„Kein Erfolg ohne europäischen Schulterschluss“

Sport / 22.03.2019 • 22:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Karl Stoss findet zum Thema Doping ganz klare Worte. gepa
Karl Stoss findet zum Thema Doping ganz klare Worte. gepa

Wien Der Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC), Karl Stoss, spricht sich für lebenslange Sperren von Sportlern, die systematisch Doping betreiben, aus. Auch fordert er einen europäischen Schulterschluss und ein EU-weites Anti-Doping-Gesetz. In der Prävention müsse das Strafausmaß noch mehr verdeutlicht werden.

Was löst die Schlagzeile „Österreich ist eine Dopingnation“ in Ihnen aus?

Stoss Das löst schreckliche Gefühle aus, weil es natürlich überhaupt nicht stimmt. Es gibt leider in jeder Gesellschaft schwarze Schafe, weltweit und nicht nur im Sport, sondern auch in der Wirtschaft oder kirchlichen Organisationen. Es gibt Personen, die kriminelle Energien mitbringen, das kann man leider nicht gänzlich ausschließen. So gerne ich das auch würde. Es gibt so viele hervorragende Sportlerinnen und Sportler in Österreich, die ohne Doping Höchstleistungen bringen und großartige Erfolge feiern.

Es passiert mittlerweile regelmäßig, dass Österreich bei Großveranstaltungen negativ auffällt . . .

Stoss . . . das ist sehr, sehr bitter, absolut! Dann kommen die Bilder so rüber, wie sie eben nicht sein sollten und auch nicht sein dürfen. Das ist wahrscheinlich gepaart mit dem überaus großen Ehrgeiz, den halt Spitzensportler mit sich bringen. Und wenn sie merken, sie können aufgrund ihrer Trainingsleistungen und normalen Umständen nicht dort anschließen, wo die Weltspitze ist, versuchen sie es mit allen Mitteln. Das ist sehr traurig.

Das Anti-Doping-Bundesgesetz sieht bereits Haftstrafen vor, muss man es weiter verschärfen?

Stoss Man muss mit Haftstrafen und Geldstrafen noch strenger werden, aber was man vor allen Dingen müsste, ist eine EU-einheitliche Gesetzgebung des Anti-Doping zu beschließen. Es kann nicht sein, dass Ärzte, die man aufdeckt und nennt, in anderen Ländern nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Und die können weiter ihr Handwerk betreiben. Da musst ein europäischer Schulterschluss erfolgen, sonst ist das wirkungslos, was wir national machen.

Marcel Hirscher fordert lebenslange Sperren für systematische Doping-betrüger. Was fordern Sie?

Stoss Absolut, da trete ich auch zu hundert Prozent dafür ein. Jemand, der das systematisch über Jahre betrieben hat, gehört nicht in Sportveranstaltungen. Der hat auf der internationalen Bühne nichts verloren, weil er kein Vorbild für die Jugend ist. Ganz im Gegenteil, er vermittelt, dass man Leistung nur mit Doping erreichen kann. Es gibt Doping nicht nur im Sport, es gibt Doping in der Wirtschaft, es gibt Doping in allen Lebenslagen und Bereichen. Wenn man suggeriert, man kann nur noch durch Doping Höchstleistungen erreichen, ist das ein völlig falsches Bild.

Peter Schröcksnadel, Präsident des Österreichischen Skiverbands und Vizepräsident im ÖOC, steht massiv in der Kritik, weil immer wieder seine Langlaufsparte betroffen ist. Was sagen Sie ihm?

Stoss Ihm die kriminelle Energie einzelner Athleten vorzuwerfen, davon halte ich nichts.