Helga Raschner ist die Grande Dame des Vorarlberger Tennissports

09.05.2019 • 19:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Helga Raschner steht drei Mal pro Woche auf dem Tennisplatz. STEURER

Die 77-jährige Bregenzerin ist VTV-Rekordtitelträgerin und älteste Spielerin in der Mannschaftsmeisterschaft.

Bregenz Noch immer steht Helga Raschner zumindest drei Mal pro Woche auf dem Tennisplatz und führt wahrlich eine feine Klinge. Die Bregenzerin, die vor wenigen Tagen den 77. Geburtstag gefeiert hat, kann bedenkenlos als Grande Dame des Vorarlberger Tennissports bezeichnet werden. Mit insgesamt je acht Einzel- und Doppellandesmeistertiteln ist Raschner bis heute Rekordtitelträgerin. Zugleich ist sie die älteste Spielerin in der am Wochenende beginnenden Mannschaftsmeisterschaft (VMM).

Das Interesse für den Tennissport weckte ihr Vater, als er sie am 14. Geburtstag mitnahm, um Bälle aufzuheben. „Es war damals noch so, dass bei jeder Partie, egal ob Training oder Wettkampf, jemand da sein musste, der den Spielern die Bälle zuwerfen musste“, erinnert sich Raschner. „Als junges Mädchen war ich froh über diesen Umstand, doch als Aktive war es mir fast etwas peinlich, wenn mir jemand die herumliegenden Bälle zugeworfen hat.“ Walter Lingenthal, der damalige Sportwart beim TC Bregenz, fungierte als Trainer, und schon bald durfte sich Raschner über erste Erfolge bei landesweiten Turnieren freuen.

Erste Vorarlbergerin in der Staatsliga

In den frühen 60er-Jahren war Raschner dann als Legionärin des IEV neben Größen wie Vinzenz Nemes und Miki Furtner die erste Vorarlbergerin, die in der Staatsliga im Einsatz war. Parallel dazu eilte Raschner, deren große Spezialiät die Stoppbälle waren und es heute noch sind, auf regionaler Ebene von Erfolg zu Erfolg. Zwischen 1965 und 1977 holte sich Raschner insgesamt 16 Landesmeistertitel, darunter 1967 das Triple mit Triumphen im Einzel, Damen- und Mixeddoppel.

Ein wesentlicher Beitrag dafür, dass Raschner bis heute dem Tennissport treu geblieben ist, war die Unterstützung durch die Familie. Sowohl durch den im Vorjahr verstorbener Gatte Peter, der über Jahrzehnte als Funktionär im Verband und Verein die Szene maßgeblich prägte, als auch die Töchter Bettina und Annette, die u. a. am Tennisplatz groß geworden sind und erfolgreich in die Fußstapfen ihrer Mutter traten, und immer mit dem Tennissport verbunden waren. „Einmal im Jahr, jeweils zu unserem Hochzeitstag, habe ich sogar ein Match gegen meinen Mann gespielt. Obwohl er in jungen Jahren ein erfolgreicher Leichtathlet und guter Sportler war, kann ich mich kaum an Niederlagen erinnern.“

Gerne erinnert sich Raschner auch an die unzähligen Weggefährten und Begleiter im Verlauf ihrer Karriere. „Ich habe im Training eigentlich immer gegen Herren gespielt. Zunächst gegen meinen Bruder Fritz, später gehörten Partien gegen Dieter und Klaus Prantl, um nur einige zu nennen, zum wöchentlichen Fixprogramm.“

Disziplin und Konsequenz

Seit einer Knieoperation hat Raschner ihre Auftritte auf dem Tennisplatz etwas reduziert. „Schon zu meiner Glanzzeit habe ich gerne Doppel gespielt. Ich liebe diese Disziplin und muss niemandem etwas beweisen. Natürlich habe ich immer noch den Ehrgeiz, wenn ich am Platz stehe, auch zu gewinnen. Doch wenn es nicht so sein sollte, bricht für mich keine Welt zusammen.“

Die Disziplin und Konsequenz, die sie einst von Erfolg zu Erfolg auf dem Tennsiplatz geführt haben, finden nun bei den täglichen Gymnastikeinheiten und regelmäßigen Wanderungen auf den Pfänder eine Fortsetzung. „Ich versuche einfach, mit einem meinem Alter angepassten Gesundheitsbewusstsein durch das Leben zu gehen, Höhen und Tiefen zu verkraften und die jahrelangen Freundschaften zu pflegen. Ich bin ein sehr geselliger Mensch, der gerne Sport betreibt, genauso aber Zeit mit der Familie und den Enkelkindern abseits des Tennisplatzes verbringt.“

Helga Raschner

Die 77-Jährige ist bis heute mit je acht Einzel- und Doppeltiteln Rekordlandesmeisterin in Vorarlberg.

Geboren 5. Mai 1942 in Bregenz

Familie verwitwet, Töchter Bettina (49), Annette (46), vier Enkelkinder

Hobbys Tennis, Zeit in der Natur verbringen