„Das Bremsgefühl ist schon da“

Sport / 15.03.2019 • 20:09 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Bei den Tests in Barcelona konnte sich Sebastian Daum an das neue Bremsgefühl herantasten. Der Dornbirner geht nunmehr voller Vorfreude in die neue Saison.Porsche
Bei den Tests in Barcelona konnte sich Sebastian Daum an das neue Bremsgefühl herantasten. Der Dornbirner geht nunmehr voller Vorfreude in die neue Saison.Porsche

Nach dem Titelgewinn im Porsche Super-Sports-Cup wartet auf Sebastian Daum neues Motorsport-Zeitalter.

Schwarzach „Es war mein erstes Mal“, erzählt Sebastian Daum beim Besuch in der VN-Sportredaktion. Bei den ersten inoffiziellen Tests in Most hat der junge Motorsportler seine ersten Runden im Porsche Carrera gedreht und sich dabei an das Bremsen ohne ABS-System herangestastet. „Der GT-Cup ist das Sprungbrett in den professionellen GT-Motorsport“, klärt er auf. Dass er weltweit zum Talent-Pool von Porsche zählt, erzählt der sympathische Dornbirner so ganz nebenbei, ohne Anflug von Überheblichkeit. Es würde auch nicht zu Sebastian Daum passen, denn der 20-Jährige steht mit beiden Beinen im Leben. Realistisch steht er seinem Traum, den Motorsport professionel betreiben zu können, gegenüber, dennoch verfolgt er seine Ziele mit großem Ehrgeiz. Wichtig sei, sich dessen bewusst zu sein, dass er Ränge zwischen eins und fünf, wie in seinem ersten Jahr, als er alle überraschte, anfangs nicht erwarten dürfe. „Das muss aus dem Kopf“, weiß er. Nicht nur deshalb arbeitet Daum, der noch bis Juni seinen Zivildienst im Landeszentrum für Hörgeschädigte ableistet, seit mehreren Monaten mit einem Mentalbetreuer aus Köln zusammen. „Er lehrt mich auch, meinen Ehrgeiz ein bisschen einzubremsen.“

Erste Kartrunden auf Mallorca

Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass der Aufstieg des Vorarlbergers vor allem dem Zufall geschuldet ist. Alles begann auf Mallorca, als er sich mit seinem Vater, der selbst Autorennen fuhr, und seinem Bruder auf der spanischen Ferieninsel in ein Kartauto setzte. „Ich kämpfte mit einem Rad an Rad und es stellte sich dann heraus, dass er Profifahrer ist.“ Der Tscheche Jiri Pisarek zeigte sich so angetan vom Jungen aus dem Ländle, dass er die Kartbahn für eine Stunde mietete, um gegen Sebastian Daum zu fahren. Es sollte danach rund ein Jahr dauern, bis ein Anruf aus München den Weg ebnete. „Ich wurde zu einer Kartsichtung nach München eingeladen. Wie sie damals auf mich gekommen sind, wissen wir heute noch nicht. Aber es dürfte mit Mallorca zusammenhängen.“ Als dann nach den ersten Runden der Rennstreckeninhaber zu Sebastians Vater meinte – „Auch Vettel und Michael Schumacher waren hier. Aber noch nie hat jemand zu Beginn so eine Pace gehabt – war auch für Jürgen Daum klar: Sein Sohn soll eine Chance im Motorsport erhalten. Statt Kartrennen entschied man sich aber für die „KTM-XBow-GT4“-Serie bei einem steirischen Team und die Zusammenarbeit mit dem Motorsportberater Andreas Schreier. Der Rest ist ein (noch) kleines Märchen. Denn 2019 bestreitet der Vorarlberger den Carrera-Cup, der nicht nur in Europa, sondern auch auf anderen Kontinenten gefahren wird. Seine Spannung vor dem ersten offiziellen Test ist dementsprechend groß. Allein das Umfeld ist riesig. Gefahren, so erzählt Daum, wird meist vor 40.000 bis 50.000 Zuschauern, zudem präsentiert sich der Markenpokal in diesem Jahr gleich zweimal im Umfeld der DTM. „Als 13-Jähriger war ich als Zuschauer bei den Rennen und habe die Piloten bewundert. Damals habe ich mich nicht getraut, sie anzusprechen und jetzt bin ich selbst einer von ihnen. Das ist irgendwie unfassbar.“ Vor allem das Fahren, die Zweikämpfe, das Überholen und Bremens ohne ABS lässt seinen Puls höher schlagen. „Das Gefühl ist schon ganz gut“, sagt er nun, nach der Rückkehr von zweitägigen Testfahrten in Barcelona – und ergänzt: „Ich kann vieles nicht, aber alles, was ich bisher im Auto gemacht habe, hat unheimlich gut und schnell funktioniert.“ Nicht zuletzt wohl auch dank dem Zusammenspiel eines gut funktionierenden Trainingsplans, sowohl körperlich als auch mental. Eine nicht unwichtige Komponente, wollen doch Kräfte bis zu 2G kontrolliert werden. Zudem ist eine Saison kostenintensiv, rund 220.000 Euro ohne große Schäden.

„Im Carrera-Cup wirst du perfekt vorbereitet für die professionelle GT-Bühne.“

Bei den Tests in Barcelona konnte sich Sebastian Daum an das neue Bremsgefühl herantasten. Der Dornbirner geht nunmehr voller Vorfreude in die neue Saison.Porsche
Bei den Tests in Barcelona konnte sich Sebastian Daum an das neue Bremsgefühl herantasten. Der Dornbirner geht nunmehr voller Vorfreude in die neue Saison.Porsche

Motorsport

Carrera-Cup-Kalender 2019

9.4./10.4.2019: Most (offizieller Test)

3.05.- 5.5.2019: Hockenheimring (DTM)

17.5.-19.5.2019: Most (GT-Masters)

7.6.- 9.6.2019: Spielberg (GT-Masters)

5.7.- 7.7.2019: Norisring (DTM)

9.8. – 11.8.2019: Zandvoort (GT-Masters)

16.8. – 18.8.2019: Nürburgring (GT-Masters)

13.9. – 15.9.2019: Hockenheimring (GT-Masters)

27.9. – 29.9.2019: Sachsenring (GT-Masters)

Zur Person

Sebastian Daum

Der Motorsportler spielte Fußball und nennt als sein Hobby Sport jeglicher Art

Geboren 8. Februar 1999 in Dornbirn

Grösse/gewicht 173 cm/66 kg

Ausbildung Sportgymnasium Dornbin

Familie Mutter Claudia Daum, Vater Jürgen Daum, ein Bruder (Philipp 16)

Laufbahn Gewinner des Porsche Super-Sports-Cup/Deutschland

Sponsoren Swiss-Net, Nigrin-Autopflege, Henn GmbH, Fun-World