Abendessen mit der NHL

Sport / 17.05.2019 • 21:35 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Marco Rossi hamsterte in der Premierensaison mit Ottawa gleich mehrere Auszeichnungen.ko
Marco Rossi hamsterte in der Premierensaison mit Ottawa gleich mehrere Auszeichnungen.ko

Eine prächtige Saison in Ottawa macht Eishockeytalent Marco Rossi für den Draft interessant.

Rankweil Intensiv, fordernd, lehrreich. So fasst Marco Rossi seine erste Saison in der kanadischen Juniorenliga mit den Ottawa 67‘s zusammen. Was das bescheidene 17-jährige Eishockeytalent nicht erwähnt: Es war für ihn persönlich eine sehr erfolgreiche Saison. Mit 29 Toren und 36 Assists in 53 Spielen schloss der 17-Jährige trotz einer Verletzungspause den Grunddurchgang als zweitbester Rookie ab. Mit sechs Treffern und 16 Vorlagen gehörte Rossi auch in den Play-offs die Auszeichnung des besten Neulings. Drei Mal wurde der Rankweiler in der Ontario Hockey League zum Rookie des Monats gekürt. Der Booster Club, die Fanvereinigung der 67‘s, wählte Rossi zum Liebling des Jahres.

„Der tolle Österreicher“

Das alles möchte der Mittelstürmer aber nicht in den Vordergrund stellen. „Wir haben damit leider das Turnier um den Memorial Cup verpasst“, trauert Rossi der Chance nach, im Vierer-Turnier um den Nachwuchstitel zu spielen. Gegen Guelph verlor Ottawa in der Finalserie nach 2:0-Führung 2:4. 14 Siege in Serie hatten die 67‘s hingelegt. „Wir waren in den ersten beiden Spielen klar besser, haben dann nachgelassen. Vielleicht haben wir zu viel nach vorne geschaut, waren nicht mehr so konzentriert wie vorher.“

Damit darf die Frage nochmals auf das persönliche Resumee gelenkt werden. „Ich habe Schritte nach vorne gemacht“, sagt Rossi. Auch abseits vom Eis. „Die Lebenserfahrung und das Selbstvertrauen sind gewachsen, in Kanada lernt man auch viel über die Leidenschaft für das Eishockey.“ Die Entscheidung, nach Ottawa zu wechseln, war wichtig und richtig, merkt Vater Michael, Exprofi bei der VEU Feldkirch, an. „Marco ist sehr selbstständig geworden, er hat einen Reifeprozess durchgemacht.“ Mit der kleineren Eisfläche, dem schnelleren Spielablauf, einem noch intensiveren Zweikampfverhalten konnte sich Rossi Junior schnell anfreunden. „Ich habe mir aber auch keinen Druck gemacht.“ Trainer Andre Tourigny, der im Nachwuchs u.a. den Schweizer Nico Hischier für die NHL geformt hat, sei ein perfekter Lehrmeister gewesen. „Von den älteren Kollegen, die schon Profiverträge haben, konnte ich mir einiges abschauen.“ Schlagzeilen, wie „Amazing Austrian“, der „tolle Österreicher“, waren schnell geschrieben. Tourigny sagte gegenüber der Presse in Ottawa: „Wir hatten große Erwartungen an Marco, er hat sie übertroffen.“ Bei den Teamkollegen erarbeitete er sich Respekt, wird anerkennend „Ross the Boss“ genannt.

Rossi wird in der nächsten Saison noch mehr im Schaufester stehen. Österreichs größtes Talent seit Thomas Vanek hat das Interesse praktisch aller NHL-Vereine geweckt. Im Draft, der Talenteziehung, wird er hoch gehandelt. 30 bis 40 Scouts saßen bei den Spielen von Ottawa regelmäßig auf der Tribüne. Sein Klub organisiert schon jetzt mit den NHL-Managern Besuchstermine für den Herbst. Praktisch jede Woche muss Rossi einer Organisation während eines Abendessens Rede und Antwort stehen.

Intensives Programm

In der Zukunftsplanung wird auch nach der Rückkehr und dem Kurzurlaub im Ländle nichts dem Zufall überlassen. Vater Rossi organisierte medizinische Checks, u. a. beim Grazer Gelenksspezialisten Ernst Bernhard Zwick oder beim Kardiologen Robert Bitschnau in Schruns. In Klagenfurt wartet Konditionstrainer Philipp Pinter, für das Personalcoaching ist in Göfis Max Cavada zuständig. Mit Ex-Nationalspieler Conny Dorn geht es in Feldkirch auf die Himmelsstiege. Auch auf den Rat von Fitnessguru Toni Mathis wird gehört: „Er hat mir bei meiner Ellbogenverletzung und der Pause im November sehr geholfen.“ In Ottawa geht es Mitte Juni zu einem Spezialtraining. Rossi: „Ich muss mich in puncto Schnelligkeit verbessern.“ Entschleunigt wird dann in Fort Lauderdale: Ausgewählte Talente bekommen Unterricht in Sachen Kommunikation. Für Rossi ist es ein erster Vorgeschmack auf den NHL-Draft im Juni 2020.

„In Kanada lernt man viel über die Leidenschaft für das Eishockey.“