fussball EURO 2020, Qualifikationsgruppen

07.06.2019 • 21:03 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Ilco Naumoski auf dem Mazedonien-Platz in Skopje. Im Hintergrund das weltweit größte Gruevski-Monument von Alexander dem Großen.Privat
Ilco Naumoski auf dem Mazedonien-Platz in Skopje. Im Hintergrund das weltweit größte Gruevski-Monument von Alexander dem Großen.Privat

Ilco Naumoski über das Duell seiner beiden Heimatländer, Foda, Arnautovic und Mazedoniens historische Chance.

Wien Am Montag (20.45 Uhr, live ORF 1) erwartet Österreichs Fußballer im EM-Qualifikationsspiel bei Nordmazedonien ein Schicksalsspiel. Wie schwer es wird, in Skopje zu bestehen, weiß keiner besser als Ilco Naumoski. Der 249-fache Bundesliga-Crack trug neun Jahre (2003 bis 2012) das mazedonische Teamdress. Mit dem Nationalstadion im Herzen der Hauptstadt verbindet der 35-Jährige ganz besondere Erinnerungen. Hier lief er erstmals in einem Pflichtspiel für sein Geburtsland auf. Hier brachte er mit seinem Tor zum 2:0 in der EM-Quali 2007 Favorit Kroatien zu Fall – bis heute der größte Sieg in der Geschichte des noch jungen Fußballverbandes. Und hier fand auch seine Karriere 2014 ein jähes Ende, als er sich bei einem Einsatz für Vardar einen Schien- und Wadenbeinbruch zuzog. „Wahrscheinlich wollte Gott, dass das auch auf diesem Platz passiert.“ Mit den VN sprach er über ein Match, bei dem er selber nur zu gern in seiner Spielerkarriere mitgemischt hätte.

Was erwartet Österreich in Skopje?

Naumoski Mazedonien ist ein fußballverrücktes Volk. 25.000 bis 30.000 werden sicher kommen. Das Stadion ist das schönste am Balkan. Daheim sind wir besonders stark und werden sicher auf Sieg spielen. Auch wenn ich Franco Foda als Trainer und Mensch sehr schätze. Das wird ganz, ganz schwer für Österreich. So leid es mir tut, weil Österreich ist ja auch meine Heimat. Wenn sie bestehen wollen, brauchen sie einen sehr, sehr guten Tag und müssen 120 Prozent geben.

Was zeichnet die mazedonische Mannschaft aus?

Naumoski Wir haben eine super Generation, einen guten Mix. Mit Pandev einen, der mit seinen 35 Jahren immer noch ein Spiel entscheiden kann. Mein persönlicher Lieblingsspieler ist Trajkovski von Palermo, der den Unterschied ausmachen kann. Oder ein Bardhi von Levante, der Freistöße wie früher David Beckham schießt. Nicht zu vergessen die starken Außenspieler mit dem pfeilschnellen Alioski von Leeds und Ristovski von Sporting Lissabon.

Mazedonien kann sich auch noch in der Nations League für die EM qualifizieren.

Naumoski Ja, das ist eine einmalige historische Chance. Der Hunger, erstmals bei einer Endrunde dabei zu sein, ist gewaltig. Die Gruppe ist offen. Und in der Nations League bräuchten wir dafür ja überhaupt nur zwei Siege.

Ihr habt früher schon gegen große Nationen wie die Niederlande, England und Kroatien überrascht, seid dann aber immer wieder über Zwerge gestolpert.

Naumoski Ja, das ist unsere Balkan-Mentalität. Wir haben gegen Hollands goldene Generation mit Robben, Snejder usw. 2:2 gespielt und drei Tage später gegen Andorra ein Spiel verloren, das wir 10:1 gewinnen hätten müssen. Als wir unter Trainer Katanec Kroatien geschlagen haben, haben wir gefeiert, als wären wir Weltmeister. Unsere jetzige Generation hat das Zeug, noch mehr zu erreichen.

Wie sehen Sie aktuell Österreich?

Naumoski Für mich eine Topmannschaft, die zu den 20 besten der Welt zählt, mit einem der besten Fußballer, den Österreich je hatte: Marko Arnautovic. Ich als Stürmer kann das sagen. Er macht den Unterschied. Österreich muss froh sein, ihn zu haben. Er ist das Herzstück. Sonst gefällt mir auch Ilsanker, ein Fighter und Beißer, der 200 Minuten geht, wenn es sein muss.

Franco Foda ist ja recht schnell unter Druck geraten.

Naumoski Ich mag das nicht, dass man nach zwei Niederlagen schon über den Trainer diskutiert. Foda war die beste Wahl als Teamchef. Nicht nur, weil ich ihn sehr schätze, ein ganz lieber Mensch, sondern auch wegen seiner fachlichen Qualitäten.

Wem drücken Sie die Daumen?

Naumoski Sonst immer auch Österreich und ich wünsche mir von Herzen, dass beide Teams zur EM fahren. Aber in diesem Spiel meiner Heimat Mazedonien – und bitte nicht Nordmazedonien schreiben. Wir sind geboren und sterben als Mazedonier. Österreich will ja auch nicht Unter-Österreich heißen.

Sie können nach ihrer Beinverletzung kaum mehr laufen. Wie geht es Ihnen jetzt?

Naumoski Neun Operationen hatte ich. Sagen wir so: Ich trage das Bein mit mir mit. Österreich kann froh sein, denn ich hätte sicher gegen sie gespielt (lacht). Ich bin ja auch erst 35, wie jetzt Pandev. Schade, dass unser erstes Spiel gegen Österreich erst jetzt steigt. Ich hätte irrsinnig gerne selber gegen Österreich gespielt, habe auch Friedrich Stickler immer zum Spaß gefragt, warum er kein Freundschaftsspiel gegen uns ausmacht.

Sie basteln bereits eifrig an Ihrer Trainerkarriere.

Naumoski Ich war zweieinhalb Jahre als Jugendtrainer in China, zuerst an der renommierten Sport-universität in Peking, dann in Nanjing. Dort konnte ich Fabio Capello über die Schultern schauen. Zuletzt war ich Cotrainer beim serbischen Aufsteiger Dinamo Vranje. Die waren mit Riesenabstand Stockletzter als ich gekommen bin. Jetzt haben sie den Klassenerhalt geschafft. Ich könnte wieder zurück nach China gehen, aber jetzt würde mich Österreich interessieren. Ich habe bereits die A-Lizenz, fange bald mit der Pro an. Ich könnte schon in der Bundesliga als Cotrainer arbeiten. Oder einmal als Cheftrainer in der Regionalliga beginnen. Das würde mich sehr reizen, da gibt es gute Mannschaften.

Was sagen Sie zur neuen Zwölferliga in Österreich?

Naumoski Ich bin dagegen. Die Zehnerliga hatte mehr Qualität und hat mir besser gefallen. Ich verstehe nicht, warum man das geändert hat. Ich finde die Punkteteilung nicht gut, das sieht man eh bei meinem Freund Markus Schopp, der mit Hartberg schon so viele Punkte hatte und so viele dann verloren hat. Außerdem glaube ich, dass zwölf Mannschaften in der Bundesliga zu viel sind. Und dass man es von der Qualifikationsgruppe noch in den Europacup schaffen kann, ist ja überhaupt ein Blödsinn und unfair gegenüber allen Mannschaften in der Meistergruppe. Aber okay, das ist nur meine Meinung.

Gruppe A

Tschechien – Bulgarien  2:1 (1:1)

Montenegro – Kosovo   1:1 (0:1)

Tabelle

1. England  2 2 0 0 10: 1 6

2. Tschechien 2 1 0 1 2: 6 3

3. Kosovo 2 0 2 0 2: 2 2

4. Bulgarien 3 0 2 1 3: 4 2

5. Montenegro 3 0 2 1 3: 7 2

Am Montag spielen

Bulgarien – Kosovo  20.45 Uhr

Tschechien – Montengro  20.45 Uhr

Gruppe B

Litauen – Luxemburg 1:1 (0:1)

Ukraine – Serbien 5:0 (2:0)

Tabelle

1. Ukraine 3 2 1 0 7: 1 7

2. Luxemburg  3 1 1 1 4: 4 5

3. Portugal 2 0 2 0 1: 1 2

4. Litauen 2 0 1 1 2: 3 1

5. Serbien 2 0 1 1 1: 6 1

Am Montag spielen

Serbien – Litauen  20.45 Uhr

Ukraine – Luxemburg  20.45 Uhr

Gruppe C

Am Samstag spielen

Estland – Nordirland 18.00 Uhr

Weißrussland – Deutschland 20.45 Uhr

Tabelle

1. Nordirland 2 2 0 0 4: 1 6

2. Deutschland 1 1 0 0 3: 2 3

3. Niederlande  2 1 0 1 6: 3 3

4. Estland 1 0 0 1 0: 2 0

5. Weißrussland 2 0 0 2 1: 6 0

Am Dienstag spielen

Weißrussland – Nordirland  20.45 Uhr

Deutschland – Estland  20.45 Uhr

Gruppe D

Georgien – Gibraltar  3:0 (1:0)

Dänemark – Irland 1:1 (0:0)

Tabelle

1. Irland 3 2 1 0 3: 1 7

2. Schweiz  2 1 1 0 5: 3 4

3. Georgien 3 1 0 2 3: 3 3

4. Dänemark 2 0 2 0 4: 4 2

5. Gibraltar 2 0 0 2 0: 4 0

Am Montag spielen

Dänemark – Georgien  20.45 Uhr

Irland – Gibraltar  20.45 Uhr

Gruppe E

Am Samstag spielen

Kroatien – Wales 15.00 Uhr

Aserbaidschan – Ungarn 18.00 Uhr

Tabelle

1. Slowakei  2 1 0 1 2: 1 3

2. Wales 1 1 0 0 1: 0 3

3. Kroatien 2 1 0 1 3: 3 3

4. Ungarn 2 1 0 1 2: 3 3

5. Aserbaidschan 1 0 0 1 1: 2 0

Am Dienstag spielen

Aserbaidschan – Slowakei  18.00 Uhr

Ungarn – Wales  20.45 Uhr

Gruppe F

Färöer Inseln – Spanien 1:4 (1:3)

Norwegen – Rumänien 2:2 (0:0)

Schweden – Malta 3:0 (1:0)

Tabelle

1. Spanien 3 3 0 0 8: 2 9

2. Schweden  3 2 1 0 8: 4 7

3.  Rumänien 3 1 1 1 7: 5 4

4. Malta 3 1 0 2 2: 6 3

5. Norwegen 3 0 2 1 3: 6 2

6. Färöer Inseln 3 0 0 3 3: 10 0

Am Montag spielen

Färöer Inseln – Norwegen  20.45 Uhr

Malta – Rumänien  20.45 Uhr

Spanien – Schweden  20.45 Uhr

Gruppe H

Am Samstag spielen

Island – Albanien 15.00 Uhr

Moldawien – Andorra 18.00 Uhr

Türkei – Frankreich  20.45 Uhr

Tabelle

1. Frankreich  2 2 0 0 8: 1 6

2. Türkei 2 2 0 0 6: 0 6

3. Albanien 2 1 0 1 3: 2 3

4. Island 2 1 0 1 2: 4 3

5. Andorra 2 0 0 2 0: 5 0

6. Moldawien 2 0 0 2 1: 8 0

Am Dienstag spielen

Albanien – Moldawien  20.45 Uhr

Andorra – Frankreich  20.45 Uhr

Island – Türkei  20.45 Uhr

Gruppe I

Am Samstag spielen

Russland – San Marino 18.00 Uhr

Belgien – Kasachstan 20.45 Uhr

Schottland – Zypern  20.45 Uhr

Tabelle

1. Belgien 2 2 0 0 5: 1 6

2. Zypern  2 1 0 1 5: 2 3

3. Russland 2 1 0 1 5: 3 3

4. Kasachstan 2 1 0 1 3: 4 3

5. Schottland 2 1 0 1 2: 3 3

6. San Marino 2 0 0 2 0: 7 0

Am Dienstag spielen

Kasachstan – San Marino  16.00 Uhr

Belgien – Schottland  20.45 Uhr

Russland – Zypern  20.45 Uhr

Gruppe J

Am Samstag spielen

Armenien – Liechtenstein 18.00 Uhr

Finnland – Bosnien-Herzegowina 18.00 Uhr

Griechenland – Italien  20.45 Uhr

Tabelle

1. Italien  2 2 0 0 8: 0 6

2. Griechenland 2 1 1 0 4: 2 4

3. Bosnien-Herzeg. 2 1 1 0 4: 3 4

4. Finnland 2 1 0 1 2: 2 3

5. Armenien 2 0 0 2 1: 4 0

6. Liechtenstein 2 0 0 2 0: 8 0

Am Dienstag spielen

Griechenland – Armenien  20.45 Uhr

Italien – Bosnien-Herzegowina  20.45 Uhr

Liechtenstein – Finnland  20.45 Uhr

Modus: Die beiden erstplatzierten Mannschaften jeder Gruppe und die vier besten drittplatzierten Teams erreichen die K.-o.-Phase.

Die EURO-Qualifikationsspiele werden live auf DAZN übertragen.