„Der eiserne Karl“ wird achtzig

12.06.2019 • 19:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Seit 1968 lebt Karl Frehsner in Dietikon im Kanton Zürich.GEPA
Seit 1968 lebt Karl Frehsner in Dietikon im Kanton Zürich.GEPA

Der ehemalige Skitrainer Frehsner ist bis heute aktiv.

Dietikon Karl Frehsner wird heute, Donnerstag, 80 Jahre alt. Der seit Jahrzehnten in der Schweiz lebende Oberösterreicher hat sich vor allem als Alpinski-Trainer einen Namen gemacht. Über 50 WM- und Olympiamedaillen haben Rennläufer unter dem legendären Coach gewonnen. Wegen seiner konsequenten Art hat sich Frehsner den Spitznamen „Der eiserne Karl“ erarbeitet.

Der am 13. Juni 1939 in Weyer an der Enns (OÖ) geborene Sohn eines Holzhackers verbrachte seine Jugend in Unterlaussa und im steirischen St. Gallen. Er lernte Karosseriespengler und die Skibauerei, fuhr für den oberösterreichischen Landesverband Skirennen und arbeitete ab 1959 in Mittersill in der Blizzard-Skiproduktion. Höhepunkt seiner bergsteigerischen Tätigkeit war 1961 die Durchsteigung der Eiger-Nordwand.

Auch in der Formel 1 tätig

Anfang der 60er-Jahre ging Frehsner aus beruflichen Gründen in die Schweiz, wo er seitdem auch in Dietikon (Kanton Zürich) lebt. Ab 1976 war er für den schweizerischen Skiverband tätig, ab 1980 feierte er u.a. als Trainer von Pirmin Zurbriggen oder Peter Müller Riesen-Erfolge und war auch mitbeteiligt am „Goldrausch“ der WM 1987 in Crans Montana. Danach war Frehsner zwei Jahre für den Internationalen Skiverband (FIS) als Chef-Renndirektor, später drei Jahre in der Formel 1 für Sauber tätig und betreute dort im physischen und mentalen Bereich u.a. Karl Wendlinger. 1997 holte man den konsequenten Coach („Der Wille allein entscheidet“) nach Österreich.

Als Damen-Abfahrtstrainer und später als Rennsportleiter feierte er mit Renate Götschl, Alexandra Meissnitzer, Michaela Dorfmeister und Co. einzigartige Erfolge mit insgesamt 18 Medaillen, neun davon alleine 1999 bei der WM in Vail. Gleich in seiner ersten Saison als Damen-Rennsportleiter sorgten die ÖSV-Mädchen mit 20 Saisonsiegen für einen Allzeit-Rekord im Weltcup. Nach fünf Jahren wurde er in Österreich von Herbert Mandl abgelöst und coachte ab 2002 wieder die Herren in der Schweiz.

Frehsner ist auch deshalb eine Legende, weil er zwar im März 2004 mit 65 Jahren als Trainer „zurückgetreten“, bis heute aber in der Skiszene aktiv ist und durch ein Mandat bei Swiss Ski dort Rennanzüge optimiert und sich am Lauberhorn um die Vorläufer kümmert. Beim Runterrutschen in Steilhängen falle es ihm inzwischen manchmal schon schwer, die Ski unter Kontrolle zu halten, gestand Frehsner kürzlich Snowactive, dem Verbandsmagazin von Swiss Ski. Frehsners Konsequenz: „Ich muss wieder intensiv Krafttraining machen.“

Vierfachtriumphe 1987 und 1999

Vom Aufhören ist bei Frehsner also offenbar keine Spur. Sein Wissen ist enorm, seine Erfolge sind legendär. Er ist der einzige Ski-Trainer, der bei einer WM (1987) mit den Schweizer Abfahrtsherren einen Vierfachtriumph feierte und dieses Kunststück zwölf Jahre später in Vail mit den ÖSV-Damen wiederholte. Das Olympische Komitee der Schweiz hat ihn 2013 für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Legendär sind auch Frehsners Disziplin und die Forderung nach Pünktlichkeit. Praktisch jeder in der Skiszene hatte in den vergangenen Jahrzehnten Berührungspunkte mit dem unbequemen Karl.

Obwohl der seit 54 Jahren mit Gattin Rosmarie verheiratete Frehsner mehrmals das Schweizer Bürgerrecht angeboten bekommen hat, ist er Österreicher geblieben. Er sei zwar Österreicher, aber „wahrscheinlich mehr Schweizer als ihr“, hatte er einmal in einer seiner Reden zum Schweizer Nationalfeiertag am 1. August gesagt.

Frehsner wird an seinem 80. Geburtstag („Ein Tag wie jeder andere“) kein großes Fest steigen lassen. Geplant gewesen war einmal eine Feier zusammen mit seinem Freud Karl Foitek. Der ebenfalls in Österreich geborene Ex-Autorennfahrer und Vater des ehemaligen Formel-1-Piloten Gregor Foitek ist Anfang des Jahres 87-jährig in Zürich verstorben.

„Schweizer und Österreicher spielen höchstes so Fußball, wie die Nigerianer Ski laufen.“