Live im Strichkampf oder wie Eishockey live übertragen wird

Sport / 06.03.2019 • 10:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Im Banne der Bildschirme: Redaktionsleiter Martin Pfanner im Studio von MySports. ko

Ein Eishockeyabend hinter den Kulissen des Schweizer Privatkanals MySports.

Erlenbach Ausflug in die Welt des Schweizer Privatfernsehens. In Erlenbach am Ufer des Zürichsees ist MySports situiert, ein privater Anbieter von Sportkanälen, mit exklusiven Rechten für das eidgenössische Eishockey. Eine aufgepeppte ehemalige Maschinenfabrik beherbergt auf rund 1200 Quadratmetern neben einem Studio mit der LED-Wand einen Regieraum, Kommentatorenkabinen, Schnitträume und Arbbitsplätze. Puck‘n‘Goal heißt die Livesendung, ähnlich den Übertragungen von ServusTV und Sky in Österreich. Mit dem Unterschied, dass neben den Live-Spielberichten die Sendung aus dem Studio moderiert wird. Für den reibungslosen Eishockeyabend in der Redaktion zeichnet mit dem 32-jährigen Martin Pfanner ein Produzent aus Vorarlberg verantwortlich.

500 Tage Rock’n’Roll

Steffi Buchli, die Programmleiterin für das Eishockey, freut sich über den Besuch aus Vorarlberg. „Jetzt werden wir international“, lacht sie. 500 Tage wurde man gerade alt, mehr als 200 Studiosendungen und über 3000 Liveproduktionen gingen on air. „500 Tage Rock’n’Roll‘“, wie es Buchli nennt. Im Portfolio hat der Bezahlsender auch Fußball, Handball, Motorsport, Inhalte aus Red-Bull-Sportevents, kooperiert wird mit Sky Schweiz. MySports beschäftigt rund 40 fest angestellte und 50 freie Mitarbeiter. Pressesprecher Eric W. Zeller, von UPC, dem bisherigen Mehrheitseigentümer des TV-Kanals zu MySports gewechselt, sieht weiter gute Möglichkeiten, dem Sport-Monopol des Schweizer Fernsehens entgegenzuwirken. „Wir bekommen mit Sunrise nun einen echten Schweizer Eigentümer.“ MySports, innerhalb kurzer Zeit zu einer Marke gewachsen, wechselt im Rahmen des mehr als sechs Milliarden schweren Deals zum Kommunikationsunternehmen Sunrise.
Die sechs Bildschirme im Regieraum sind aufgeschalten, die Partien der 50. und letzten Runde des Grunddurchgangs der National League in Vorbereitung. Als Hauptspiel ist für den Abend Servette Genf gegen die ZSC Lions ausgewählt. Der Strichkampf, wie er in der Schweiz genannt wird. Meister- oder Zwischenrunde heißt die große Frage. Im Studio gehören die Sympathien mehrheitlich den Zürchern, den aktuellen Champions, der Großteil des rund 30köpfigen MySports-Teams dieses Abends kommt aus der Region.

Im Zahlen-Babylon

Bei der Generalprobe bespricht Moderatorin Buchli im Studio mit die letzten Änderungen, im Regieraum ist Martin Pfanner ihr Mann im Ohr. Die Abfolge der Sendung wird sekundengenau geplant. Für die grafische Studiodarstellung mit den überdimensionalen Köpfen der beiden Trainer Chris McSorley und Arno Del Curto im Studio-Hintergrund gibts ein Kompliment von Chefin Buchli.

Moderatorin Steffi Buchli, das Gesicht der Eishockeysendung bei MySports. MySports


Der Abend im Regieraum. Die Zahlensprache hält Einzug. Tor nach neun Sekunden in Lugano, das schnellste der Saison . . . Szene Nummer 41 speichern für die Pause . . . wer kommt auf welchem Tabellenplatz und wen gibt es als Gegner im Play-off . . . 5, 4, 3, 2, 1 als Countdown für den nächsten Einstieg von Buchli und ihren drei Gästen im Studio. Vom Regiepult ertönt ein kurzer Jubelschrei, Pfanner freut sich über einen Treffer von Landsmann Dominic Zwerger im Ambri-Spiel. Auf dem Hauptbildschirm herrscht bei Lausanne gegen den ZSC Dramaturgie pur. Nach einer turbulenten Schlussphase setzen sich die Westschweizer am Ende mit 3:2 durch. Die Zürcher bei MySports haben keine Zeit für Trübsinn. Szene 138 muss für die Studiogäste nochmals aufgearbeitet werden, im Sekundentakt schneien Interviews aus Zug, Davos, Langnau, Ambri und Genf herein. Die Tabelle bekommt ein neues Gesicht, alle Play-off-Paarungen stehen fest.
Die Overtime in Zug ist zu Ende, nicht aber die Konzentration im Regieraum. In der Sendung Back Check werden im Studio die Höhepunkte nochmals aufgearbeitet, schnelle Entscheidungen sind gefragt. Es ist 23.14 Uhr, als die Lichter ausgehen, man hat eine Viertelstunde überzogen. Egal, denn sonst hat alles geklappt wie am Schnürchen.