Die ewige Suche nach dem Kick

Sport / 13.03.2019 • 18:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Spaß auf den Rennstrecken dieser Welt und mit Hund Roscoe: Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton.reuters
Spaß auf den Rennstrecken dieser Welt und mit Hund Roscoe: Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton.reuters

Lewis Hamilton, der Superstar der Formel 1, genießt alle Freiheiten.

Melbourne Lewis Hamilton will in diesem Jahr zum sechsten Mal Weltmeister werden. Im Gegensatz zu seinem ewigen Rivalen Sebastian Vettel ist der extrovertierte Mercedes-Star ein schillernder Lebemann mit ausgeprägtem Hang zur Selbstdarstellung und einem illustren Freundeskreis.

Neulich in Katar, da hat sich Lewis Hamilton mal so richtig über seinen nicht minder populären Kumpel Neymar lustig gemacht. Zum Skydiving in Doha habe er Brasiliens Starkicker eingeladen, erzählte der Weltmeister gut gelaunt, „und sein Gesichtsausdruck war unbezahlbar. Er hat gekniffen.“ Hamilton selbst hat natürlich nicht gekniffen. Auf der ewigen Suche nach dem ultimativen Kick ist schließlich nur der Himmel die Grenze für den Sternfahrer der Formel 1.

„Er ist einfach Lewis“

Lewis Hamilton war in den vergangenen beiden Jahren die Lebensversicherung und der Erfolgsgarant von Mercedes. Letztlich hatten es die Silbernen den überragenden Qualitäten des fünfmaligen Weltmeisters zu verdanken, dass alle Angriffe der Konkurrenz auf die Titel in der Fahrer- und Konstrukteurswertung abgewehrt wurden. Wenn es darauf ankommt, ist Lewis Hamilton eben oft diese eine Tausendstelsekunde schneller, bremst diesen einen Wimpernschlag später als jeder andere. „Lewis ist kaum zu beschreiben“, sagt Mercedes-Teamchef Toto Wolff: „Er ist einfach Lewis.“

Und weil das so ist, lässt Mercedes seinem exzentrischen Frontmann auch alle Freiheiten. Ein kleiner Trekking-Ausflug in die Rocky Mountains zwischen zwei Europarennen? Kein Problem. Schnell mal nach New York jetten, um dort den Kaufvertrag für ein 30 Millionen Euro teures Penthouse am Ufer des Hudson zu unterschreiben? Geschenkt. Ein bisschen Bling-Bling bei den Fashion Weeks in Paris und Berlin, während alle anderen in der Fabrik im englischen Brackley am Auto tüfteln? Aber natürlich.

Selbstverständlich werden an den Rennwochenenden gerne Mitarbeiter abgestellt, die sich im Fahrerlager um die optimale Versorgung von Hamiltons englischen Bulldoggen Roscoe und Coco kümmern. Schließlich reist der Weltmeister nicht gerne ohne seine Babys, und man will ihn natürlich unbedingt bei Laune halten. Roscoe verdient übrigens sein Hundefutter selbst, der Rüde kann als tierisches Model einer Agentur in Los Angeles für einen Tagessatz von schlappen 600 Euro gebucht werden.

„Speed King“ Hamilton nutzt alle diese Freiheiten, und er braucht sie auch, um sein nicht gerade kleines Ego voll entfalten zu können. Dieses Ego macht ihn allerdings auch zu einer Naturgewalt im Cockpit eines Formel-1-Autos. Nichts scheint ihn wirklich aus der Ruhe bringen zu können, fährt irgendjemand 60 Sekunden vor Ende des Qualifyings Bestzeit, legt er eben 30 Sekunden später nach. „Irgendwo liegen immer noch ein paar Tausendstel rum“, hat er mal gesagt. Er findet sie mit Sicherheit.

Rekorde sind egal

Die Rekorde von Lewis Hamilton sind beachtlich und vielfältig. Vor ihm liegt zumindest in der Statistik der WM-Titel und Rennsiege nur noch Ferrari-Legende Michael Schumacher. Von 229 Grand Prix seit 2007 hat Hamilton 73 gewonnen (Schumacher: 307/91), fünfmal war er Weltmeister – nur noch zwei Titel trennen ihn von Rekordchampion Schumacher. Er jage keine Titel und Rekorde, ließ er zuletzt bei den Wintertests in Barcelona wissen, entscheidend sei allein, dass er das tun könne, was ihm Spaß macht: „That‘s Racing.“

Aber vielleicht findet er es ja eines Tages spannender, sich gemeinsam mit seinem Ausrüster (Tommy Hilfiger) als Modeschöpfer einen Namen zu machen. Roscoe könnte doch für ihn modeln.

„Irgendwo liegen immer noch ein paar Tausendstel herum.“