„Wir bereuen zutiefst, dass wir gedopt haben“

Sport / 06.03.2019 • 20:21 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dominik Baldauf hofft, die Polizeiausbildung absolvieren zu können. gepa
Dominik Baldauf hofft, die Polizeiausbildung absolvieren zu können. gepa

Dominik Baldauf und Max Hauke belasten Johannes Dürr als Tippgeber.

Wien Im Interview mit der „Kronen Zeitung“ haben die des Eigenblutdopings überführten österreichischen Langläufer Dominik Baldauf und Max Hauke erklärt, dass sie 2016 von Johannes Dürr von jenem deutschen Arzt in Erfurt erfahren hatten, der als mutmaßlicher Drahtzieher eines großen Dopingnetzwerks gilt. Die erste Blutabnahme soll im Sommer 2018 erfolgt sein.

Erste Blutabnahme 2018

„2016 traf ich Johannes Dürr erstmals seit dem Skandal um ihn wieder. Wir arbeiteten beide beim Zoll in Wien und gingen manchmal miteinander trainieren. Dabei redeten wir natürlich über das Langlaufen und in der Folge darüber, dass die Leistungen von Max und mir stagnierten. Dürr erklärte mir, dass es ohne Doping nicht möglich sei, an die Spitze zu kommen. Und dass uns sein Erfurter Arzt helfen könne“, wird Baldauf in der Tageszeitung zitiert.

In der Folge hätten beide „diese Option ständig im Hinterkopf“ gehabt, ergänzte Hauke. Man habe sich entschlossen, Kontakt zu dem Mediziner aufzunehmen. Es sei der „Beginn unseres Untergangs“ gewesen. Die Blutabnahme erfolgte laut Baldauf im Sommer 2018, die Rückführung vor den Wettkämpfen im Winter. „Alles war extrem professionell organisiert, wir kommunizierten über Pre-Paid-Handys mit dem Arzt und seinem Team. Wenn wir Infusionen brauchten, war in einem Nachbarhotel Fachpersonal, das uns die Nadeln setzte“, erklärte Hauke.

Gegen Dürr war am Dienstag wegen des Verdachts des schweren Betrugs und des Sportbetrugs eine Festnahmeanordnung erlassen worden, er wurde am Mittwoch enthaftet. Der Niederösterreicher war bei Olympia 2014 positiv auf EPO getestet und danach gesperrt worden. In einer ARD-Dokumentation im Jänner hatte er umfassend über Dopingpraktiken im Leistungssport ausgepackt, dies soll zu den Razzien während der Nordischen WM in Seefeld und Erfurt geführt haben.

Hauke berichtete im Interview, dass er keine einzige Kontrolle nach den Bewerben gehabt hätte, Baldauf eine, der Test sei negativ gewesen. „Es reicht, nach dem Rennen ein Glas Salzwasser zu trinken, dadurch wird das Blut so stark verdünnt, dass die Werte normal sind. Wer beim Blutdoping bei einem normalen Check auffliegt, muss ein Trottel sein“, wird Baldauf im Interview zitiert. Beide wollten sich für ihr Handeln entschuldigen. „Uns ist bewusst, dass wir enormen Schaden angerichtet haben. Für den Sport in Österreich und die Heim-WM“, betonten beide Sportler unisono. „Wir haben so viel kaputt gemacht und wir entschuldigen uns dafür. Wir bereuen zutiefst, dass wir gedopt haben. Und ich weiß jetzt: Zu dopen war der größte Fehler meines Lebens“, meinte Baldauf.

Das Kapitel Leistungssport sei für beide beendet, da „in unserem Leben ein Cut stattgefunden hat und man nun völlig neu beginnen müsse“. Während Hauke betonte, unbedingt Medizin studieren zu wollen, hofft Baldauf trotz der Geschehnisse, die Polizeischule absolvieren zu können: „Mein Traum ist es, Kriminalbeamter zu werden, große Fälle aufzuklären, Rätsel zu lösen.“

„Mein Traum ist es, Kriminalbeamter zu werden, Fälle aufzuklären, Rätsel zu lösen.“