Golfer Michael Vonbank: Im Profileben ist alles anders

Sport / 12.04.2019 • 14:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Golfer Michael Vonbank versucht in diesem Jahr bei den Profis durchzustarten.
Golfer Michael Vonbank versucht in diesem Jahr bei den Profis durchzustarten.

Der Brazer liebäugelt mit der Qualifikation für die European Tour.

Braz Golfsport als Beruf. Diesen Traum verfolgt seit einigen Monaten Michael Vonbank. Der 22-Jährige aus Braz geht in diesem Jahr seine erste volle Saison als Professional an. Ermutigt von guten Ergebnissen im Amateurbereich wagt der Absolvent des Dornbirner Sportgymnasiums den Schritt ins Profitum. „Ich habe im vergangenen Oktober die Qualifying School geschafft. Da ist es auf der Hand gelegen, dass ich es mache.“

Das Niveau ist hoch

21 Turniere auf der Pro-Golf-Tour stehen 2019 auf Vonbanks Programm, dazu kommen ein bis zwei Turniere auf der gleichrangigen Alps-Tour, die nationale offene Meisterschaft, die österreichischen PGA-Championships und die Matchplay-Meisterschaft. Die wichtigsten Veranstaltungen kommen dann im Herbst mit der dreistufigen Qualifikation für die European Tour, die in Österreich und Spanien gespielt wird.
Vonbanks Einstieg ins Profigeschäft war harzig, aber keineswegs entmutigend. In den ersten fünf Turnieren reichte es einmal für den Cut. „Es war erwartet schwer“, sagt Vonbank nach dem Saisonauftakt in Ägypten. „Auf der Profiebene ist alles anders. Das Niveau ist extrem hoch, nicht mit dem Amateurbereich vergleichbar. Die Konkurrenz ist sehr viel besser, die Plätze sind schwerer, der Druck ist deutlich höher.“ Halbwegs vernünftige Runden zu spielen würde bedeuten, man wäre schon im Hintertreffen. Der Cut liege meistens so bei minus fünf. „Ich war teilweise gar nicht weit weg. Aber irgendwie doch nicht dabei. Man darf sich über die drei Tage nur ganz, ganz wenige Fehler erlauben. Der Anfang ist gemacht, ich kann damit umgehen. Ich sehe schon Potenzial, noch in dieser Saison vorne mitspielen zu können.“
Unterstützung für den Weg ins Profileben kommt von den Eltern, den Sponsoren und dem Golfklub. „Vision Pro Golf Tour“ nennt sich das Förderkonzept, das der GC Bludenz-Braz erarbeitet hat. Der Verein will damit talentiertem Nachwuchs den Weg zur Spitze ebnen. „Das Konzept wurde auf drei Jahre ausgelegt, für mich ist wichtig: Ich will es wirklich weit schafften, in der European-PGA-Tour Turniere gewinnen. So lange ich sehe, dass mein Potenzial und die Weiterentwicklung so hoch sind, dass ich es schaffen kann, ist meine Motivation da.“
Der Rasensport wurde Vonbank im Klub vor Ort schmackhaft gemacht. „Es war für meinen Bruder und mich naheliegend, einmal reinzuschnuppern. Wir haben uns ziemlich schnell entschlossen, damit anzufangen.“ Inzwischen dreht sich beim dreifachen Sieger der Ski-Golf-WM alles um den kleinen Ball. Der Tagesablauf umfasst vier bis sechs Stunden Golftraining, weitere ein bis zwei Stunden gehören der Fitness mit Ausdauer und Kraft. Physiotherapie, Mentaltraining, regenerative Maßnahmen stehen ebenfalls auf dem Stundenplan. „Ich komme immer auf einen normalen Arbeitstag mit rund acht Stunden.“

Ein kompetentes Team

Als Trainer steht Vonbank Hans Rüffer zum Vorarlberger Golfverband zur Seite, für den Schwungbereich ist der Deutsche Lukas Eisinger zuständig, die Fitness überwacht Samuel Griell. Die Leistungsdiagnostik und Trainingspläne liegen in den Händen von Sportwissenschaftler Dr. Michael Reinprecht, der auch mit Tennisass Dominic Thiem arbeitet. „Ich konnte in der Vorbereitung auf die vergangene Saison im Camp auf Teneriffa zusammen mit Thiem trainieren. Ein kompetentes Team zu haben ist sehr wichtig. Es funktioniert auf sportlicher, aber auch persönlicher Ebene. Das erzeugt auch die Gewissheit, besser werden zu können.“
Der Schwerpunkt im Training liegt aktuell auf dem Abschlag und bei den langen Eisen. „Da muss ich mich weiterentwickeln.“ Alles unter 120 Meter, kurze Eisen und Wedges gehören zu den Stärken, das Putten sei okay. „Um ganz nach vorne zu kommen, muss es aber besser werden“, sagt der Klostertaler, der sich immer wieder mit dem Bregenzer Profikollegen Manuel Trappel austauscht.

Den eigenen Stil finden

Als Vorbild hat sich Vonbank Rory McIlroy auserkoren. „Er ist einer, dem ich am Fernseher extrem gerne zuschaue. Das gibt Motivation, in drei, vier Jahren auch einmal dabei zu sein. Ja, das ist schon einmal das Ziel. Ich will solche Leute aber nicht kopieren. Ich muss meinen eigenen Stil finden, wie ich Golf spiele.“
Am Ende des Jahres wäre es Vonbank wichtig, sich weiterentwickelt zu haben. „Der sportliche Fortschritt ist fast wichtiger als die Ergebnisse. Natürlich werde ich versuchen, mich das eine oder andere Mal bei den Turnieren unter die besten Zehn zu spielen. Aber wenn ich auf die European Tour kommen will, dann muss ich golftechnisch, in der Fitness, mental, aber auch bei der Ernährung besser werden. Ich darf in keinem Bereich stehen bleiben.“
Es sei nicht einfach, Höhepunkte, wie etwa die European-Tour-Qualifikation am Ende der Saison, zu planen. Vonbank: „Im Golf kommt es ganz viel auf die Tagesform an. Es ist wichtig, dass sich die Schwankungen in einem Bereich befinden, in dem es sich arbeiten lässt. Man fängt erst, an Golf zu spielen, wenn die schlechten Schläge gut werden.“