So erfolgreich war Niki Lauda als Airliner

Sport / 21.05.2019 • 07:05 Uhr / 10 Minuten Lesezeit

Höhen und Tiefen einer außergewöhnlichen Unternehmer-Karriere

Wien Niki Laudas Sparsamkeit galt als legendär. Einer Anekdote zufolge wettete er als Formel-1-Fahrer nach dem WM-Titel mit Alain Prost, auf einer Promo-Tour keinen einzigen eigenen Dollar zu verbrauchen. Auch privat war er sparsam: „Ich kaufe mir einen Pullover oder eine Hose, wenn die alten Sachen kaputt oder so verwaschen sind, dass es einfach nicht mehr geht. Nur dann“, sagte er einmal dem „Focus“.

Nicht nur als Airline-Unternehmer hatte Lauda – getreu seinem Werbespruch für die Onlinebank ING-DiBa – „nichts zu verschenken“. Wobei Lauda mehr Gründer als Betreiber war. Alle seine Fluglinien verkaufte er nach einigen Jahren: Die Lauda Air an den erbitterten Konkurrenten AUA, seine 2003 gegründete Airline Niki 2011 an Air Berlin, als diese noch Geld für Übernahmen hatte. Als es mit Air Berlin finanziell bergab ging, war Lauda bereits ausgestiegen. Laudamotion ging an Ryanair. Die Fäden im Hintergrund der Lauda-Deals zog dabei sein Anwalt Haig Asenbauer.

Lauda im Kampf gegen Gewerkschaften

Laudas Image als Sparfuchs bekamen auch seine Mitarbeiter zu spüren. Bei Niki waren Piloten, Flugbegleiter und Techniker jahrelang an eine Personalleasingfirma ausgelagert. Er sträubte sich auch gegen Betriebsrat und Kollektivvertrag. Als 2008 die Gewerkschaft versuchte, aus dem AUA-KV einen Branchenkollektivvertrag zu machen, sagte Lauda: „Das ist tiefster Ostblock.“

Auch bei Laudamotion griff Lauda wieder zu Leiharbeitsverträgen. Als aber drohte, dass die Ex-Niki-Piloten Laudamotion in Richtung Eurowings und AUA verlassen, besserte Lauda kurzerhand die Pilotengehälter – um bis zu 1.000 Euro brutto im Monat – auf. Den „Signing“-Bonus von Eurowings von bis zu 18.000 Euro für die Unterschrift unter dem Dienstvertrag glich Laudamotion mit einem Treuebonus in gleicher Höhe aus.

Mitarbeiter, die Lauda schon seit den Lauda-Air-Zeiten die Treue halten, schätzten den „Spirit“, der vom Ex-Rennfahrer ausging. Auch der designierte FPÖ-Chef Norbert Hofer (FPÖ), selbst einst Flugzeugtechniker bei Lauda Air, schwärmte einst über seinen ersten Chef: „Er ist eine Galionsfigur unseres Landes und hat Großes für Österreich geleistet.“

Lauda investierte auch in Immobilien

Sein als Rennfahrer und Airliner verdientes Geld legte Lauda über seine Privatstiftung nicht nur in Fluglinien, sondern unter anderem auch in Immobilien an. 2017 kaufte er für 6,9 Mio. Euro die sagenumwobene „NSA-Villa“ in Wien-Währing. Die Privatstiftung Lauda hat zudem bei Rene Benkos Immobilienimperium investiert. Die rund 47 Mio. Euro, mit denen Lauda 2018 Niki aus der Insolvenz zurückkaufte, stammten seinen Angaben zufolge zur Gänze aus seiner Privatstiftung. „Ich zahle das aus meiner Tasche“, sagte Lauda den Zeitungen. Wenige Wochen später reichte er aber 75 Prozent für rund 50 Mio. Euro an Ryanair weiter, Ende des Jahres die restlichen Prozent auf 100.

Den Einstieg von Ryanair hatte Lauda wenige Tage zuvor noch mit dem Worten „Ich weiß von null“ dementiert. Es war nicht das einzige Mal, dass sich Aussagen von Lauda schnell überholten. „Selbst wenn ich wollte, wäre das unvereinbar“, sagte er im April 2016 auf die Frage, ob er Niki von Air Berlin zurückkaufen wolle. Im August 2017 teilte er dann dem Insolvenzverwalter von Air Berlin sein Interesse mit.

Zur AUA-Übernahme durch die Lufthansa sagte Lauda 2012: „Ich habe bis heute nicht verstanden, warum es diese Übernahme überhaupt gegeben hat.“ 2009 klang das noch ganz anders: „Ich war von Anfang an ein Befürworter der AUA-Lufthansa-Lösung und hoffe, dass diese bald genehmigt wird.“

Als im April 2010 die isländische Vulkanaschewolke über Europa zog, sagte er am 15. April, dem ersten Tag der Luftraumsperren, gegenüber dem ORF wortwörtlich: „Die Vulkanasche ist deswegen so gefährlich – es hat sich herausgestellt vor ungefähr zehn, zwölf Jahren ist ein Jumbo 747 in der Nacht durch eine Vulkanasche geflogen, ohne dass man die vorhergesehen hat. Dem sind alle vier Triebwerke stehen geblieben, die Scheiben des Cockpits waren fast undurchsichtig und die Piloten haben es dann Gott sei Dank geschafft, zwei Triebwerke wieder zu starten und dann eine Notlandung zu machen.“

Doch bereits drei Tage später nannte er die Luftraumsperre in einer Aussendung „die größte Fehlentscheidung der Europäischen Luftfahrtbehörden“. Einen Monat später, als der Vulkan auf Island erneut Asche spuckte, versicherte Lauda, dass der Vulkanausbruch für die Luftfahrt völlig unbedenklich sei. „Es ist ein Wahnsinn, mit den Ängsten der Menschen zu spielen.“ Für die Triebwerke bestehe durch staubähnliche Asche überhaupt keine Gefahr. „Es ist noch nie in der Geschichte der Luftfahrt ein Flugzeug wegen Vulkanasche abgestürzt. Noch nicht einmal ansatzweise“, so Lauda.

Übel genommen wurden Lauda solche Widersprüche nicht. Erklären lässt sich das am ehesten damit, dass Lauda seine Meinung vor Journalisten immer als unumstößliche Tatsachen dargestellt hat. Er sprach unverblümt Klartext, auch wenn er wenige Wochen später genau das Gegenteil sagte. Besonders tolerant gegenüber anderen Ansichten war Lauda dabei nie, zu den Sorgen von Fluglärmgegnern meinte er einmal: „Wer bitte schläft von neun bis sieben?“

Unglück in Thailand

Laudas Charisma half ihm auch nach dem Absturz einer Lauda-Maschine bei Bangkok am 26. Mai 1991. Seine Präsenz und sein medialer Einsatz führten dazu, dass das größte Unglück in Österreichs Zivilluftfahrt mit 223 Todesopfern nicht in einem Vertrauensverlust der Kunden resultierte. Selbst zwischenzeitliche – letztlich nicht bestätigte – Vorwürfe von Boeing, die Wartung der Flieger sei nicht optimal gewesen, blieben nicht an Lauda hängen.

Bei Lauda ging es aber nicht nur ums Geld. Beim Bürgerkrieg in Ruanda steuerte er persönlich 1994 und 1996 zwei Hilfsflüge in das Krisengebiet. Unerschrocken und auf eigene Kosten pilotierte er eine Lauda-Air-Maschine, vollgepackt mit Hilfsgütern wie Medikamenten und Nahrungsmittel für die von der Caritas betreuten Flüchtlinge. 1994 war das Ziel der Flughafen Bujumbura, die Hauptstadt von Ruandas Nachbarstaat Burundi, 1996 flog Lauda dann direkt nach Kigali, Hauptstadt Ruandas. Der als Unternehmer eher auf seinen eigenen Vorteil bedachte Lauda begründete seine Hilfsaktion damals mit den Worten: „Wenn man diese Bilder sieht, weiß man, dass es dort um die Ärmsten der Welt geht. Sie haben fast keine Möglichkeit, selber zu überleben, darum müssen wir ihnen helfen.“

Viele Jahre später räumte er ein, dass seine zweite Frau Birgit Wetzinger, die Lauda 2004 kennengelernt hatte, als sie als Flugbegleiterin bei seiner Airline Niki arbeitete, sein soziales Gewissen weiter entwickelt hat: „Was soziales Engagement betrifft, hat Birgit mir wirklich die Augen geöffnet. Man könnte sagten, dass es ihr gelungen ist, mein soziales Gewissen zu wecken.“

Das Wirtschaftsmagazin „Trend“ reihte Lauda 2018 unter den reichsten hundert Österreichern auf Platz 91 mit einem geschätzten Vermögen zwischen 150 und 400 Mio. Euro. Den genauen Vermögensstand wollte der Millionär aber selbst seinen Kindern – auch den erwachsenen Söhnen Lukas und Matthias – nie sagen.

„Ich glaube nicht, dass man jungen Menschen Gutes tut, wenn sie sich schon jetzt ausruhen könnten auf möglichem Geld, von dem sie glauben, dass es ihnen zusteht. Man soll die Kinder so erziehen, dass sie darauf schauen, wie sie mit ihrer Leistung ihr Leben gestalten können. Es gibt auch mit Lukas und Matthias keine Diskussion über das Erbe, sie haben mich auch noch nie danach gefragt“, sagte Lauda 2017 in „Frühstück bei mir“ auf Ö3.

Lauda ließ jedenfalls keine Gelegenheit aus, um Geld zu verdienen. Selbst sein rotes Kapperl, das er seit seinem Feuerunfall trug, vermarktete er als Werbefläche. Seit 2014 mietete der Glücksspielkonzern Novomatic Laudas Stirn. Der Sponsor-Vertrag wurde 2017 um vier Jahre bis Ende 2020 verlängert. Lauda musste Medienberichten zufolge pro Jahr zehn Auftritte für Novomatic absolvieren. Über die Höhe des Honorars schwiegen sowohl Novomatic als auch Lauda.

Auch mit dem Flughafen Wien gab es eine Kooperation: Lauda warb auf der Flughafen-Website für die Parkplatzbuchung übers Internet. Als er 2015 einen neuen Privatjet kaufte, verband Lauda das ebenfalls mit einer Partnerschaft: Er stellte sich als Sprecher für Bombardier Business Aircraft in den Dienst des Flugzeugherstellers. Als er seine Global 6000 persönlich im Bombardier-Auslieferungszentrum in Dorval, Kanada, in Empfang nahm, erklärte Lauda in einem Werbefilm, er schätze die Reichweite der Global 6000, die ihm Nonstop-Flüge von Sao Paulo nach Wien ermögliche. Zuvor nutzte Lauda eine Global 5000 und eine Challenger 300 als Privatflugzeuge, mit denen er von Wien aus zu Formel-1-Rennen um die ganze Welt reiste. Eine Global 6000 kostet nach Listenpreis 62 Millionen Dollar (53,4 Mio. Euro).

Über seine 47 Meter lange Luxus-Yacht „Princess Too“ sagte Lauda einmal: „Für mich ist es ein Boot, das schwimmt.“ Laudas Yacht durchkreuzt das Mittelmeer unter maltesischer Flagge – wohl aus Steuervorteilen.

Laudas Karriere als Airliner