Nach sieben Jahren ist Schluss für Benedikt Zech

Sport / 29.04.2019 • 10:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Benedikt Zech verlässt das Schnabelholz. GEPA

Vier Spiele noch, dann verlässt Benedikt Zech den SCR Altach. Bis dahin geht‘s um den Klassenerhalt.

Altach Fußball ist nicht planbar. Eigentlich wollte der SCR Altach gegen Innsbruck im Schnabelholz Punkte ergattern und mit neun oder zwölf Zählern Vorsprung einem relativ entspannten Mai entgegensehen. Fußball ist kein Wunschkonzert. Altach schlitterte am Samstag im Schnabelholz gegen Innsbruck in eine 1:4-Niederlage. Da Hartberg bei Rapid siegte, rückt die Abstiegsrunde der Bundesliga wieder eng zusammen. Vier Spiele sind noch offen: Mattersburg, Admira, Hartberg und zum Abschluss Rapid. Eines ist fix: Der Auftritt in Wien wird Benedikt Zechs letztes Spiel im Trikot des SCR Altach sein. Der 28-Jährige aus Ludesch wechselt den Verein. Wohin, möchte er in dieser Woche bekanntgeben, erklärt er im Gespräch mit den VN.

Die alten Muster

Verabschieden möchte er sich mit dem Klassenerhalt. Der Ligaverbleib hätte nach dem Samstag so gut wie fixiert sein können – aber Fußball ist eben für Überraschungen gut. Tabellenschlusslicht Wacker schenkte den Rheindörflern vier Tore ein, obwohl es lange Zeit nicht danach aussah, als würden die Innsbrucker gefährlich werden. „Wir haben keine schlechte Partie gespielt, waren in der ersten Halbzeit dominant“, analysiert Zech.

VN-Mitarbeiter Maximilian Werner hat Altach-Trainer Alex Pastoor nach dem Wacker-Spiel befragt.

Schon nach zwei Minuten hatte Altachs derzeit gefährlichster Spieler Mergim Berisha die Führung auf dem Fuß. Einmal verzog Zech selbst, ein anderes Mal scheiterte Christian Gebauer. Ganz so einfach, wie in den vergangenen fünf Partien, ging den Altachern das Spiel aber nicht vom Fuß. Alte, aus dem Herbst bekannte Muster schlichen sich ein. Zech schildert: „Wir hatten viele Ballverluste in der Vorwärtsbewegung und sind in die Konter gelaufen. Im Herbst haben uns diese Eigenfehler viele Punkte gekostet, auch am Samstag sind wir bestraft worden.“ Sowohl dem ersten (21. Minute) als auch dem zweiten (60. Minute) Innsbrucker Führungstreffer jeweils von Zlatko Dedic gingen Ballverluste im Mittelfeld voraus. „Das ist dann halt bitter“, ärgert sich Zech auch am Tag danach. Fußball kann manchmal richtig weh tun. Vor allem, wenn noch Pech dazu- kommt.

VN-Mitarbeiter Maximilian Werner hat Innsbruck-Trainer Thomas Grumser nach dem Wacker-Spiel befragt.

Altach tat sich phasenweise schwer, das Wacker-Bollwerk zu durchbrechen. Innsbruck stand gut, den Altachern fehlten meistens die Ideen. Zech findet darin auch etwas Positives: „Wacker hat natürlich die Lehren aus dem Dienstagspiel gezogen. Aber es ist auch ein Zeichen dafür, dass Gegner wieder Respekt vor unserer spielerischen Qualität haben. Das ist positiv, auf der anderen Seite wird es für uns aber wieder schwerer, durchzukommen.“ Wenn es den Altachern dann doch gelang, wurde es gefährlich. Zum Beispiel, als Berisha im Strafraum gelegt wurde und den Elfmeter zum zwischenzeitlichen Ausgleich verwandelte. Oder als in er zweiten Halbzeit Kristijan Dobras beim Stand von 1:2 den Ball an die Stange knallte. Oder als Berisha beim Stand von 1:3 an die Stange köpfte. Dazwischen sorgte Alexander Gründler für die Entscheidung – wieder waren es die Altacher, die den Angriff mit einem haarsträubenden Fehler einleiteten. Der letzte Treffer war auch schon egal, wie Trainer Alex Pastoor nach dem Spiel feststellte: „Wir mussten aufmachen. Ob 1:2 oder 1:4, beides bedeutet null Punkte.“ Was wiederum sechs statt neun Zähler Vorsprung auf den Abstiegsplatz bedeutet. Fußball ist kalkulierbar.

Weiterhin selbstbewusst

Aus der Ruhe bringen lassen möchten sich die Altacher nach der ersten Niederlage in der Abstiegsrunde nicht. „Wir wissen, dass wir die Spiele bisher gut bestritten haben“, bleibt Zech selbstbewusst. Am Samstag geht es zum SV Mattersburg. „Optimal wäre es, gleich einen Dreier einzufahren. Dann wäre das mit dem Abstieg so gut wie erledigt und wir hätten noch zwei schöne Heimspiele vor uns.“ Es werden Zechs letzte Spiele im Schnabelholz sein – zumindest im Altach-Trikot. „Ja es stimmt, ich werde Altach verlassen“, erklärt er den VN. Warum er geht? Zech denkt lange nach. „Ich würde dazu gerne diese Woche ein Statement abgeben, dann ist es wahrscheinlich fix.“ Kein Geheimnis ist, dass der Defensivmann stets von einem Engagement im Ausland geträumt hat. Hat es geklappt? „Ich möchte keinen Platz für Spekulationen geben, diese Woche sag ich mehr.“ Fußball macht neugierig.

VN-Mitarbeiter Maximilian Werner hat Altach-Spieler Benedikt Zech nach dem Wacker-Spiel befragt.

Benedikt Zech stieß im September 2012 zu Altach, zuvor durchlief er den Nachwuchs des SV Ludesch sowie alle Akademiestufen und spielte drei Jahre für Austria Lustenau. Für Altach spulte er in bisher 206 Pflichtspielen fast 18.000 Minuten runter und erzielte vier Tore. Im Sommer verlässt er nicht nur das Schnabelholz, sondern erstmals in seiner Fußballkarriere Vorarlberg. Am Samstag beginnt in Mattersburg seine Abschiedstournee – erfolgreich, wie er hofft. Im Fußball werden manchmal Wünsche wahr.