Ein Schmuckstück mit viel Herzblut

von jochen dünser

Der neue Ballpark der Dornbirn Indians im Rohrbach wurde mit einem Gesamtbudget von einer Million Euro und mit 9000 Arbeitsstunden an Eigenleistung realisiert. Philipp Steurer

Dornbirn Begonnen hat alles vor 28 Jahren. Auf einem Sandplatz auf der Birkenwiese wurde von Schülern einer Klasse des BORG Dornbirn-Schoren im Rahmen des Turnunterrichts zum ersten Mal Baseball gespielt. Als Trainer fungierte der Japaner Yashiro Akira, der damals als Musiklehrer am Schoren tätig war und in seiner Jugend in Japan den Baseballsport erlernte. Im Herbst 1990 erfolgte unter der Schirmherrschaft des Schulsportvereins (SSV) Dornbirn-Schoren die Vereinsgründung. „Deren damaliger Leiter Erwin Reis hat gemeint, dass wir ja alle noch zu jung sind, um einen Verein zu führen und hat sich bereits erklärt, uns dahingehend zu helfen“, erinnert sich Wolfgang Pschorr, einer der damaligen Spieler und Mitbegründer des Baseballclub (BSC) Dornbirn. „Weil uns die finanziellen Mitel fehlten, haben wir sogar die ersten Trikots selbst genäht“, so Pschorr.

Staatsmeister 1999 und 2003

Der nächste Meilenstein wurde dann 1998 gesetzt, als man im ersten Jahr nach der im gegenseitigen Einverständis erfolgten Trennung vom SSV Schoren als BSC Dornbirn Indians den Aufstieg in die höchste nationale Spielklasse schaffte und sich 1999 zum österreichischen Staatsmeister kürte. Als Headcoach fungierte damals der US-Amerikaner Mike Pfarrer. „Das war ein Quantensprung und der Baseballsport wurde erstmals richtig wahrgenommen. Ein Traum ging in Erfüllung und trotz der infrastrukturellen Probleme sind Kinder aus allen Regionen gekommen und wollten mit dem Baseballsport beginnen“, erklärt Pschorr.

Der sportliche Höhenflug spiegelte sich auch auf überregionaler Ebene wider. Immer wieder schafften Spieler der Indians aus allen Altersklassen den Sprung ins Nationalteam und trugen maßgeblich zum Aufschwung der ÖBSV-Auswahlen bei. Auf nationaler Ebene gab es 2005 den zweiten Staatsmeistertitel in der Vereinsgeschichte, ehe man nach dem Gewinn der Bronzemedaille 2003 eine Durststrecke zu bewältigen hatte. Pschorr: „Ein Großteil der Leistungsträger beendete ihre Karriere und diese Lücken konnten nicht geschlossen werden. Obwohl wir die Nachwuchsarbeit intensivierten und die sportlichen Erfolge da waren, sind wir durch die infrastrukturellen Zustände immer wieder an unsere Grenzen gestoßen. Die wenig zufriedenstellenden Trainings- und Spielbedingungen, die zu Umkleidekabinen umfunktionierten Baucontainer und das Fehlen eines geeigneten Klubheims haben sicher dazu beigetragen, dass wir an Renommee eingebüßt haben.“

Langersehnter Wunsch

Nach einer Saison ohne echtes Heimspiel erfolgt nun am Samstag mit der inoffiziellen Eröffnung des neuen Platzes der Startschuss in eine neue Zeitrechung. Bedingt durch den Bau wurden in dieser Saison Heimspiele entweder in Feldkirch oder Hard ausgetragen. „Die Gefühlslage ist in etwa vergleichbar mit jener, wenn man zum ersten Mal Vater wird. Ein langersehnter Wusch geht in Erfüllung und man fiebert diesem Ereignis entgegen“, erklärt Pschorr.

Auftaktgegner in der Best-of-five-Halbfinalserie der Baseball League Austria sind die Vienna Wanderers. In den ersten beiden Duellen der K.-o.-Phase gab es letztes Wochenende in Wien je einen Sieg für beide Teams. Nun wollen die Indians am Samstag (13/15.30 Uhr) und falls notwendig am Sonntag (13 Uhr) mit dem Finaleinzug ihre Heimstätte gebührend einweihen.

„Was gut werden soll, braucht seine Zeit. In unserem Fall waren es allerdings 28 Jahre.“

9000 Stunden Eigenleistung erbracht

Dornbirn „Der neue Ballpark im Dornbirner Stadtteil Rohrbach ist ein wahres Schmuckstück geworden, das den neuesten Standards entspricht“, betont Peter Luger stolz. Der 47-jährige Dornbirner hat in den letzten vier Jahren viel Zeit investiert, damit die Schaffung eines Baseballplatzes für die Dornbirn Indians in die Realität umgesetzt wurde. „Es gab Momente, da habe ich etwas gezweifelt, ob wir zu einem Ende kommen“, erklärt Luger, der zusammen mit Joachim Frick federführend die interne Projektleitung des Platzbaus übernommen hat. „Als vor vier Jahren vor Saisonbeginn von der Stadt Dornbirn ein Spiel- und Trainingsverbot verhängt wurde, haben wir uns an einen Tisch gesetzt und beraten, wie wir weitermachen. Die Existenz des Vereins, und damit von rund 100 Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren, hing buchstäblich am seidenen Faden.“

Die Suche nach einem verfügbaren Grundstück in der Region erstreckte sich über 2,5 Jahre und erwies sich als Si­sy­phus­ar­beit: „Entweder waren Objekte nicht frei oder finanziell unerschwinglich.“ Nach endlosen Gesprächen und zähen Verhandlungen mit den maßgeblichen Personen bei der Stadt wurde dann am 28. Mai 2017 der Beschluss gefasst, auf dem ursprünglichen Areal neben dem Fußballklub Admira einen den Sicherheitsbestimmungen entsprechenden Platz zu errichten. „Am Ende hat sich unsere Hartnäckigkeit ausgezahlt und wir dürfen berechtigt stolz sein auf das, was uns gelungen ist“, so Luger.

Mit einem Gesamtbudget von knapp einer Million Euro wurde eine Sportstätte geschaffen, die nun alle Bedürfnisse abdeckt. Aus Platzgründen wurde ein eigenes Jugendfeld auf dem Hauptplatz integriert. Zudem wurden Dugouts (Spielerbänke), Umkleiden, eine Tribüne für die Zuschauer, ein Battingcage für Trainingszwecke und ein auf ein Minimum reduziertes Klubheim geschaffen. Auf eine Flutlichanlage wird vorerst aus Kostengründen verzichtet. Neben den Subventionen von Stadt und Land konnte das Projekt auch dank der tatkräftigen Unterstützung der Vereinsmitglieder und von Freunden realisiert werden. Luger: „Abgesehen von Spielfeld und Zäunen haben wir in Eigenleistung alle weiteren Maßnahmen geplant, gefertigt und gebaut. Wir haben als Eigenleistung knapp 9000 Stunden eingebracht. Das unterstreicht den Zusammenhalt und familiären Charakter innerhalb des Vereins. Wir Indians sind eine große Familie und haben das ganz eindrucksvoll unter Beweis gestellt“, betont Luger stolz.

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