Die Besten haben noch Reserven

15.05.2019 • 20:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Eishockey-Nationaltrainer Roger Bader muss bei der WM in der Slowakei seinen Spielern den Umgang mit Niederlagen vermitteln. gepa
Eishockey-Nationaltrainer Roger Bader muss bei der WM in der Slowakei seinen Spielern den Umgang mit Niederlagen vermitteln. gepa

Eishockey-Teamchef Roger Bader hofft auf Leistungssteigerung seiner Topspieler.

Bratislava Österreichs Eishockey-Nationalmannschaft steht nach drei Spielen der WM in Bratislava noch ohne Punkte da. Heute (16.15 Uhr) gegen Titelverteidiger Schweden ist die ÖEHV-Auswahl wieder klarer Außenseiter, ehe mit Norwegen (Freitag) und Italien (Montag) die entscheidenden Spiele im Kampf um den Klassenerhalt folgen. Österreichs Teamchef Roger Bader hofft, dass die Spieler die Belastungen gut verdauen und die Topspieler eine Leistungssteigerung zeigen können.

Wie fällt Ihre Zwischenbilanz bei etwa Halbzeit aus?

Bader Unterm Strich mehr positiv als negativ, obwohl man drei Niederlagen hat. Aber das musste man erwarten. Man hofft auf mehr, dass man einem Großen ein Bein stellen kann, aber die Realität ist eine andere. Wir hatten in allen drei Spielen sehr gute Momente. Zum Schluss war klar, dass die drei Mannschaften doch deutlich besser sind. Von daher ist nichts passiert, was man nicht erwartet hat. Ich habe nie etwas Anderes gesagt als dass wir sechsmal Außenseiter sind und einmal (Italien) die Chancen 50:50 stehen.

Wie schätzen Sie das 0:4 gegen die Schweiz ein?

Bader Natürlich waren sie überlegen, aber bis zur 54. Minute ist es 1:0 gestanden. Da muss uns ein Lucky Punch gelingen und es geht in die Overtime. Natürlich wäre es für uns glücklich gewesen, aber nicht unmöglich. Die Schweiz hat schon eine gute Mannschaft, sechs Punkte, und dann kommt noch ein NHL-Spieler dazu. Es ist schon gewaltig, was auf der anderen Seite steht. Wir haben einen SHL-Spieler (Anm.: Komarek in der schwedischen Liga), der nicht gespielt hat. Wir haben Spieler, die gerne in der SHL spielen würden, aber keinen Vertrag bekommen. Dasselbe in Finnland. Wir haben keinen in der KHL (Anm.: russische Liga) und spielen gegen 15 KHL-Spieler, wenn wir gegen Lettland spielen.

Wie nehmen die Spieler die drei Niederlagen auf?

Bader Eine Niederlage nagt immer, auch wenn es erwartet ist. Das Selbstvertrauen steigt sicher nicht. Bei einer A-WM, wo es mehr Niederlagen als Siege gibt, sind das Dinge, mit denen wir umgehen müssen. Man sieht, es ist alles noch einmal eine Stufe höher ist als in den Vorbereitungsspielen.

Es heißt, dass ein Außenseiter nur Chancen hat, wenn der Torhüter stark und die besten Spieler die besten Spieler sind. Das scheint noch nicht der Fall zu sein.

Bader Unsere besten Spieler haben noch Reserven. In jedem Spiel war Rauchenwald gut, auch Haudum und Obrist. Die Spieler, von denen man Tore erwarten würde, haben ihre besten Spiele hoffentlich noch vor sich.

Haben Sie eine Erklärung dafür?

Bader Ich weiß, dass es nicht an der Einstellung liegt. Sie wollen unbedingt der Mannschaft helfen, verkrampfen vielleicht dabei. Schneider will unbedingt Tore schießen und es gelingt nicht. Beide Raffl wollen der Mannschaft helfen, dann machen sie Strafen, die unnötig sind. Wir brauchen NHL-Spieler nicht auf der Strafbank. Zwerger hat sich in der Vorbereitung leicht verletzt an der Hüfte, seither ist er nicht der Alte.

Was sagen Sie zum WM-Debüt von Baumgartner?

Bader Der hat eine Wahnsinns­partie gespielt. Es war sein erstes Spiel auf diesem Niveau und er hat keinen Fehler gemacht, das ganze Spiel.

Es stehen vier Spiele in fünf Tagen an. Wie geht man damit um?

Bader Puh, sag das mal im Fußball. Das ist eine irrsinnige Belastung. Das ist keine Ausrede, das ist das, was hier gefordert ist, das muss man bewältigen können. Gut, dass wir keinen wirklich Verletzten haben. Wir haben zwei angeschlagene Spieler: Bei Hundertpfund habe ich das Gefühl, dass er (gegen Schweden und Norwegen) zum Einsatz kommt, bei Komarek sieht es kritischer aus.

Wie legen Sie es gegen Schweden an?

Bader Wir werden gegen Schweden mit vier Linien durchspielen, Powerplay und Unterzahl, und nicht falsche Energie verlieren. Unser Fokus liegt auf Norwegen. Man darf sich auch dort nichts vormachen. Die Norweger hatten bis jetzt einen schlechten Auftritt, das sieht nicht gut aus. Trotzdem ist das zu 80 Prozent eine Mannschaft, die ihre Erfahrungen gesammelt hat. Wir müssen ein sehr starkes Spiel zeigen, um sie zu schlagen.