Giro d‘Italia garantiert Spektakel und Nibali will Altersrekord

10.05.2019 • 18:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vincenzo Nibali gewann die Landesrundfahrt 2013 und 2016.AFP
Vincenzo Nibali gewann die Landesrundfahrt 2013 und 2016.AFP

Fünf Bergankünfte, drei Einzelzeitfahren und ein starkes Feld.

Bologna Beim Auftritt von Vincenzo Nibali schnellte der Lärmpegel auf der prachtvollen Piazza Maggiore in die Höhe. Mit Vincenzo-Vincenzo-Sprechchören wurde Italiens Altstar bei der Teampräsentation im Herzen Bolognas auf die 3578,8 Kilometer des 102. Giro d‘Italia geschickt. Unterstützung kann der zweimalige Gesamtsieger beim Kräftemessen in den Alpen und Dolomiten gebrauchen, denn die Konkurrenz ist groß: Ex-Skispringer Primoz Roglic aus Slowenien als Überflieger der Saison, der niederländische 2017er-Champion Tom Dumoulin oder Vuelta-Sieger Simon Yates aus Großbritannien heißen die größten Rivalen von Nibali. „Von dieser Rundfahrt habe ich schon als Kind geträumt. Ich habe sie zweimal gewonnen. Diese Emotionen möchte ich noch einmal fühlen“, sagte der Sizilianer vor dem Start am Samstag in Bologna und lebt den Slogan „Amore infinito“ (Unendliche Liebe) der Traditions-Rundfahrt vor. Vorbei sind die Zeiten, in denen er einem zweiten Sieg nach 2014 bei der Tour de France nachjagte und das Heimatrennen vernachlässigte. Gelingt ihm beim Finale am 2. Juni in der ehrwürdigen Arena von Verona tatsächlich der dritte Gesamtsieg, wäre der „Hai von Messina“ mit 34 Jahren und 200 Tagen der älteste Sieger der Italien-Rundfahrt. Fiorenzo Magni war bei seinem Erfolg 1955 20 Tage jünger. „Ich fühle mich noch nicht alt. Ich denke, dass ich eine dreiwöchige Rundfahrt immer noch drauf habe. Man sollte mich nicht abschreiben“, sagt Nibali vor seiner 21. Grand Tour.

Titelverteidiger Froome fehlt

Leicht wird es aber nicht. Fünf Bergankünfte, dazu legendäre Anstiege wie der Gavia- oder Mortirolo-Pass und drei Einzelzeitfahren versprechen in den nächsten drei Wochen ein Spektakel. Wie etwa im vergangenen Jahr, als Yates („Ich habe noch eine Rechnung offen“) bereits wie der sichere Sieger aussah und auf den letzten beiden Berg­etappen einbrach. Am Ende siegte der diesmal fehlende Chris Froome mit 46 Sekunden Vorsprung auf Dumoulin.

Spannung bis zum Schluss mit ständigen Führungswechseln hatte der Giro in den vergangenen Jahren oft zu bieten – ganz im Gegensatz zur Tour de France. Auch diesmal dürfte die Entscheidung erst beim abschließenden Kampf gegen die Uhr in Verona fallen. Drei Einzelzeitfahren gefallen natürlich dem Spezialisten Dumoulin, der sich eigentlich auf die Frankreich-Rundfahrt konzentrieren wollte. „Ich weiß nicht, ob das Double möglich ist. Ich bin hier, um den Giro zu gewinnen“, sagte der Kapitän des Sunweb-Teams.

Das will auch Roglic, der in dieser Saison schon drei Rundfahrten gewonnen hat. „Warum sollte es mich beunruhigen, dass ich schon jetzt in Topform bin? Ich bin bereit“, sagt der selbstbewusste Slowene, der im Juniorenbereich noch WM-Gold im Skispringen gewonnen hatte und dann die Liebe zum Radsport entdeckte. Erst seit 2016 ist er Profi, für den 29-Jährigen ist es erst die vierte Grand Tour seiner Karriere.