Frankreichs Frauen bauen auf den Fanfaktor

06.06.2019 • 20:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Amandine Henry soll Frankreich zumWM-Titel führen. ap
Amandine Henry soll Frankreich zum

WM-Titel führen. ap

Gastgeber greift bei der WM nach dem Titel.

Paris 2015-Sieger USA und 2011-Champion Japan haben sich in den jüngsten beiden Frauen-Fußball-WM-Turnieren den Titel untereinander ausgemacht. Bei der heute beginnenden achten Auflage der Endrunde in Frankreich schicken sich vor allem europäische Teams an, die Phalanx der beiden Dominatoren der vergangenen Jahre zu durchbrechen. Dazu zählt vor allem auch mit den Fans im Rücken Frankreich.

In Topform

Für die Französinnen wäre schon der Einzug ins Finale eine Premiere. „Les Bleues“ wollen aber mehr. „Unser Ziel ist es, den Titel zu gewinnen“, sagte Frankreichs Teamchefin Corinne Diacre ganz klar. Behilflich soll das Publikum sein, mehr als 60 Prozent der mehr als 800.000 verkauften Tickets wurden in Frankreich abgesetzt. „Frankreich ist einfach Frauenfußball-begeistert. Es wird stimmungsmäßig richtig gut. In der Hinsicht vielleicht die beste WM, die wir je hatten“, vermutete Deutschlands Teamchefin Martina Voss-Tecklenburg.

Die Deutschen fügten Frankreich die einzige Niederlage in deren jüngsten zehn Partien zu. Daneben gab es für Amandine Henry, die nach vier Champions-League-Triumphen auch bei einer WM einen Pokal stemmen möchte, und Co. nur Siege. Das Torverhältnis von 32:4 untermauert die Topform des Weltranglistenvierten.

Die Deutschen haben die Buchmacher auch auf der Rechnung. Voss-Tecklenburg steht vor ihrer ersten Bewährungsprobe, sie soll das EM-Debakel von 2017, als im Viertelfinale Endstation war, vergessen machen. Minimalziel des zweifachen Weltmeisters sei die Fixierung eines Olympia-Tickets, das es für die drei besten europäischen Teams gibt.

Dazu sollte auch England zählen. Das Team von Ex-Kicker Phil Neville zeigte im März mit dem Gewinn des Testturniers „SheBelieves Cup“ auf. Schon 2015 war man als WM-Dritter im Spitzenfeld vertreten. „Ich bin davon überzeugt, dass meine Frauen die Trophäe holen können“, gab sich Neville optimistisch.

Europameister Niederlande konnte sich erst über das Play-off das WM-Ticket sichern. Auch deshalb müssen sich die „Oranjes“ in der Topfavorit-Wertung hinten einreihen. Das ist dem Team gar nicht unrecht. „Wir sehen uns als Underdog, diese Rolle ist besser für uns“, sagte Abwehrspielerin Kika van Es.

Die großen Gejagten sind die US-Amerikanerinnen. Wie 1991, 1999 und 2015 soll für den Rekord-Weltmeister der Titel her. „Diese WM wird die schwierigste wegen der Anzahl der wirklich starken Teams aus Ländern, in denen der Frauen-Fußball vorankommt. Ich denke, dass wir ein enorm konkurrenzstarkes Turnier erleben“, rechnete US-Teamchefin Jill Ellis mit harter Gegenwehr.

Turnier genießen

Das Team um Stürmerstar Alex Morgan ist im personellen Umbruch und hat sich vom Powerfußball verabschiedet. Auch deshalb bezeichnete Ellis das am 7. Juli endende Turnier als „vollkommen neues Abenteuer“. Das trifft noch mehr auf Japan zu. Die Kaderauswahl wurde im Hinblick auf Olympia 2020 in Tokio durchgeführt, 14 Spielerinnen sind 23 Jahre oder jünger. „Ich habe den Spielerinnen gesagt, dass sie das Turnier genießen sollen“, sagte Japans Teamchefin Asako Takakura. Die 24-fache WM-Spielerin Homare Sawa ist nicht mehr dabei.

Auf den Trainerbänken sind die Männer in der Überzahl, nur neun Teams werden von Frauen gecoacht. Der Weltverband (FIFA) rechnet mit mehr als einer Milliarde TV-Zuschauern.

Fussball

Frauen-WM in Frankreich

Heute

Frankreich – Südkorea (A/Paris)  21.00 Uhr

Samstag

Deutschland – China (B/Rennes)  15.00 Uhr

Spanien – Südafrika (B/Le Havre)  18.00 Uhr

Norwegen – Nigeria (A/Reims)  21.00 Uhr

Sonntag

Australien – Italien (C/Valenciennes)  13.00 Uhr

Brasilien – Jamaika (C/Grenoble)  15.30 Uhr

England – Schottland (D/Nizza)  18.00 Uhr

Montag

Argentinien – Japan (D/Paris)  18.00 Uhr

Kanada – Kamerun (E/Montpellier)  21.00 Uhr

Dienstag

Neuseeland – Niederlande (E/Le Havre) 15.00 Uhr

Chile – Schweden (F/Rennes)  18.00 Uhr

USA – Thailand (F/Reims)  21.00 Uhr

Mittwoch

Nigeria – Südkorea (A/Grenoble)  15.00 Uhr

Deutschland – Spanien (B/Valenciennes)  18.00 Uhr

Frankreich – Norwegen (A/Nizza)  21.00 Uhr