„Nie ans Scheitern gedacht“

Sport / 20.05.2019 • 20:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Brooks Koepka rückte nach seinem vierten Major-Titel in der Weltrangliste zur Nummer eins auf. ap
Brooks Koepka rückte nach seinem vierten Major-Titel in der Weltrangliste zur Nummer eins auf. ap

Brooks Koepka hat sich wie im Vorjahr den Sieg bei der PGA Championship gesichert.

New York In der Crunchtime ließ Brooks Koepka wieder die Muskeln spielen, der Modellathlet mit dem beachtlichen Bizeps hatte auch keine andere Wahl. „Es sah ja wirklich so aus, als würde ich das alles noch verlieren“, sagte der neue und alte Sieger der US PGA Championship nach seiner dramatischen Schlussrunde: „Dabei habe ich zu keiner Zeit ans Scheitern gedacht.“

Auffällig selbstsicher lehnte der amerikanische Golfer deshalb über der Wanamaker Trophy, die er neben der Prämie von 1,98 Millionen Dollar (1,77 Euro) für den Triumph beim zweiten Major der Saison in New York erhielt. Der war aufgrund der brachialen Gewalt, mit der Koepka in dieser Woche seinen Ball über den endlos langen Bethpage Black Course gefeuert hatte, zwar keine Überraschung. Am Ende aber doch viel knapper als erwartet, weil er kurzzeitig schwächelte.

Zurück auf Platz eins

„Ich geriet keinesfalls in Panik, aber ein kleiner Schock war es schon“, sagte der 29-Jährige, der seinen komfortablen Vorsprung von sieben Schlägen wegen vier Bogeys nacheinander zwischenzeitlich fast komplett eingebüßt hatte. Er habe dann aber „den Reset-Knopf gedrückt“, dem Druck des angreifenden Dustin Johnson (USA) widerstanden und den „definitiv stressigsten Sieg meiner Karriere“ gefeiert.

Der Lohn war die Rückkehr auf den Thron der Weltrangliste, den zuvor der letztlich zwei Schläge schwächere Johnson eingenommen hatte. Und die Gewissheit, dass er auch in schwierigen Phasen zu Außerordentlichem in der Lage ist. „Brooks besitzt die Kontrolle über seine Schläge und behält, was noch viel wichtiger ist, einen klaren Kopf“, lobte Rory McIlroy.

Seine mentalen Fähigkeiten stellte Koepka auch unter Beweis, als Johnson immer näher kam und die Fans jeden seiner Fehler förmlich bejubelten. „Das ist New York. Was erwartet man, wenn man halbwegs versagt?“, fragte Koepka, den die Missgunst der Zuschauer aber zusätzlich motivierte: „Dass jeder gegen mich war, hat geholfen. Und es war ja auch der perfekte Zeitpunkt.“

Vier Siege in acht Majors

Den vier Bogeys folgten nämlich solide Par-Löcher. Zudem versagten Johnson, der mit Koepka 2018 auf dem Flug zum Ryder Cup körperlich aneinandergeraten sein soll, fast zeitgleich mal wieder die Nerven. „Ich bin trotzdem zufrieden“, äußerte der Schwiegersohn der kanadischen Eishockey-Legende Wayne Gretzky.

Mehr als das war nach dem „befriedigendsten Erfolg“ naturgemäß Koepka, der auf dem Weg zum Sieg zahlreiche Einträge in den Geschichtsbüchern erspielte. So ist er beispielsweise der erste Golfer, der gleichzeitig zwei Titel bei Major-Turnieren erfolgreich verteidigte. Auch die zwei vergangenen Ausgaben der US Open hatte Koepka gewonnen. „Es ging alles so schnell, die zurückliegenden zwei Jahre haben so viel Spaß gemacht“, sagte das aktuell vielleicht heißeste Eisen der Golf-Szene: „Hier nun zu stehen, mit vier Siegen aus den vergangenen acht Majors, ist überwältigend.“

„Es ging alles so schnell, die zurückliegenden zwei Jahre haben so viel Spaß gemacht.“

Golf

101. US PGA Championship in Bethpage/Long Island, New York (Major-Turnier, 11,5 Mill. Dollar, Par 70)

1. Brooks Koepka (USA) 272 (63/65/70/74), – 2. Dustin Johnson (USA) 274 (69/67/69/69), 3. Jordan Spieth (USA) 278 (69/66/72/71), Matt Wallace (ENG) 278 (69/67/70/72) und Patrick Cantlay (USA) 278 (69/70/68/71), 6. Luke List (USA) 278 (68/68/69/73), 7. Kang Sung (KOR) 280 (68/70/70/72), 8. u.a. Rory McIlroy (NIR) 281 (72/71/69/69), Adam Scott (AUS) 281 (71/64/72/74) und Matt Kuchar (USA) 281 (70/70/72/69), 23. Jason Day (AUS) 284 (69/74/69/72), 29. Justin Rose (ENG) 285 (70/67/73/75), 71. Phil Mickelson (USA) 292 (69/71/76/76). Cut (144 Schläge) verpasst u.a.: 83. Tiger Woods (USA) 145 (72/73), Sergio Garcia (ESP) 145 (74/71), John Rahm (ESP) 145 (70/75), 103. Patrick Reed (USA) 146 (74/72).