Bittere Realität für die Fußballerin Sabrina Horvat: Abstieg und Abschied

Sport / 18.05.2019 • 17:30 Uhr / 11 Minuten Lesezeit
Am Ende überwiegt bei Sabrina Horvat das Positive: Noch nie sei ihr ein Abschied so schwer gefallen wie jetzt aus Bremen. VN-HARTINGER

Nach dem Abstieg mit Werder Bremen am vergangenen Wochenende freut sich die 21-Jährige auf Erholung zu Hause. Nach dem Sommer will sie bei einem neuen Klub wieder voll angreifen.

Schwarzach Vier Tage nach dem Abstieg mit Werders Bundesligafrauen kehrte Sabrina Horvat wieder ins Ländle zurück. Erste Station war die VN-Redaktion, wo die 21-Jährige nochmals auf die schwierigen vergangenen Tage, aber eine dennoch positive Saison zurückblickt.

Sie haben am vergangenen Wochenende mit dem Bundesligaabstieg vermutlich den schwierigsten Moment ihrer Fußballkarriere erlebt. Wie geht es Ihnen mit einigen Tagen Abstand?

Um ehrlich zu sein, ist es selbst jetzt mit ein paar Tagen Abstand noch unfassbar und ich habe das auch noch nicht ganz verarbeitet. Das wird seine Zeit benötigen und sicher noch einige Wochen so sein. Es war ja ein sehr bitterer Abstieg und nicht nur die Tatsache, dass es so weit gekommen ist, sondern auch, wie es dazu gekommen ist, ist äußerst bitter.

Es waren sehr emotionale Schlussminuten am vergangenen Wochenende. Bis zur 83. Minute war Ihr Team noch Erstligist, danach sieben Minuten Zweitligist.

Das war für uns alle vom Kopf her sehr schwierig. Man muss auch bedenken, dass wir davon ausgegangen sind, dass wir erstklassig bleiben, da wir vom anderen Spiel keine Informationen bekommen haben. Als ich zur Pause eingewechselt wurde, lag unser direkter Konkurrent Leverkusen mit 0:1 im Rückstand und ich bin davon ausgegangen, dass Essen diese Partie mit einem größeren Vorsprung nach Hause spielen werde. Da machte ich mir keine Sorgen, da wir keine Informationen erhielten, so lange es für uns lief. Als fünf Minuten vor dem Ende der Input zur Offensive von außen kam, ist bei uns allen eine Alarmlampe angegangen und das war für den Kopf auch sehr belastend.

Am Ende waren es bittere Minuten, aber wenn man auf die gesamte Saison zurückblickt, bleibt bei Ihnen wohl trotzdem das positive Gefühl einer tollen Saison übrig?

Absolut. Für mein erstes Jahr in der Frauen-Bundesliga war es ein überragendes Jahr. Wenn ich auf den Anfang zurückblicke, habe ich schnell einen Stammplatz erarbeitet. In der Rückrunde habe ich trotz meiner Verletzung in der Vorbereitung immer wieder Spielminuten erhalten und deshalb darf ich diese Saison als sehr positiv abhaken. Das gilt nicht nur fußballerisch gesehen, ich habe auch persönlich wieder einen Schritt an Erfahrung gewonnen und unheimlich tolle Menschen kennengelernt. Das Jahr war für mich sehr positiv, auch wenn es am Ende kein Happy End gab.

Wie Sie bereits angesprochen haben, hätte der Start wohl nicht besser laufen können. Sie waren sehr schnell in der Stammformation zu finden. Einen positiven Start bei neuen Vereinen ziehen Sie irgendwie an?

Ich hätte es mir bereits in Basel nicht gedacht, dass es vom Start weg so gut läuft und jetzt in der deutschen Bundesliga erst Recht nicht. Da habe ich aber auch sehr viel meinem Team zu verdanken. Ich habe mich ab der ersten Sekunde sehr wohl gefühlt. Ich bin ein Kopfmensch, da kann ich gleich eine noch bessere Leistung abrufen, wenn ich mich auch abseits des Platzes wohlfühle. Und auch Trainerin Carmen Roth hat selbst in für mich schwierigen Zeiten voll an mich geglaubt und mich zum Einsatz gebracht.

Die Verletzung war der einzige kleine Rückschlag. Wie sehr ärgert man sich über so einen Moment?

Als Sportler will man immer seinen Sport ausüben und auf dem Platz stehen. Deshalb hat es mich natürlich geärgert. Auch weil es eine Verletzung ist, die zwar nicht als schwer zu bezeichnen ist, die sich aber sehr in die Länge ziehen kann. Das Schlimmste daran ist, dass es mental sehr schwierig ist, da man nicht weiß, wie schnell es verheilt und wann man auf den Platz zurück kann.

Aber Sie haben diese Zeit überwunden und sich gegen Ende der Saison wieder zurückgekämpft.

Das stimmt, ich konnte auch wieder von Anfang an spielen und in sehr wichtigen Spielen wurde ich früh eingewechselt. Ich habe auf jeden Fall versucht, mich wieder in die Spur zu spielen. Das zeigt auch, dass sich der Fleiß, den ich tagtäglich aufbringe, lohnt.

Das heißt, Sie gehen völlig fit in eine lange Sommerpause?

Ich bin zum Glück seit eineinhalb Monaten wieder schmerzfrei.

Die vergangene Saison war für Sie nicht nur in der Liga sehr erfolgreich, auch im Nationalteam lief es nach Wunsch.

Auf jeden Fall. Das Jahr war erneut ein sehr erfolgreiches für mich, auch wenn es mit dem Abstieg endete. Ich durfte beim Zypern-Cup mein Debüt im Nationalteam feiern. Das war für mich auf Nationalteamebene bislang einer meiner schönsten Momente.

Wie viel Motivation gibt so ein Moment einer Spielerin zurück?

Das ist für jeden Sportler die Ehrung schlechthin, wenn man für das eigene Land auflaufen darf. Das gibt mir persönlich immer sehr viel Kraft, um mir die tagtägliche Arbeit anzutun und beflügelt mich sehr.

Weitere Nationalteameinsätze sind wohl das erklärte Ziel für Sie?

Ja, absolut. Beim Thema Nationalteam bin ich aber immer sehr vorsichtig. Da sind die besten Spielerinnen dabei, das sind Spitzensportler, die eine unglaubliche Leistung auf hohem Niveau in den Vereinen abrufen und auch Stammspieler sind. Da muss man schon auch abwägen können, welche Leistung erbracht wird. Und ich finde es auch richtig, dass hier nur die Leistung zählt. Mein Ziel ist weiterhin Gas zu geben und Minute um Minute zu sammeln. Ich muss meine beste Leistung geben und dann wird man sehen, was dabei herauskommt.

Der nächste Einsatz könnte im Juni mitten in die wohlverdiente Sommerpause fallen?

Das Aufgebot für den Zusammenzug im Juni ist noch nicht bekannt, deshalb werde ich abwarten, ob ich dabei bin oder nicht. Ich gehe das Thema aber sehr entspannt an. Wenn ich dabei bin, werde ich diese Woche wieder Vollgas geben und hoffe, dass ich gegen die Slowakei zu Einsatzminuten komme. Sollte es nicht der Fall sein, ist das aber auch nicht schlimm, dann werde ich weiter an mir arbeiten und mich im Sommer auf die Herausforderungen bei einem neuen Verein vorbereiten.

Sie haben gerade einen neuen Verein angesprochen, das heißt die Karriere in Grün-Weiß geht zumindest vorerst zu Ende?

Zumindest vorerst, ja. Es fiel mir selten so schwer, mich von einem Team zu verabschieden, wie dieses Mal. Es war emotional eine sehr schwierige Geschichte, da es von den Menschen und der Umgebung etwas gewesen ist, dass ich so noch nie erlebt habe. Nicht nur sportlich, sondern auch menschlich gesehen. Es war jede einzelne Spielerin eine unglaubliche Persönlichkeit. Dass ich diesen Schritt jetzt aufgrund des Abstiegs gehen muss, ist sehr bitter. Klar wäre für mich beim Klassenerhalt auch gewesen, dass ich bei Grün-Weiß bleibe.

England war schon immer ein Ziel von Ihnen. Vielleicht bereits in diesem Sommer?

Sehr wahrscheinlich nicht. England ist immer ein Thema und ein großes Ziel, aber ich bin jetzt 21 Jahre alt und denke, dass der Schritt für mich noch zu früh wäre. Ich will mir die zwei, drei Jahre geben, um möglichst viele Spielminuten zu sammeln und dann wird man sehen, wohin die Reise gehen wird. Ein Traum ist und bleibt es, aber jetzt ist es noch zu früh.

Gibt es schon einen neuen Verein, bei dem Sie ab Sommer die Schuhe schnüren werden?

Nein, den gibt es tatsächlich noch nicht. Wichtig für mich ist es, nun zunächst einmal etwas zur Ruhe zu kommen und die ganze Situation zu verarbeiten, da es gegen Ende doch sehr traurig war. Da fühle ich mich zuhause super aufgehoben und da wird es mir sehr gut gelingen. Um den Rest, was das Sportliche betrifft, kümmert sich mein Berater. Deswegen heißt es für mich zunächst etwas zurücklehnen und wie es weiter geht, ist noch völlig offen, weil die Entscheidung zum Wechsel ja erst vor Kurzem gefallen ist.

Sie haben sechs Wochen Sommerpause, sind seit knapp 24 Stunden im Ländle. Wie voll ist der Terminkalender bereits?

Stand jetzt ist es noch völlig okay. Für mich ist ganz wichtig, dass die erste Zeit völlig der Familie und den Vertrauten gehört, die jetzt meine volle Aufmerksamkeit haben. Für mich ist das auch mental sehr wichtig. Ich werde mich jetzt wieder aufrappeln und die Freude für den Sport, für den wir jeden Tag brennen, an den Tag legen. Danach folgt bereits die Vorbereitung auf die neue Saison und es gilt, die Laufpläne abzuspulen.

Höhepunkt im Fußballsommer wird die Frauen-WM sein. Ich nehme an, die werden Sie sich nicht entgehen lassen, auch wenn Sie selbst nicht als Spielerin dabei sind?

Auf keinen Fall. Ich bin eine Person, die grundsätzlich alles verfolgt, was mit Fußball zu tun hat. Die Frauen-WM sowieso auch, weil man die Gesichter ja aus den Vereinen kennt, wie etwa beim deutschen Nationalteam. Oder auch Ria Percival, mit der ich in Basel zusammengespielt habe und ich ihr und Neuseeland die Daumen drücken werde. Alleine aus diesem Grund, werde ich mir das nicht entgehen lassen.

Ihr Favorit?

Das ist im Frauenfußball sehr schwierig zu sagen, auch wenn Frankreich, Spanien, Deutschland oder die USA sicherlich zu den Favoriten zählen. Vor allem Deutschland mit der neuen Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hat zuletzt sehr starke Leistungen gezeigt und ist für mich deshalb ein Kandidat, der wieder einmal beweisen möchte, wo er hingehört. Aber das ist eine WM, bei der vieles passieren kann, da viele Nationen sehr gut aufgestellt sind. HFL