Handball: Unvergesslicher Abend mit vielen Höhepunkten

Sport / 13.04.2019 • 14:30 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Handball: Unvergesslicher Abend mit vielen Höhepunkten
Artistische Einlage von Lukas Herburger. Österreichs Handballer gaben gegen einen Weltklassegegner eine gelungene Empfehlung in Blickrichtung Heim-EM 2020 ab. GEPA

Erfolg über Europameister Spanien war die Krönung beim Fest des Vorarlberger Handballsports im Messestadion.

Dornbirn „Oh, wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen“ dröhnte es aus der Musikbox und Österreichs Männerteam genoss die stehenden Ovationen der 3500 restlos begeisterten Vorarlberger Handballfans im Dornbirner Messestadion nach dem 29:28-Erfolg über 2018-Europameister Spanien. Ales Pajovic durfte sich über einen perfekten Einstand als neuer ÖHB-Teamchef freuen. Doch nicht nur der 40-jährige Slowene, seit zwei Wochen als Nachfolger von Patrekur Johannesson im Amt, hatte allen Grund zur Freude. Auch die komplett in Dornbirn anwesende Führungsriege des Österreichischen Handballbunds (ÖHB) mit Präsident Gerhard Hofbauer, Vizepräsident Thomas Czermin und Generalsekretär Bernd Rabenseifner sprach von einem denkwürdigen Abend. „Der Sieg gegen den regierenden Europameister war der krönende Abschluss beim Neustart in Blickrichtung Heim-EM. Das Lob gebührt den Spielern und dem Trainer- und Betreuerteam, die nach der Enttäuschung bei der WM-Endrunde im Jänner nun neun Monate vor der EM-Endrunde 2020 ein mehr als eindrucksvolles Signal gesetzt haben“, betonte ÖHB-Sportdirektor Patrick Fölser.

Vorarlberg war ein würdiger Gastgeber

Doch nicht nur für die sportliche Leistung, auch für die perfekte Organisation durch den Vorarlberger Handballverband (VHV) mit Präsident Hansjörg Füssinger, Josef Felder, Roland Frühstück und Andreas Sagmeister an der Spitze und die Vertreter der in der Durchführung beteiligten Vereine gab es nicht endende Gratulationen. „Es war wirklich von A bis Z ein denkwürdiger Tag. Es war definitiv die richtige Entscheidung, dieses Spiel nach Vorarlberg zu vergeben. Vorarlberg zeigte sich als mustergültiger Gastgeber und dafür gebührt allen die höchste Anerkennung“, erklärten Generalsekretär Rabenseifner und Marketingleiter Christoph Joklik.

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Das ÖHB-Männerteam durfte sich über eine perfekte Unterstützung der 3500 Vorarlberger Handballfans freuen. APA

VHV-Präsident Füssinger rückte in seiner Analyse die Leistungen der Vereine in den Vordergrund. „Wir als Präsidium haben die Initiative übernommen und den Leitfaden erarbeitet. Das alles wäre nicht möglich gewesen ohne die tatkräftige Unterstützung der Vereine. Ziel war, mit der Veranstaltung einen Impuls zu setzen. Dank der Hilfe der Vereine durften wir uns über einen gelungenen Event freuen, der gezeigt hat, was möglich ist, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen.“

Erster Sieg seit 27 Jahren nach 13 Niederlagen

Zur Freude der Fans war es auch auf dem Spielfeld ein Vorarlberger, der maßgeblichen Anteil daran hatte, dass die Eishalle in einen Hexenkessel verwandelt wurde. Der Harder Robert Weber lieferte in seinem 170. Länderspiel eine echte Galavorstellung ab und hatte mit ingesamt zehn Treffern maßgeblichen Anteil daran, dass Österreich im insgesamt 27. direkten Duell mit Spanien über den fünften Sieg jubeln konnte. Vor dem 29:28-Coup gab es 13 Niederlagen in Folge, den letzten Sieg gab es mit 20:18 vor 27 Jahren am 25. Juni 1992 in Bruck.

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Robert Weber heizte mit seinen Toren die Stimmung immer wieder an und die 3500 Handballfans verwandelten das Dornbirner Eisstadion in einen Hexenkessel. APA

Mit seinen zehn Treffern hat Weber, dessen Wechsel vom SC Magdeburg zum TSV St. Otmar St. Gallen in der kommenden Woche offziell verkündet werden soll, seine Länderspielstatistik auf insgesamt 753 Tore ausgebaut und ist damit hinter dem ebenfalls die Partie verfolgenden Andreas Dittert (1089 Tore) und Viktor Szilagyi (907) dritterfolgreichster Torschütze im rot-weiß-roten Männerteam. Mit seinen nunmehr 170 A-Länderspielen nimmt der 33-jährige Harder, der laut eigenen Aussagen noch drei Jahre auf dem jetzigen Niveau spielen möchte, in der ÖHB-Statistik hinter Ewald Humenberger (246 Länderspiele), Patrick Fölser (218) bzw. Dittert und Szilagyi (je 203) die fünfte Position ein.

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Lucas Mayer (l.), Nikola Marinovic (mit seinen Töchtern Eleni und Juli) wurden von ÖHB-Präsident Gerhard Hofbauer (r.) und Sportdirektor Patrick Fölser verabschiedet. GEPA

Mit seinem Einsatz in der Spanien-Partie hat Robert Weber nun auch Nikola Marinovic in der Anzahl der Länderspiele überholt. Der 42-jährige Marinovic, in Belgrad geboren und seit 2004 Österreicher, startete im November 2004 seine Teamkarriere. Er war bei der EM 2010 und 2014 bzw. bei der WM 2011, 2015 und 2019 dabei und hat 169 Länderspiele bestritten. Aktuell kämpft der in Lindau lebende mit dem GC Amicitia Zürich um den Klassenerhalt in der Schweizer Nati A.

Neben Marinovic, der seit Jänner dieses Jahres der älteste Spieler ist, der jemals an einer WM- oder EM-Endrunde teilgenommen hat, wurde auch dessen Schwager Lucas Mayer verabschiedet. Der Lustenauer feierte im Juni 2008 sein Teamdebüt und bestritt bei der WM 2015 in Katar im Achtelfinale das letzte seiner 78 Länderspiele. Bei seinen Nationalteameinsätzen, u. a. auch an der Heim-EM 2010 und der WM 2011, konnte der heute 36-Jährige über 160 Tore jubeln.

Marinovic ist mit Susanne verheiratet und sie haben zwei Töchter (Eleni und Juli). Der nun in Fußach wohnhafte und als Innenraumdesigner arbeitende Mayer ist mit Susannes Schwester Angela verheiratet, zusammen haben sie die Söhne Carlo und Pepe.

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Ales Pajovic durfte sich mit dem Sieg gegen Spanien über einen perfekten Einstand als ÖHB-Teamchef freuen. GEPA

Zwölfter Sieg im 21. Länderspiel in Vorarlberg

Die Partie gegen Spanien war zugleich der insgesamt 21. Auftritt von Österreichs Männerteam in Vorarlberg. In Summe stehen nun zwölf Siege und neun Niederlagen zu Buche. Im Messestadion wurde zum dritten Mal gespielt: Im Mai 2002 gab es in der WM-Quali eine 26:28-Niederlage gegen Spanien und am 12. Juni 2010 wurden die Niederlande in der WM-Quali mit 31:15 aus der Halle geschossen. Zuvor gab es in der alten Messehalle 1989 ein 17:18 gegen die Schweiz bzw. 1993 ein 21:22 gegen Deutschland.

Das erste Länderspiel in der Geschichte in Vorarlberg gab es am 5. Jänner 1972 in der Sporthalle Schendlingen in Bregenz, es endete mit 28:11 über Italien. Gespielt wurde sechs Mal in Bregenz, je fünf Spiele fanden in Feldkirch und Dornbirn statt, vier Mal war man in Lustenau zu Gast und zwei Partien wurden in Hard ausgetragen. Der höchste Sieg war das 40:11 im Jänner 2003 in Lustenau in der EM-Quali über Georgien, höchste Niederlage war ein 20:27 im Mai 2002 in Feldkirch im Freundschaftspiel gegen die Schweiz.

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