Alexander Marent: „Bin im Moment überfordert“

Sport / 28.02.2019 • 21:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
ÖSV-Langlauftrainer bei den Herren, Alexander Marent. gepa
ÖSV-Langlauftrainer bei den Herren, Alexander Marent. gepa

ÖSV-Langlauftrainer aus Mellau ist ob der Doping-Razzia vor den Kopf gestoßen.

Seefeld „Wenn ein Trainer im Spitzensport, der nah am Mann arbeitet, nicht mitbekommt, dass ein Athlet dopt mit Blutmanipulation, dann ist er entweder ein schlechter Trainer oder ein Lügner.“ Mit diesem Satz des österreichischen Anti-Doping-Experten Wilhelm Lilge in Bezug auf seinen Schützling Dominik Baldauf konfrontiert, antwortete Alexander Marent auf VN-Anfrage: „Ja, wir schaffen mit den Athleten. Wir entwickeln sie, überlegen uns genau, was einer aushält, wie wir am besten vorgehen. An der Entwicklung von Dominik Baldauf ist nichts suspekt. Auch nicht an seinen teilweise sehr guten Leistungen.“
Seine Stimme ist gedämpft, der Trainer der Langlauf-Herrengruppe wirkt im Gespräch gezeichnet von den Geschehnissen der vergangenen 48 Stunden. „Alles was ich jetzt sage . . ., ich weiß echt nicht . . ., momentan bin ich mit allem überfordert.“ Der Mellauer, der am 21. Februar seinen 50. Geburtstag gefeiert hat, steht irgendwie neben den Schuhen. Die Ereignisse haben ihn emotional durchgerüttelt. Immerhin kennt er den Sulzberger Dominik Baldauf seit Jahren. Zudem betreute er das Duo Hauke/Baldauf bereits im Jugendalter als Nachwuchstrainer beim österreichischen Skiverband. Nun zeichnet sich auch das Ende von Marent beim Skiverband ab, glaubt man den Worten von ÖSV-Chef Peter Schröcksnadel. Will dieser doch den gesamten Langlaufsport neu aufstellen, besser noch, am liebsten aus dem Verband verbannen.

„Ich fühle mich wie im falschen Film, hoffe aufzuwachen und einer sagt: „Es stimmt nicht.“
Alexander Marent
ÖSV-Langlauftrainer, Herrengruppe


Zurück zur Causa Baldauf, sagt Marent: „So wie ich ihn kenne, habe ich keine Idee, wie das nur möglich sein kann. Es ist mir schleierhaft.“ Verständnis bringt er dafür keines auf, spricht doch auch er von Null-Toleranz. Das hätten die Athleten auch gewusst. Deshalb sei im Vorfeld der Heim-Weltmeisterschaft Doping natürlich thematisiert worden. „Das ist doch klar, auch wenn dieses Thema in unserem Sport allgegenwertig ist.“ Jetzt, da er mit den Fakten konfrontiert ist, wirkt er sprachlos und seine Sätze reihen sich irgendwie zusammenhangslos aneinander. „Ich verstehe das nicht, ich kann es eigentlich nicht einordnen. Wie kann man nur so weit gehen? Es ist eine Katastrophe.“

Bei Skitests überrascht worden

Es war am Mittwoch-Vormittag, als Marent von der Polizeiaktion erfuhr. Zu dem Zeitpunkt sei er auf der Loipe bei Tests engagiert gewesen. „Wir haben uns auf das Klassischrennen vorbereitet, sprachen über verschiedene Wachsmöglichkeiten. Plötzlich war alles anders.“
Als ehemaliger Langläufer sei für ihn Doping nie ein Thema gewesen. „Dann bin ich halt mal 19. oder in den Plätzen zwischen 20 und 30 platziert.“ Natürlich habe auch er versucht, so gut wie möglich zu sein. Deshalb habe er irgendwann auch zu sich gesagt: „Okay, schneller bin ich nicht.“ Für Marent, der mit seinem Herzblut dem Langlauf verbunden ist, war dies dann der ideale Moment, eine Trainerlaufbahn einzuschlagen. „Zu sehen, wie sich ein Sportler entwickelt, das war für mich etwas Besonderes.
Nun ist der Langlaufsport in Österreich wieder in einen Generalverdacht geschlittert. „Das ist eigentlich die Katastrophe“, sagt Marent und erzählt, dass es schon Betreuer anderer Nationen gibt, die kein Wort mehr mit ihm wechseln. „Ich fühle mich wie in einem falschen Film und hoffe, dass ich irgendwann aufwache und mir einer sagt: All das stimmt nicht.“ Der Bregenzerwälder tut sich schwer, alles richtig einzuordnen. Nur eines ist gewiss: „Wir müssen funktionieren. Wir sind eine kleine Truppe und die Sportler haben es verdient, dass wir alles für sie tun.“ Deshalb denkt er von Stunde zu Stunde. Was die Zukunft nach der Weltmeisterschaft in Seefeld bringt, mag er zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu sagen, auch hinsichtlich seiner Person.