Radsportprofi Matthias Brändle: „So wurde ich um den Olympiastart gebracht“

Sport / 04.03.2019 • 21:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Matthias Brändle, heute im Renneinsatz, platzte der Kragen. Cycling Academy
Matthias Brändle, heute im Renneinsatz, platzte der Kragen. Cycling Academy

Vorarlberger Radsportprofi Matthias Brändle rechnet nach Dopinggeständnis mit Ex-Kollegen ab.

Schwarzach Erst Stefan Denifl, nun Georg Preidler – da platzte Vorarlbergs Radsportas Matthias Brändle endgültig der Kragen. Immerhin waren beide Zimmerkollegen des 29-Jährigen und das Duo war dem Ländle-Radprofi 2016 bei der Nominierung für die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro vorgezogen worden. Auf dem Weg nach Zürich, wo es für Brändle mit dem Flugzeug Richtung Brüssel ging, sprach der Hohenemser mit den VN über die aktuellen Entwicklungen in der Doping-Causa. Und Brändle, der heute mit seinem aktuellen Team „Cycling Academy“ beim Eintagesrennen Le Samyn (198 km) im Einsatz ist, fand klare Worte.

Schiefes Licht auf Zimmerkollegen

„Ganz ehrlich, es geht mir nicht gut. Jetzt bin ich elf Jahre im Profigeschäft und Doping war immer ein Thema. So nahe war es aber noch nie.“ Brändle erzählt, wie er mit Stefan Denifl über Jahre oder mit Georg Preidler bei der Heim-Weltmeisterschaft im Tirol das Zimmer geteilt hat. „Und ich habe nichts mitbekommen . . .“, stellt er sich selbst die „Warum-Frage“ und gleichzeitig fühlt er Wut. „Das hätte ich nie erwartet. Das sind zwei Personen, bei denen ich immer gesagt hätte: Die machen so etwas nicht. Und jetzt das, was sind das für Trottel!“
Rückblickend erscheint damit auch Brändles Ausbootung im Kampf um ein Olympiaticket in einem anderen Licht. Während nämlich Denifl und Preidler in Rio an den Start gehen durften, war Brändle nur Zuseher. Im Wissen der aktellen Geständnisse schaudert in auch die Erinnerung an die Bergwertungserfolge von Denifl beim Giro 2016, als beide noch für das IAM-Team fuhren. „Ich habe mir die Beine für aus dem Leib gestrampelt“, erinnert er sich. Jetzt, das weiß auch Brändle erscheinen seine Helferdienst in einem ganz anderen Licht. Allerdings ist er sicher, dass „viel mehr Sportarten als Rad und Langlauf betroffen sind“.

„Blutdoping oder
EPO-Spritzen
passieren nicht aus
Versehen.“
Matthias Brändle
Radprofi Cycling Acadamy


Der Vorarlberger macht sich deshalb auch Gedanken („Doping ist ein gesellschaftliches Problem“) über seinen geliebten Radsport hinaus. „Die Strafen vom Gesetzgeber sollte viel höher sein“, fordert er deshalb, denn: „Es ist noch immer viel zu reizvoll, zu unlauteren Mitteln zu greifen.“ Als sauberer Sportler fühlt er sich betrogen, auch hinsichtlich finanzieller Verdienste. „Im Profisport geht es um gut dotierte Verträge.“ Deshalb wäre es für ihn auch nur normal, wenn Sportler beim Eintritt in ein Profileben ein Dokument unterschreiben müssten, wonach sie bei Doping-Überführung die finanziellen Verdienste zurückzahlen müssten. „Aus meiner Sicht wäre das eine Hemmschwelle, weil eine sehr drastische Strafe. Mag es auch im ersten Moment vielleicht pathetisch klingen mag, aber ich würde so ein Dokument sofort unterzeichnen. Es müsste halt klar geregelt sein, dass kein verunreinigtes Essen oder ein Getränk ein Auslöser sein darf. Ansonsten wirst du für Gegner angreifbar. Aber Blutdoping oder eine EPO-Spritze passieren nicht aus Versehen.“
Zudem stört ihn gewaltig, dass nun das Ansehen des Radsports in Österreich wieder massiven Schaden erlitten hat. Er selbst habe in seiner Karriere nie an unlautere Mittel gedacht. „Ich wurde nie was angeboten und ich habe auch nie aktiv gesucht“, stellt er klar und schickt nach: „Ich stehe für sauberen Radsport und bin froh, ein reines Gewissen zu haben.“ Er selbst sei in seiner Laufbahn schon mehr als 90 Mal kontrolliert worden.