Hütter-Elf mit Debakel

05.05.2019 • 19:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Frankfurt wurde von Leverkusen bereits in Hälfte eins abgeschossen.

Leverkusen Bayer-Stürmer Kevin Volland tröstete nach Abpfiff den bemitleidenswerten Frankfurter Torhüter Kevin Trapp, Eintracht-Trainer Adi Hütter hastete mit versteinerter Miene in die Kabine: Deutschlands letzter Europapokal-Teilnehmer hat bei der Generalprobe für das Halbfinal-Rückspiel in der Europa League ein denkwürdiges 1:6-Debakel erlitten. Vier Tage vor dem zweiten Teil des Duells beim FC Chelsea (Hinspiel 1:1) ging der saft- und kraftlose Champions-League-Anwärter beim direkten Konkurrenten Bayer 04 Leverkusen vor allem in der ersten Halbzeit unter.

„Das ist ein rabenschwarzer Tag“, sagte Hütter bei Sky. „Ich haue nicht auf die Mannschaft drauf, das mache ich nicht. Man muss versuchen, die Jungs wieder in die Spur zu bringen. Aber wir haben uns schlecht präsentiert.“ Die Chance auf die Champions League sei allerdings „noch da“, erklärte der Vorarlberger, „trotz unserer fürchterlichen Leistung heute.“ Die mitgereisten Fans feierten ihre Lieblinge ungeachtet der herben Pleite. Höher hatte die Eintracht in der Bundesliga zuletzt am 23. März 1996 beim VfL Bochum (0:6) verloren.

Kai Havertz (2.), Julian Brandt (13.), Lucas Alario (23., 34.) und Charles Aranguiz (28.) sowie ein Eigentor von Martin Hinteregger (36.) sorgten für das Torfestival der Werkself. Bayers Nationalspieler Jonathan Tah (14.) traf per Eigentor für die Gäste. Leverkusen egalisierte damit einen Bundesligarekord: Zuvor war ein halbes Dutzend Treffer in der ersten Spielhälfte nur Borussia Dortmund, Hertha BSC, Bayern München und zuletzt 1978 Borussia Mönchengladbach geglückt.

Nach dieser unfassbaren Demontage und dem vierten Ligaspiel in Folge ohne Sieg muss DFB-Pokalsieger Frankfurt sogar wieder um seine erste Königsklassen-Teilnahme bangen. Die Werkself hingegen zog durch ihren vierten Sieg nacheinander nach Punkten mit der Eintracht gleich und hat das schon verloren geglaubte Saisonziel zwei Spieltage vor Schluss wieder im Blick.

München setzt sich ab

Der FC Bayern steht unmittelbar vor dem neuerlichen Gewinn des deutschen Meistertitels. Nach dem Heimsieg-3:1 über Hannover und dem 2:2 des Titelkonkurrenten Dortmund bei Werder Bremen beträgt der Vorsprung auf den BVB vier Punkte. Damit wäre die siebente Meisterschaft in Folge und die 29. insgesamt schon am kommenden Samstag in der vorletzten Runde bei einem Auswärtssieg gegen RB Leipzig fix.

Selbst eine Niederlage wäre zu verkraften. „Wir haben einen guten Schritt Richtung Meistertitel gemacht, aber es ist noch nicht vorbei“, stellte Trainer Niko Kovac zufrieden fest.

Eine sehr wechselvolle Münchner Saison könnte sich also noch in ein Happy End fügen, speziell für den kritisch beäugten Kovac. Aber auch für die zwei großen alten Fan-Lieblinge Arjen Robben (35) und Franck Ribéry (36). Als das Duo am Samstag spät eingewechselt wurde, bebte die Arena. Ribéry beseitigte mit seinem Tor zum 3:1 die letzten Zweifel am Sieg. Der Abgang des guten Freundes von David Alaba am Saisonende wurde am Sonntag offiziell gemacht. „Der Abschied wird nicht leicht werden“, sagte Ribéry. Seine weitere sportliche Zukunft sei offen. Gleiches gilt für Robben.

„Ich haue nicht auf die Mannschaft drauf, man muss die Jungs wieder in die Spur bringen.“