Gernot Schweigkofler

Kommentar

Gernot Schweigkofler

4591 km für das Derby

10.05.2019 • 19:33 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Arsenals und Chelseas Stadien sind zwölf Kilometer voneinander entfernt: ein netter Spaziergang durch London. Ende Mai treffen die beiden Klubs im Finale der Euroliga aufeinander. In Baku, das 4591 Kilometer von London entfernt ist. Natürlich muss die UEFA das Finale schon ansetzen, bevor das Spiel feststeht. Es ist aber zu hinterfragen, warum man ein Spiel in einer Stadt ansetzt, die für alle Spitzenmannschaften Tausende Kilometer weit entfernt ist und damit ein autoritäres System hofiert, das sich um über 700 Millionen Euro ein 68.700 Zuseher fassendes Fussballstadion errichtet hat, und das bei einem BIP von 4500 Dollar.

Leidtragende sind die Fans. Arsenal FC schätzt die Flugkosten auf 1000 Pfund. In der Finalwoche gibt es zudem keine Linienflüge zwischen London und Baku. Das schreckt die Fans aber nicht ab. Diese kritisieren vielmehr, dass es pro Verein nur 6000 Tickets gibt: der Rest geht an Sponsoren und „neutrale“ Fussballfans. Britische Fussballfans scheuen für ihren Verein weder Kosten noch Mühen, Tausende werden ohne (offizielle) Tickets anreisen. Das befeuert den Schwarzmarkt und führt dazu, dass sich im Stadion Arsenal- und Chelsea-Fans Sitz an Sitz wiederfinden werden.

Übrigens: Beim Championsleague-Finale in Madrid erhalten Liverpool und Tottenham je 16.600 Tickets: in einem 68.000-Zuseher-Stadion. Logik scheint der Uefa ebenso fremd wie politisches Gespür.

Gernot
Schweigkofler

gernot.schweigkofler@vn.at, 05522 76644-30