Dortmund und Schalke heißen die Gegner nun Paderborn, Sandhausen und Bielefeld.

So beginnen nun die Planungen für die Mission sofortiger Wiederaufstieg, bei der Trainer Christian Titz die Hauptrolle spielen soll. Beim neuen Vertrag gehe es nur noch um „ein paar Details. Da wird keine Luft mehr drankommen“, versicherte Hoffmann. Titz hatte beim HSV am 13. März die Nachfolge von Bernd Hollerbach angetreten, von acht Spielen vier gewonnen und dabei 13 Punkte geholt. An Titz‘ Seite soll ein neuer Sportvorstand die Weichen für die schnelle Rückkehr ins Oberhaus stellen. Doch die Hamburger müssen ihren Gürtel finanziell enger schnallen. Der aufgeblähte Gehaltsetat des seit Jahren überteuerten Kaders soll dem Vernehmen nach von über 50 Mill. Euro auf maximal 35 Mill. eingedampft werden. Eine Abkehr vom umstrittenen Investor Klaus-Michael Kühne, der rund 20 Prozent der Klubanteile hält, wird es nicht geben, Hoffmann bekräftigte stattdessen die Fortsetzung der Zusammenarbeit. „Er bleibt auf jeden Fall im Boot“, sagte der 55-Jährige und bezeichnete den Milliardär als „wichtigen Partner“. Er habe den HSV in der Vergangenheit „mit Herzblut, Engagement und jeder Menge Geld“ unterstützt.

„Ich hätte nicht gedacht, dass ich den Abstieg des HSV erlebe, so lange ich auf dieser Erde bin.“

34. und letzter Spieltag

FC Bayern München – VfB Stuttgart 1:4 (1:2)

75.000 Zuschauer (ausverkauft). Torfolge: 5. 0:1 Ginczek, 21. 1:1 Tolisso, 42. 1:2 Donis, 52. 1:3 Akolo, 55. 1:4 Ginczek

FC Bayern ohne den verletzten David Alaba.

1899 Hoffenheim – Borussia Dortmund 3:1 (1:0)

30.150 Zuschauer (ausverkauft). Torfolge: 26. 1:0 Kramaric, 58. 1:1 Reus, 63. 2:1 Szalai, 73. 3:1 Kaderabek

Die TSG mit Florian Grillitsch über 90 Minuten, Robert Zulj saß auf der Bank und Stefan Posch fehlte verletzungsbedingt. Trainer in Dortmund ist Peter Stöger.

Hertha BSC Berlin – RB Leipzig 2:6 (1:3)

60.50 Zuschauer. Torfolge: 2. 0:1 Upamecano, 4. 1:1 Ibisevic, 8. 1:2 Lookman, 22. 1:3 Augustin, 49. 1:4 Timo Werner, 54. 1:5 Augustin, 64. 2:5 Kalou, 82. 2:6 Bruma

Die Hertha ohne den verletzten Valentino Lazarzo. Trainer in Leipzig ist Ralph Hasenhüttl. Konrad Laimer spielte durch, Stefan Ilsanker wurde in der 76. Minute eingewechselt und Marcel Sabitzer fehlte verletzungsbedingt.

SC Freiburg – FC Augsburg 2:0 (0:0)

24.000 Zuschauer (ausverkauft). Torfolge: 49. 1:0 Höfler, 65. 2:0 Kleindienst

Philipp Lienhart stand bei Freiburg nicht im Kader. Bei Augsburg spielten Martin Hinteregger und Kevin Danso durch, Michael Gregoritsch fehlte verletzungsbedingt.

FC Schalke 04 – Eintracht Frankfurt 1:0 (1:0)

61.585 Zuschauer (ausverkauft). Tor: 26. 1:0 Burgstaller

Bei Schalke spielte Goldtorschütze Guido Burgstaller (13 Saisontreffer) durch, Alessandro Schöpf saß auf der Ersatzbank.

Bayer 04 Leverkusen – Hannover 96 3:2 (2:0)

30.210 Zuschauer. Torfolge: 3. 1:0 Alario, 18. 2:0 Alario, 56. 3:0 Brandt, 90./+ 1 3:1 Fullkrug, 90./+ 4 3:2 Harnik
Besonderes Vorkommnis: Wendell (Leverkusen) verschießt einen Foulelfmeter (5.).
Bei Leverkusen wurde Julian Baumgartlinger in der 23. Minute ausgewechselt, Torhüter Ramazan Özcan saß auf der Bank. Bei Hannover spielte Martin Harnik durch.

Hamburger SV – B. Mönchengladbach 2:1 (1:1)

57.000 Zuschauer (ausverkauft). Torfolge. 11. 1:0 Hunt (Foulelfmeter), 28. 1:1 Drnic, 63. 2:1 Holtby

FSV Mainz 05 – SV Werder Bremen 1:2 (1:1)

34.000 Zuschauer (ausverkauft). Torofolge: 12. 1:0 Gbamin, 23. 1:1 Florian Kainz, 79. 1:2 Gebre Salassie

Bei Mainz saß Karim Onisiwo auf der Bank. Bei Bremen spielte Marco Friedl durch, Zlatko Junuzovic wurde in der 85. Minute für Torschütze Florian Kainz eingewechselt.

VfL Wolfsburg – 1. FC Köln 4:1 (1:1)

26.112 Zuschauer. Torfolge: 1. 1:0 Guilavogui, 32. 1:1 Hector, 54. 2:1 Origi, 72. 3:1 Knoche, 90./+ 1 4:1 Brekalo