Konsequenzen gefordert, aber keine Teamchefdebatte

Sport / 25.03.2019 • 20:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auf Ursachensuche: ÖFB-Teamchef Franco Foda (rechts) und ÖFB-Präsident Leo Windtner.gepa
Auf Ursachensuche: ÖFB-Teamchef Franco Foda (rechts) und ÖFB-Präsident Leo Windtner.gepa

ÖFB-Präsident Leo Windtner fordert eine detaillierte Aufarbeitung der 2:4-Blamage.

Haifa „Eine Teamchef-Diskussion bringt in dieser Situation sicher nichts“, stellte Leo Windtner noch vor dem Rückflug klar. Gleichzeitig aber will er das 2:4 genaustens aufgearbeitet haben und fordert konsequentes Handeln von Franco Foda ein. „Es wird für den nächsten Lehrgang nicht genügen, nur den Zeitplan neu zu erstellen. Wir haben jetzt eine Phase der Frustbewältigung, dann muss die Phase der nüchternen Analyse folgen, wo auch der Sportdirektor (Anm. d. Red.: Peter Schöttel) gefordert ist, und dann muss es Konsequenzen für die nächsten Spiele geben.“

Freie Hand für den Teamchef

Welche Konsequenzen das sein sollen, ließ Windtner offen, deutete aber an, dass in diesem Zusammenhang vor allem die Kicker gemeint seien. „Die Spieler müssen wissen, dass ein höherer Pulsschlag vonnöten ist, wenn sie den Adler auf der Brust tragen, und das war in Israel nicht erkennbar.“ Der ÖFB-Präsident war nach dem Schlusspfiff in die Kabine gegangen und bemerkte dabei „totale Niedergeschlagenheit. Da ist kein Wort mehr über die Lippen gekommen.“ Das schlechte Gewissen habe das Team laut Windtner zu Recht geplagt. „Es war nicht die Bereitschaft da, ans absolute Limit zu gehen, weil man gemeint hat, das schaffen wir auch mit 80, 90 Prozent. Aber wenn wir nicht ans Limit gehen, werden wir keinen Erfolg haben.“

Der Faden sei gerissen, als Marko Arnautovic und Co. nach der frühen Führung „in einen sehr starken Zurückspielmodus verfallen sind“, sagte Windtner. „Das ist oft ein Problem bei uns.“ Ein weiterer Knackpunkt waren laut dem ÖFB-Boss die vielen vergebenen Chancen beim Stand von 1:1.

Klassischer Selbstfaller

So kam es am Ende zu einem „klassischen Selbstfaller“, wie es Windtner nannte. „Wir haben in den ersten 25 Minuten genau in die Spur gefunden, die wir uns vorgenommen hatten. Es war dann unerklärlich, dass man in so eine Sorglosigkeit verfallen ist.“ Das Tor zum 1:2 hatte für den Verbandschef „Schülermannschafts-Charakter“, das Spiel generell erinnerte ihn an das 2:3 im Oktober 2016 in der WM-Qualifikation in Serbien. „Da sind wir ähnlich ausgetanzt geworden, nur hatte Serbien eine ganz andere Qualität.“ Offenbar gelang es Foda nicht wie Marcel Koller zu Beginn dessen Amtszeit, den ÖFB-Kickern den Schlendrian auszutreiben. „Das könnte man primavista meinen“, gab Windtner zu. „Ich brauche aber gar nicht erwähnen, was es unter Koller alles gegeben hat, wie zum Beispiel Alaba aufs Feld gekommen ist und seine Rolle nicht gespielt hat et cetera.“

Nach einer Leistung wie gegen Israel müsse alles hinterfragt werden. „Dass vielleicht von der Bank noch das eine oder andere machbar gewesen wäre, lasse ich dahingestellt“, meinte Windtner. Vom Verbandschef gab es jedoch auch Durchhalteparolen. „Tatsache ist, wir stehen mit dem Rücken zur Betonwand. Aber, so illusorisch es klingt, die Tür ist nach wie vor offen. Defätismus ist nicht angebracht, doch es ist klar, dass man Schlüsse ziehen muss.“

„Es war nicht die Bereitschaft da, ans absolute Limit zu gehen.“