„Cheftrainer sein ist ein ganz anderer Job“

11.03.2019 • 21:11 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Wolfgang Luisser freute sich über Glückwünsche seiner Ex-Chefs Adi Hütter (Frankfurt) und Klaus Schmidt (Mattersburg).gepa
Wolfgang Luisser freute sich über Glückwünsche seiner Ex-Chefs Adi Hütter (Frankfurt) und Klaus Schmidt (Mattersburg).gepa

Altachs Interimscoach über sein Traumdebüt und warum seine neue Rolle eine Gratwanderung ist.

Altach Was war das für ein Einstand für Wolfgang Luisser. 3:1- Sieg bei der Austria und das gleich beim Trainerdebüt und gegen seinen ehemaligen Cheftrainer bei Aue, Thomas Letsch. Dass dieser am Tag danach freigestellt wurde, ist Teil des Fußballgeschäfts. Beim Burgenländer selbst aber glänzten nach diesem so wichtigen Lebenszeichen seiner Altacher die Augen. Unter den vielen Gratulanten nach dem Spiel war auch sein Ex-Chef Adi Hütter (Grödig), der ihm via Handy Glückwünsche zum Debütsieg schickte. Dass er sich in der Rolle als Cotrainer wohlfühlte, verriet er den VN.

Ein Traumdebüt für Sie als Altach-Coach. Wie süß schmeckte dieses Erfolgserlebnis nach den vielen Pleiten davor?

Luisser Austria auswärts ist natürlich ein harter Brocken. Wir sind überglücklich über diesen Sieg. Vor allem wenn man bedenkt, wie viel Leidenschaft wir ins Match geschmissen haben. Viele Spieler hatten am Schluss schon Krämpfe. Das zeigt einfach, dass die Mannschaft bis zum Schluss alles gegeben hat.

So bissig hat man Altach heuer selten gesehen.

Luisser Das war unser Ziel und auch meine Vorgabe. Ich hab in der Mannschaftsbesprechung gesagt: „Burschen, wir haben 20 Runden gefällig mitgespielt, aber wir müssen jetzt Emotionen zeigen, ein Feuer mitbringen und aggressiver zu Werke gehen.“ Die Mannschaft hat das von der ersten Minute an umgesetzt. Wir haben gleich das Tor geschossen, waren richtig gut im Spiel und haben auch nach dem Gegentreffer nicht nachgelassen und bis zum Schluss gefightet. Dies war ein Zeichen, welches Herz die Mannschaft hat.

Das erste Spiel als Cheftrainer für Sie, und dann gewinnt man gleich bei so einer Kulisse in der neuen Generali Arena?

Luisser Das war ein Riesen-Erlebnis. Die Anspannung vor dem Match war groß. Ich freue mich umso mehr, dass das Debüt geglückt ist, aber ich muss jetzt sagen, es geht nicht um mich, sondern um den Verein Altach. Mich freut es einfach für die Spieler und Fans, die so zahlreich in Wien dabei waren.

Werden wir Sie das Spiel gegen den LASK nochmals als Cheftrainer erleben?

Luisser Es ist so geplant, dass ich das Spiel gegen den LASK auch noch coache, dann kommt die Länderspielpause und dann sollte der neue Cheftrainer da sein.

Kommt man da nicht auf den Geschmack? Ihr burgenländischer Landsmann Franz Lederer war auch zuerst Interimstrainer und wurde dann zum längstdienenden Trainer der Bundesliga.

Luisser Natürlich macht es Spaß und ist super interessant und spannend. Aber ich bin da die falsche Ansprechperson, da müssen Sie Sportdirektor Georg Zellhofer fragen. Meines Wissens kommt auf alle Fälle ein neuer Trainer.

Sind die Abläufe als Chefcoach jetzt sehr anders als als Co-Trainer?

Luisser Natürlich schauen dich die Spieler am Sonntag alle an: Was sagt er jetzt? Zuerst ist er Co und jetzt redet er g‘scheit. Das Training ist natürlich auch anders, weil der Cheftrainer seine Ideen hat, und die Assistenten müssen das dann umsetzen. Jetzt muss ich viel mehr planen und entscheiden. Als Co-Trainer kannst du lockerer sein, hast du nicht so die Verantwortung. Es ist ein ganz anderer Job.

Muss man da auch ein anderer Mensch sein, eher der harte Hund?

Luisser Das ist immer so eine Gratwanderung. Auf der einen Seite kennen sie mich als Co-Trainer und Kumpeltyp, auf der anderen bist du jetzt der Chef und musst schärfere Vorgaben machen.

Sie haben an drei Positionen umgestellt. Das erfordert auch Mut, wenn man weiß, man rückt wohl wieder in die Co-Trainer-Rolle zurück.

Luisser Nach einem Trainerwechsel muss man im Team etwas verändern. Sonst brauchst du keinen Trainerwechsel machen, meiner Meinung nach. Alle Spieler haben aber eine super Leistung gebracht, wir können nur gemeinsam da unten rauskommen.

Fühlen Sie mit Ihrem ehemaligen Chef Thomas Letsch mit? Es gab ja schon im Stadion „Letsch Raus!“-Rufe, und am Tag danach wurde er als Austria-Wien-Trainer freigestellt.

Luisser Natürlich fühlt man mit. Das wünscht man keinem. Wir haben vorher unter der Woche mal telefoniert und SMS geschrieben.

Wie sehen Sie die Ausgangslage für das LASK-Spiel?

Luisser Für uns wird es ganz wichtig sein, dieses Herz und diese Einstellung die ganze Woche mitzunehmen. Der LASK wird ein harter Brocken.

Warum läuft es heuer bei Altach daheim so schlecht?

Luisser Auswärts tun wir uns leichter. Da müssen wir nicht das Spiel machen. Für mich wird die Einstellung wichtig, dass sich alle auch nächsten Sonntag so für den Verein reinhauen wie gegen die Austria.

Zur Person

Wolfgang Luisser

Hat schon im Alter von 24 Jahren nach zwei Knieverletzungen sehr früh seine Karriere beendet

Geboren 31. August 1979 in Güssing

Ausbildung Studierte Sportwissenschaft und Sportlehramt

Laufbahn als Spieler SV Güssing, GAK, TSV Hartberg, SV Mattersburg, SV Güssing, SV Oberwart

Laufbahn als Trainer Nachwuchs beim GAK und in der Red-Bull-Akademie, SV Grödig