Der ÖFB möchte am Kuchen mitnaschen

12.06.2019 • 18:53 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Nach vier von zehn Spielen in der Qualifikationsphase nehmen Marko Arnautovic und das ÖFB-Team mit sechs Punkten Rang drei in der Gruppe G ein.GEPA
Nach vier von zehn Spielen in der Qualifikationsphase nehmen Marko Arnautovic und das ÖFB-Team mit sechs Punkten Rang drei in der Gruppe G ein.GEPA

Die Teilnahme an der EURO 2020 würde 9,25 Millionen bringen.

Wien Das Verpassen der Fußball-EM 2020 hätte für den Österreichischen Fußballverband (ÖFB) mehr als nur einen massiven Imageverlust zur Folge. Im Rennen um einen Platz bei der Endrunde geht es auch um wirtschaftliche Interessen, denn die UEFA schüttet an jeden der 24 Teilnehmer Millionen aus.

Auf jeden der 24 EURO-Starter gibt es eine Antrittsprämie von 9,25 Mill. Euro. Ein Sieg in der Gruppenphase ist 1,5 Mill., ein Unentschieden 750.000 Euro wert. Für das Achtelfinale kassiert man zwei, für das Viertelfinale 3,25 und für das Semifinale fünf Millionen Euro. Der Endspiel-Verlierer darf sich mit sieben Millionen trösten, der Europameister streift zehn Millionen ein. Daher werden auf das Konto des Titelgewinners 34 Mill. Euro überwiesen, sofern er auch die drei Gruppenspiele gewonnen hat. Insgesamt 371 Mill. Euro werden bei der EM 2020 ausgespielt.

An diesem Kuchen würde der ÖFB gerne mitnaschen. „Es ist wichtig und schön, solche Einmalzahlungen zu bekommen. Eine Endrundenteilnahme liefert auch gute Argumente bei Verhandlungen über TV-Verträge oder mit Sponsoren“, erklärte Bernhard Neuhold, Geschäftsführer der ÖFB Wirtschaftsbetriebe GmbH.

Budget steht ohne Bonifikation

Von existenzieller Bedeutung seien die EM-Zahlungen für Österreichs größten Sportfachverband aber nicht. „Der ÖFB bezieht sich in seinen wirtschaftlichen Kalkulationen nicht auf Bonifikationen aus Endrunden, sonst hätten wir in den letzten 20 Jahren nur in den wenigsten Fällen einen ausgeglichenen Haushalt gehabt“, meinte Neuhold.

Weiters betonte der Niederösterreicher, dass es sich bei den UEFA-Prämien nicht um Netto-Erlöse handle. „Wir hätten bei einer EM-Teilnahme erhebliche Kosten für Quartiere und Flüge, lassen die Spieler partizipieren. Der Rest wird dann in der Fußball-Familie verteilt.“ Profitieren würden dabei als Mitglieder des ÖFB etwa die Bundesliga und die Landesverbände, zudem bestünde laut Neuhold die Möglichkeit, Projekte in der Talenteförderung des Verbandes weiterzuentwickeln.

Gut gebrauchen könnte man das Geld auch im Hinblick auf wegweisende infrastrukturelle Vorhaben. Ein neues Nationalstadion wäre zwar selbst mit einem Europameistertitel nicht zu finanzieren, beim Thema Trainingszentrum und ÖFB-Geschäftsstelle hätte der Verband allerdings mehr Spielraum.

Schon jetzt verfügt der ÖFB nach den Angaben von Neuhold über ein positives Eigenkapital in Millionenhöhe. „Das bedeutet aber definitiv nicht, dass der ÖFB im Geld schwimmt. Wir haben Rücklagen definiert für konkrete Projekte, für die dieses Eigenkapital verwendet werden muss.“ Das – ausfinanzierte – Budget für 2019 beträgt rund 45 Millionen Euro, im kommenden Jahr würde es bei einem EM-Start deutlich steigen.

Derzeit ist man von einem Endrunden-Ticket noch etwas entfernt – dennoch laufen beim ÖFB die Planungen für eine Teilnahme an der EURO 2020 auf Hochtouren. Die organisatorischen Vorarbeiten haben jedoch nichts mit überbordendem Optimismus zu tun, sie sind der Tatsache geschuldet, dass der Verband für den Fall des Falles in puncto Quartiere, Flüge und Trainingscamps gerüstet sein muss. Daher stellte Neuhold klar: „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass wir aufgrund der Ergebnisse der Gruppenphase 2018 im Nations-League-Play-off dabei sind. Dementsprechend wäre es fahrlässig, keine Vorkehrungen zu treffen.“

Planen, als ob man dabei wäre

Sollten sich David Alaba und Co. tatsächlich über das Nations-League-Play-off im Frühjahr 2020 qualifizieren und der ÖFB erst danach administrativ tätig werden, wären Probleme vor und während der EM vorprogrammiert. „Es ist unsere Verpflichtung, dass wir uns schon jetzt um die Rahmenbedingungen kümmern. Für uns ist es notwendig, so zu planen, als ob wir bei der EM definitiv dabei wären“, erklärte Neuhold.

Die EURO 2020 wird in zwölf Städten ausgetragen, gespielt wird vom Atlantik (Bilbao) bis zum Kaspischen Meer (Baku). Dazu kommt, dass die Gruppenauslosung eventuell erst nach dem Abschluss des Nations-League-Play-offs feststeht. Deswegen wird im Moment weniger an Quartieren, sondern vielmehr an der Turniervorbereitung und der Unterbringung zwischen den möglichen Spielen getüftelt.

Dabei geht die Tendenz laut Neuhold in die Richtung, während der EM in Österreich zu bleiben. Ende Juni dürfte die Entscheidung über da EM-Base-Camp des ÖFB-Teams fallen, von dort ginge es im Normalfall – sofern man nicht zwei Partien innerhalb weniger Tage in Baku absolviert – einen Tag vor dem Match zum Austragungsort und einen Tag danach retour. Zudem ist noch vor EM-Beginn ein einwöchiges Trainingscamp im Ausland denkbar.

„Das bedeutet aber definitiv nicht, dass der Fußballverband im Geld schwimmt.“

Frauen-WM 2019 in Frankreich

Zeitraum: 7. juni bis 7. Juli

Spielorte: Montpellier, Nizza, Valenciennes,

 Paris, Reims, Le Havre, Grenoble und Rennes

Vorrunde

Gruppe A

Nigeria – Südkorea 2:0 (1:0)

Frankreich – Norwegen nach Redaktionsschluss

Tabelle

1. Frankreich 1 1 0 0 4: 0 3

2. Norwegen 1 1 0 0 3: 0 3

3. Nigeria 2 1 0 1 2: 3 3

4. Südkorea 2 0 0 2 0: 6 0

Frankreich – Nigeria Montag, 21 Uhr

Südkorea – Norwegen Montag, 21 Uhr

Gruppe B

Deutschland – Spanien 1:0 (0:0)

Tabelle

1. Deutschland 2 2 0 0 2: 0 6

2. Spanien 2 1 0 1 3: 2 3

3. China 1 0 0 1 0: 1 0

4. Südafrika 1 0 0 1 1: 3 0

Südafrika – China Donnerstag, 21 Uhr

China – Spanien Montag, 18 Uhr

Südafrika – Deutschland Montag, 18 Uhr

Gruppe C

Tabelle

1. Brasilien 1 1 0 0 3: 0 3

2. Italien 1 1 0 0 2: 1 3

3. Australien 1 0 0 1 1: 2 0

4. Jamaika 1 0 0 1 0: 3 0

Australien – Brasilien Donnerstag, 18 Uhr

Jamaika – Italien Freitag, 18 Uhr

Jamaika – Australien Dienstag, 21 Uhr

Italien – Brasilien Dienstag, 21 Uhr

Gruppe D

Tabelle

1. England 1 1 0 0 2: 1 3

2. Argentinien 1 0 1 0 0: 0 1

 Japan 1 0 1 0 0: 0 1

4. Schottland 1 0 0 1 1: 2 0

Japan – Schottland Freitag, 15 Uhr

England – Argentinien Freitag, 21 Uhr

Japan – England Mittwoch, 21 Uhr

Schottland – Argentinien Mittwoch, 21 Uhr

Gruppe E

Tabelle

1. Kanada 1 1 0 0 1: 0 3

 Niederlande 1 1 0 0 1: 0 3

3. Kamerun 1 0 0 1 0: 1 0

 Neuseeland 1 0 0 1 0: 1 0

Niederlande – Kamerun Samstag, 15 Uhr

Kanada – Neuseeland Samstag, 21 Uhr

Kamerun – Neuseeland  20. 6. , 18 Uhr

Niederlande – Kanada  20. 6. , 18 Uhr

Gruppe F

Tabelle

1. USA (TV) 1 1 0 0 13: 0 3

2. Schweden 1 1 0 0 2: 0 3

3. Chile 1 0 0 1 0: 2 0

4. Thailand 1 0 0 1 0:13 0

Schweden – Thailand Sonntag, 15 Uhr

USA – Chile Sonntag, 18 Uhr

Schweden – USA  20. 6. , 21 Uhr

Thailand – Chile  20. 6. , 21 Uhr

Modus: Die Ersten und Zweiten der sechs Vorrundengruppen sowie die drei besten Drittplatzierten qualifizieren sich für das Achtelfinale (ab 22. Juni).