Der letzte große Einsatz des Wegbereiters

Sport / 05.03.2019 • 18:50 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Schwarzenberger Heinrich Olsen (64) fungiert in Abu Dhabi zum 17. Mal als Sportdirektor und Delegationsleiter bei Special-Olympics-Weltspielen.Paulitsch
Der Schwarzenberger Heinrich Olsen (64) fungiert in Abu Dhabi zum 17. Mal als Sportdirektor und Delegationsleiter bei Special-Olympics-Weltspielen.Paulitsch

28-köpfiges Vorarlberger Aufgebot bei den Special Olympics Weltsommerspielen in Abu Dhabi.

Abu Dhabi Bei den letzten Sommerspielen der Special Olympics 2015 in Los Angeles durfte sich Österreich über die erfolgreichste Ausbeute in der Geschichte freuen. Mit 18 Goldenen, 21 Silbernen und 30 Bronzenen und insgesamt 69 Medaillen wurde in Kalifornien eine neue Bestmarke erreicht. Einen erheblichen Beitrag dazu lieferten die Aktiven aus Vorarlberg, die mit insgesamt 18 Medaillen (1/6/11) das erfolgreichste Bundesland waren. Herausragend die Goldene von Hermann Marte mit Unified-Partner Fritz Trippolt im Segeln.

Vor den Weltsommerspielen in Abu Dhabi und Dubai zeigen sich die Vorarlberger Sportler motiviert, eine ähnlich gute Ausbeute zu erreichen. „Unser Team ist optimal vorbereitet. Sie erfüllen alle Kriterien“, betont Heinrich Olsen, Sportdirektor der SOÖ (Special Olympics Österreich). Insgesamt 64 Athleten, 23 Unified-Partner und 19 Trainer werden für Österreich an den Start gehen und in 13 von 24 Sportarten um die Siegermedaillen kämpfen.

Chancen in allen Bewerben

Vorarlberg stellt mit 13 Sportlern, sechs Unified-Partner, sieben Trainer sowie Heinrich Olsen die zahlenmäßig größte Abordnung der neun Bundesländer bei den ersten Weltspielen im arabischen Raum. Die Sportler werden in den Disziplinen Golf, Schwimmen, Fußball (Unified) und Segeln (Unified) antreten. Die Teilnehmer werden beim Unified-Segelwettbewerb erstmals eigenständig für ihr Boot verantwortlich sein. „Der Trainer ist nur für Safety-Reasons an Board“, betont Olsen. Durch viel Training und ausreichend Geduld sei es möglich gewesen, die Selbstständigkeit der Athleten zu fördern.

Die Schwimm- und Leichtathletikbewerbe werden in Dubai über die Bühne gehen, die restlichen Wettkämpfe in Abu Dhabi ausgetragen. Laut der Einschätzung von Delegationsleiter Olsen können sich alle Vorarlberger Sportler realistische Chancen auf Medaillengewinne machen.

Die 17. und letzten Weltspiele

Für den 64-jährigen Olsen stehen seine 17. Weltspiele in Abu Dhabi persönlich unter einem ganz besonderen Zeichen. Der im dänischen Odense Geborene und seit 1988 in Vorarlberg Lebende wird mit Jahresende in den Ruhestand gehen. Der in Schwarzenberg wohnhafte Olsen ist sicher die Triebfeder der Special-Olympics-Bewegung in Vorarlberg und Österreich. „Natürlich bin ich stolz darauf, dass es mir gelungen ist, den Sport mit Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung vor den Vorhang zu holen. Dank der unermüdlichen Untersützung von Wegbegleitern, Sponsoren und Partnern konnten alle Ziele verwirklicht und in der Öffentlichkeit salonfähig gemacht werden. Mit dem Loslassen geht es mir eigentlich ganz gut. Ein wesentlicher Faktor ist die Gewissheit, dass die Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft gelegt wurde und gelegt ist. Dies stimmt mich positiv, dass es auch nach meinem Rücktritt so sein wird.“

Stichwort Wertungssystem

Aufgrund der verschiedenen Einschränkungen der Sportlerinnen und Sportler bei Special-Olympics-Wettkämpfen sind die Unterschiede der sportlichen Leistungsfähigkeit groß und nicht miteinander vergleichbar. Aus diesem Grund gibt es ein spezielles und einmaliges Klassifizierungssystem, das es den Aktiven auf jedem Niveau ermöglicht, Erfolg zu haben.

Schon für die Nominierung für Weltspiele gibt es spezielle Kriterien. Nicht nur die erbrachten sportlichen Leistungen im Vorfeld zählen, auch die Bereitschaft für intensives Training über einen Zeitraum von vier Jahren wird herangezogen. Die Teilnahme an Wettkämpfen zählt ebenso wie eine sportärztliche Untersuchung, der Besuch an Teamabenden und die Repräsentation an Veranstaltungen. Dies erfordert von den Nominierten Disziplin, Durchhaltevermögen und Mut für Neues.

Im unmittelbaren Vorfeld von Weltspielen wird ein einzigartiges Wettkampfsystem angewendet. Diese Einstufungsbewerbe, sogenannten Divisionings, werden jeweils zu Beginn der Spiele durchgeführt und immer wieder adaptiert und verbessert. Dabei werden Leistungsgruppen mit Athleten gebildet, die ähnlich starke Leistungsparameter haben. In diesen drei Stärkeklassen – die korrekte Bezeichnung lautet Novices, Intermedia und Advance (höchste Klasse) – erhält dann jeder Sportler die faire Chance auf den Gewinn einer Medaille oder die Erreichung eines Podestplatzes. Sollte es dabei zu einer außergewöhnlichen Abweichung der Leistungen im Training und Wettkampf kommen, wird derjenige Sportler disqualifiziert bzw. aus der Wertung genommen.

Dadurch bietet dieses angewendete System der Leistungseinstufung grundsätzlich allen Teilnehmern die Möglichkeit für eine angemessene Platzierung und gleichzeitig die Chance, sein ganz persönliches Erfolgserlebnis zu feiern.