Große Wehmut nach Abstieg

Sport / 17.05.2019 • 21:59 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Am Ende überwiegt bei Sabrina Horvat das Positive: Noch nie sei ihr ein Abschied, so schwer gefallen wie jetzt aus Bremen.VN-Hartinger
Am Ende überwiegt bei Sabrina Horvat das Positive: Noch nie sei ihr ein Abschied, so schwer gefallen wie jetzt aus Bremen.VN-Hartinger

Bei Sabrina Horvat sind die Weichen nach der Sommerpause noch nicht gestellt.

Schwarzach Vier Tage nach dem Abstieg mit Werders Bundesliga­frauen kehrte Sabrina Horvat wieder ins Ländle zurück. Erste Station war die VN Redaktion, wo die 21-Jährige nochmals auf die vergangenen Tage, aber eine trotzdem durchwegs positive Saison zurückblickt.

Sie haben am vergangenen Wochenende mit dem Bundesligaabstieg vermutlich den schwierigsten Moment ihrer Fußballkarriere erlebt. Wie geht es Ihnen mit einigen Tagen Abstand?

Horvat Um ehrlich zu sein, ist es selbst jetzt mit ein paar Tagen Abstand noch unfassbar und ich habe das auch noch nicht ganz verarbeitet. Das wird seine Zeit benötigen und sicher noch einige Wochen so sein. Es war ja ein sehr bitterer Abstieg und nicht nur die Tatsache, dass es soweit gekommen ist, sondern auch, wie es dazu gekommen ist, ist äußerst bitter.

Es waren sehr emotionale Schlussminuten am vergangenen Wochenende. Bis zur 83. Minute war Ihr Team noch Erstligist, danach sieben Minuten Zweitligist.

Horvat Das war für uns alle vom Kopf her sehr schwierig. Man muss auch bedenken, dass wir davon ausgegangen sind, dass wir erstklassig bleiben. Als ich zur Pause eingewechselt wurde, lag unser direkter Konkurrent Leverkusen mit 0:1 im Rückstand und ich bin davon ausgegangen, dass Essen diese Partie mit einem größeren Vorsprung nach Hause spielen werde. Da machte ich mir keine Sorgen, da wir keine Informationen erhielten, so lange es für uns lief. Als fünf Minuten vor dem Ende der Input zur Offensive von außen kam, ist bei uns allen eine Alarmlampe angegangen und das war für den Kopf auch sehr belastend.

Am Ende waren es bittere Minuten, aber wenn man auf die gesamte Saison blickt, bleibt wohl trotzdem das positive Gefühl übrig?

Horvat Absolut. Für mein erstes Jahr in der Frauen-Bundesliga war es ein überragendes Jahr. Wenn ich auf den Anfang zurückblicke, habe ich schnell einen Stammplatz erarbeitet. In der Rückrunde habe ich trotz meiner Verletzung in der Vorbereitung immer wieder Spielminuten erhalten und deshalb darf ich diese Saison als sehr positiv abstempeln. Das gilt nicht nur fußballerisch gesehen, ich habe auch persönlich wieder einen Schritt an Erfahrung gewonnen und unheimlich tolle Menschen kennengelernt. Das Jahr war für mich sehr positiv, auch wenn es am Ende kein Happy End gab.

Die vergangene Saison war nicht nur in der Liga sehr erfolgreich, auch im Nationalteam lief es für Sie optimal.

Horvat Ich durfte beim Zypern-Cup mein Debüt im Nationalteam feiern. Das war für mich auf Nationalteamebene bislang einer meiner schönsten Momente.

Weitere Nationalteameinsätze sind wohl das erklärte Ziel für Sie?

Horvat Natürlich, aber beim Thema Nationalteam bin ich immer sehr vorsichtig. Da sind die besten Spielerinnen dabei, das sind Spitzensportler, die eine unglaubliche Leistung auf hohem Niveau abrufen und auch Stammspieler sind. Da muss man schon auch abwägen können, welche Leistung erbracht wird. Und ich finde es auch richtig, dass hier nur die Leistung zählt. Mein Ziel ist weiterhin, Gas zu geben und Minute um Minute zu sammeln. Ich muss meine beste Leistung geben und dann wird man sehen, was dabei herauskommt.

Nach dem Abstieg wird Ihre Zeit in Bremen vorerst zu Ende gehen.

Horvat Zumindest vorerst, ja. Es fiel mir selten so schwer, mich von einem Team zu verabschieden, wie dieses Mal. Es war emotional eine sehr schwierige Geschichte, da es von den Menschen und der Umgebung etwas gewesen ist, das ich so noch nie erlebt habe. Nicht nur sportlich, sondern auch menschlich gesehen. Es war jede einzelne Spielerin eine unglaubliche Persönlichkeit. Dass ich diesen Schritt jetzt aufgrund des Abstiegs gehen muss, ist sehr bitter. Klar wäre für mich beim Klassenerhalt auch gewesen, dass ich bei Grün-Weiß bleibe.

Gibt es schon einen neuen Verein, bei dem Sie ab Sommer die Schuhe schnüren werden?

Horvat Nein, den gibt es tatsächlich noch nicht. Wichtig für mich ist es, nun zunächst einmal etwas zur Ruhe zu kommen und die ganze Situation zu verarbeiten. Da fühle ich mich zuhause super aufgehoben und da wird es mir sehr gut gelingen. Um den Rest, was das Sportliche betrifft, kümmert sich mein Berater. Deswegen heißt es für mich zunächst etwas zurücklehnen und wie es weitergeht, ist noch völlig offen, weil die Entscheidung zum Wechsel ja erst vor Kurzem gefallen ist.

Höhepunkt im Fußballsommer wird die Frauen-WM sein. Ich nehme an, die werden Sie sich nicht entgehen lassen, auch wenn Sie selbst nicht als Spielerin dabei sind?

Horvat Auf keinen Fall. Ich bin eine Person, die grundsätzlich alles verfolgt, was mit Fußball zu tun hat. Die Frauen-WM sowieso auch, weil man die Gesichter ja aus den Vereinen kennt, wie etwa beim deutschen Nationalteam. Oder auch Ria Percival, mit der ich in Basel zusammengespielt habe, und ich ihr und Neuseeland die Daumen drücken werde. Allein aus diesem Grund werde ich mir das nicht entgehen lassen.