Warum sich Ralph Krueger nach seinem Abschied von Southampton nicht festlegen will

Sport / 27.04.2019 • 19:00 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Der Trainerjob reizt Ralph Krueger weiter, aber wohl nicht in Europa. Nunmehr ist er dank dem Fußball auch sportpolitisch bestens vernetzt. Roland Paulitsch

Der 59-Jährige kann sich einen Verbleib im Fußball (Premier League) ebenso vorstellen wie eine Rückkehr auf die Trainerbank.

bezau Beim Sportsymposium Bodensee in Schwarzenberg war Ralph Krueger der prominente Referent, für die VN nahm er sich vorher im Hotel Post in Bezau Zeit für ein ausführliches Gespräch. Der ehemalige Erfolgscoach der VEU Feldkirch, der noch bis Ende Saison dem Premier-League-Fußballklub South-ampton FC vorsteht, sprach dabei über seinen aktuellen Job, alte Weggefährten und die Zukunft.

Worum geht es in Ihrem Thema beim Sportsymposium?

Es geht um die Grundprinzipien, die für mich wichtig sind. Um als Trainer das bestmögliche herauszuholen, braucht es Werte und Prinzipien. Perfektion gibt es nicht, meine Erfahrung zeigt mir auch, dass einige Sachen bei erfolgreichen Trainern immer wieder auftauchen.

Sie waren als Eishockeytrainer über 20 Jahre erfolgreich und zuletzt im Fußball sechs Saisonen Vorsitzender bei Southampton. Was nehmen Sie aus dieser Reise mit?

Fußball ist eine globale Sporttart. Das hat mich an viele Ecken und Enden dieser Erde gebracht, wo ich mit dem Eishockey nicht hingekommen bin. Die Sportart als solche, wie sie sich entwickelt, ist faszinierend. In der Präsidentenrolle lernt man auch andere Bereiche kennen, die im Sport wichtig sind, auch wie ein Verein funktioniert.

Ralph Krueger feiert mit Sohn Justin, der zum dritten Mal mit Bern Schweizer Champion wurde, den Titel. kr
Ralph Krueger feiert mit Sohn Justin, der zum dritten Mal mit Bern Schweizer Champion wurde, den Titel. kr

Wo sind die markanten Unterschiede zwischen einem Eishockeytrainer und dem Vorstandsvorsitzenden eines Fußballklubs?

Das Trainerleben ist definitiv einfacher. Man weiß genau, was man tagtäglich zu tun hat, fokussiert sich auf diese Aufgabe. Meine Frau würde sagen, dass ich mit dem Fußball 365 Tage unterwegs war. Durch die Kommunikationsmittel ist man ständig auf Trab. Wenn die Saison vorbei ist, öffnet sich das Transferfenster und umgekehrt. Es waren sechs Saisonen, die sehr intensiv waren. Als Coach hat man eine größere Verantwortung in den Tag hinein. Als Chairman muss man auf ein bis drei Jahre im voraus unterwegs sein, um den besten Ablauf für den Verein zu gewährleisten. Das sind schon andere Welten.

Wo wird man Ralph Krueger ab dem Sommer sehen?

Ich bin dabei, mir die Optionen anzusehen. Es gibt die Möglichkeit zu coachen, in der Premier League zu bleiben, oder etwas ganz Neues anzugehen. Ich mache jetzt einmal alles auf, kann die Frage aber heute nicht beantworten.

Sie werden in der Schweiz als Coach des ZSC gehandelt?

Es ist klar, dass im Moment ein Eishockey-Trainerjob in Europa nicht der nächste Schritt wäre. Ich habe mit Zürich gesprochen, aber das passiert nicht. Man soll niemals nie sagen, aktuell sind die Chancen sehr klein. Ich bin nie aus der Eishockeywelt ausgestiegen. Durch meine Jobs beim World Cup und dem kanadischen Olympiteam habe ich viele Kontakte vertieft. Jetzt wird realisiert, dass ich nicht in Southampton bleibe, man beginnt mit mir zu sprechen.

Ralph Krueger mit dem neuen Southampton-Besitzer, dem Chinesen Gao Jisheng sowie Sporteo-CEO Hanno Egger (rechts).
Ralph Krueger mit dem neuen Southampton-Besitzer, dem Chinesen Gao Jisheng sowie Sporteo-CEO Hanno Egger (rechts).

Österreichs Nationalteam hat gerade gegen Deutschland 3:2 gewonnen. Teamchef Roger Bader war in der Schweiz einer Ihrer Assistenten.

Ja, Roger Bader hat mir assistiert, war U-18-Coach und hat viele Jahre mit mir gearbeitet. Er ist ein fachlich sehr kompetenter Mann, mit viel Leidenschaft für die Sportart und hat sich immer weiterentwickelt. Roger war ein wichtiger Begleiter meiner Zeit. Ich habe ihn zum Team geholt. Er ist zum richtigen Zeitpunkt in Österreich gelandet. Ich glaube, Österreich ist bei der WM gut positioniert, um den Klassenerhalt zu schaffen.

Haben Sie die Diskussion um den Aufstieg der VEU in die Erste Bank Liga mitverfolgt?

Das wäre super. Was man braucht, ist Tradition und ein Fundament, damit die Leute wieder mitmachen. Feldkirch hat das ja, das kann man schnell wieder erwecken. Was man außerdem braucht, ist ein starker Fianzpartner, um das Ganze gesund aufzubauen.

Was nehmen Sie nach sechs Saisonen in der Premiere League mit ?

Es war unlaublich lehrreich, darüber könnte ich eine Stunde reden. Du wirfst dich in eine Welt, vor der du viel Respekt hast. Ich kam in einen Verein, bei dem die Klubkultur neu gestaltet werden musste, gleichzeitig hatte der Fußball zu funktionieren, um nicht abzusteigen. Oben zu bleiben ist das Ziel für alle, die nicht unter den Top Acht sind. Wir sind jetzt der achtälteste Klub in der Liga, das zeigt, wie schnell es mutiert. Ronald Koeman war der Richtige, um uns als Trainer durch diese schwierige Zeiten zu führen. Was habe ich gerlernt? Es ist ein endlose Schule, ob es Finanzen, Werbung, Sicherheit oder die Transfers betrifft. Der Transferschluss am 1. September war jedes Mal wie Weihnachten, Geburtstag und Silvester zusammen.

Einige der Spieler der Saints haben es in die erste Kategorie geschafft. Das darf schon stolz machen.

Das war das Southampton, das wir ein wenig verloren hatten. Wir versuchten im Sommer 2017 weiter nach oben zu stoßen. Da haben wir unsere Identätität, den Weg verloren. Mit Ralph Hasenhüttl haben wir es jetzt wieder auf die Bahn gebracht, der Klub hat jetzt ein gute Chance, zu bestehen. Die Realtität ist: Southampton ist eine Zwischenstation für die Großen. Das haben wir ein wenig aus den Augen verlorn. Letzes Jahr wären wir beinahe gefallen, fast abgestiegen.

Hasenhüttl ist im Moment der richtige Mann?

Er ist ein ausgezeichneter Trainer. Er bringt alles mit, was einen modernen Coach auszeichnet. Wir haben im Jänner fünf Spieler verkauft oder verliehen und niemanden reingebracht und wurden eine bessere Mannschaft. Wie viele Trainer machen das? Er wollte Platz machen für jüngere Spieler, die seinen Weg gehen wollten, die unermüdlich arbeiten, mit und ohne Ball. Einige sind nicht mitgekommen, das hat er schnell gelesen, wir haben harte Entscheidungen getroffen. Was jetzt passiert, ist kein Zufall. Er hat in 20 Spielen 28 Punkte geholt, vorher waren es neun in 15. Ralph hat einen ganz klaren taktischen Plan, diesen lebt er über 24 Stunden.

Wie war diese Umstellung, jetzt Vorgesetzter von Trainern zu sein, auch Angestellte entlassen zu müssen?

In Feldkirch und beim Schweizer Nationalteam hatte ich Jobs, in denen ich dem Management zuarbeitete. Die VEU war eine spezielle Geschichte. Mein Leben war es immer, den gesamten Verein zu führen. Ich fühlte mich ganz wohl, auch durch viele Vorträge mit Teamlife, da konnte ich in Konzerne hineinsteigen, mit CEOs sprechen, das hat mich immer weiter gebracht. Es war schwierig, aber ich fühlte mich nie unwohl. Gewöhnungsbedüftig war es, dass ich nicht direkten Einfluss aufs Spiel nehmen konnte.

Funktionieren die Mechanismen in beiden Sportarten gleich?

Der größte Unterschied ist, dass man im Fußball während das Spiels nur minimal beinflussen oder korrigieren kannst, der Trainer wird aus dem Spiel genommen. Beim Eishockey bist du im Spiel mittendrin. Von der Coaching-Seite her ist Eishockey schon spannender, da bist du mitten im Feuer. Es gibt keine andere Mannschaftssportart, in der du die Spieler so beeinflussen kannst wie im Eishockey. VN-cha-hk