„Ich glaube, mein Leben hat sich verändert“

Sport / 06.06.2018 • 19:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Marco Cecchinato auf den Spuren von Verkerk und Kuerten.

Paris Es ist eines jener Tennis-Märchen, die gerade in Paris immer wieder einmal geschrieben werden. Marco Cecchinato hatte vor Beginn der French Open in vier Events noch kein Grand-Slam-Einzel gewonnen und nun steht der Weltranglisten-72. sensationell im Halbfinale. Der 25-jährige Italiener hat einen derartigen Lauf, dass ihn auch der nächste Gegner Dominic Thiem am Freitag nicht mehr schreckt. „Ich habe ihn schon einmal geschlagen, warum nicht?“, meinte ein überglücklicher Cecchinato im Interview-Raum von Roland Garros. Dabei wäre Cecchinato, der ein Tattoo mit der Glücksnummer 13 am Arm hat, beinahe schon in der ersten Runde ausgeschieden. 0:2-Sätze lag er gegen den Rumänen Marius Copil zurück, ehe er noch 10:8 im fünften Satz gewann.

Aufstieg in die Top 30

Danach beendete er den Glückslauf eines Lucky Losers mit dem gleichen Vornamen, Marco Trungelliti (Arg). Jener Marco, der schon aus Paris abgereist war, dann aber mit dem Auto von Barcelona nach Paris gereist war, um doch im Hauptbewerb zu spielen, ist nun nicht mehr die Story des Turniers. Denn danach begann der Mann aus Palermo seinen unerwarteten Run erst so richtig: Viersatzsieg gegen den als Nummer 10 gesetzten Spanier Pablo Carreno Busta, im Achtelfinale erneut in vier Sätzen gegen die Nummer acht, David Goffin aus Belgien, weiter, und nun hat er auch noch Superstar Novak Djokovic (Srb/20) mit 13:11 im Tiebreak des vierten Satzes bezwungen.

„Ich glaube, mein Leben hat sich verändert. Also nach Roland Garros brauche ich etwas Pause, um das alles zu realisieren“, meinte Cecchinato, der sich von Platz 72 in die Top 30 verbessern wird, lachend. Auf die Bemerkung, dass er nun in Wimbledon sogar gesetzt sein wird, meinte er humorvoll: „Das ist gut für meinen Gegner.“

Der Siegeszug Cecchinatos erinnerte auch an frühere Nobodys, die danach allerdings nie wieder so weit kamen und als „one-slam-wonders“ in die Geschichte eingingen. Der Niederländer Martin Verkerk war so einer: 2003 stieß er damals bis ins Endspiel vor, sorgte dann aber nie wieder für so viel Furore. Ein ähnlicher Fall war zwei Jahre später der Argentinier Mariano Puerta, der ebenfalls bei den French Open das Endspiel erreichte. Danach fiel er aber bei einem Dopingtest durch und wurde gesperrt.

Über ein dunkles, nie ganz aufgeklärtes Kapitel seiner Karriere möchte Cecchinato in Paris nicht sprechen: Vor etwas über zwei Jahren wurde er vom italienischen Verband wegen einer angeblichen Matchabsprache zunächst für 18 Monate gesperrt, von einem anderen Gericht wurde es dann auf zwölf Monate reduziert und dann wegen Verfahrensfehlern bzw. versäumter Fristen überhaupt aufgehoben. Cecchinato stammt aus wohlhabendem Hause in Palermo, sein Vater ist Boss eines großen öffentliches Spitals.

Ausgestreckt auf dem roten Sand von Paris, Tränen des Glücks kullerten über die Wangen: Marco Cecchinato war nach dem sensationellen Erfolg gegen Novak Djokovic überwältigt.ap
Ausgestreckt auf dem roten Sand von Paris, Tränen des Glücks kullerten über die Wangen: Marco Cecchinato war nach dem sensationellen Erfolg gegen Novak Djokovic überwältigt.ap

Tennis

French Open 2018 in Paris

(Grand Slam, 39,197 Mill. Euro, Sand)

Damen, Viertelfinale: Muguruza (ESP/3) – Scharapowa (RUS/28) 6:2, 6:1, Halep (ROU/1) – Kerber (GER/12) 6:7(2), 6:3, 6:2

Herren, Viertelfinale: Nadal (ESP/1) – Schwartzman (ARG/11) 4:6, 5:3, 30:15*, Cilic (CRO/3) – Del Potro (ARG/5) 6:6 (im Tiebreak 5:5)* wegen Regens abgebrochen. Halbfinale (Freitag) Nadal (1)/Schwartzman (11) – Cilic (3)/Del Potro (5), Cecchinato – Thiem (7)