Frauen als Vorbild

Sport / 13.06.2019 • 22:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Auftrag von Trainer Werner Gregoritsch an seine U-21-Mannschaft für die EM in Italien: „Macht es wie die Frauen . . .“gepa
Der Auftrag von Trainer Werner Gregoritsch an seine U-21-Mannschaft für die EM in Italien: „Macht es wie die Frauen . . .“gepa

Auftritt bei EM 2017 hat dem Unter-21-Team imponiert.

Wien Österreichs U21-Fußball-Nationalmannschaft nimmt sich vor der am Sonntag beginnenden EM in Italien und San Marino das ÖFB-Frauen-A-Team als Vorbild. Als Underdog gestartet, gelang Laura Feiersinger und Co. 2017 bei der EM-Premiere in den Niederlanden der Vorstoß ins Halbfinale. Dorthin will nun auch die ÖFB-U21 kommen, die zuvor noch nie Endrundenluft schnuppern konnte.

Die ÖFB-Frauen hatten sich mit einem 1:0 gegen die Schweiz, 1:1 gegen Frankreich und 3:0 gegen Island als Gruppensieger für das Viertelfinale qualifiziert. Dort wurde noch Spanien (5:3 i.E.) ausgeschaltet, ehe erst im Kampf um den Finaleinzug gegen Dänemark (0:3 i.E.) Endstation war. „Wie sie ihr Spiel betrieben haben, war toll, sie haben ihre Möglichkeiten voll ausgeschöpft und waren dabei sehr diszipliniert im taktischen Bereich. Sie sind nie in ein offenes Messer gelaufen, waren immer sehr geduldig und sehr clever“, analysierte Gregoritsch.

Taktische Disziplin

Manuela Zinsberger musste nur ein Gegentor im Turnierverlauf hinnehmen. „Davon kannst du mitnehmen, dass du, wenn du eine gute Defensive hast, viel erreichen kannst“, so der 61-Jährige. Das hat auch sein Team in den Bewerbsspielen ausgezeichnet. In sieben Partien gab es nur drei Gegentore, im Quali-Play-off in zwei Duellen mit Griechenland keines. „Dass auch wir taktische Disziplin haben, haben wir gezeigt“, so Gregoritsch. Dafür hatte es angesichts des Test-0:0 gegen Italien im März auch von Italiens Ex-Internationalem Alessandro Costacurta Lob gegeben.

Doch nicht nur aus sportlicher Sicht können sich Goalie Alexander Schlager und Co. an den Frauen ein Beispiel nehmen. „Wie die Spielerinnen miteinander umgegangen sind, mit welcher Freude sie Erfolgserlebnisse gefeiert haben, da hat es niemanden gegeben, der nicht im Boot war. Die Begeisterung der Frauen für die Sache, das war schon etwas Spezielles und hat mir imponiert“, schilderte Gregoritsch seine Sicht.

Die Initialzündung im Sommer 2017 war klarerweise der gelungene Auftakt. Wie damals die Schweiz ist auch jetzt am Montag (18.30 Uhr) in Triest der erste ÖFB-U21-Gegner Serbien zu favorisieren. „Man hat bei der Frauenmannschaft gesehen, welch enorme Kräfte so ein Erfolgserlebnis freisetzen kann. Wir müssen auch gleich im ersten Spiel so auftreten, dass man erwarten kann, dass man in Italien etwas Besonderes erreichen kann“, so Gregoritsch.

Eine weitere Parallele ist, dass die ÖFB-Frauen vor dem Turnier größtenteils unbeachtet waren. Die U21 steht auch aufgrund von Spielterminen zu ähnlichen Zeitpunkten ganz klar im Schatten des A-Teams, aus dem sie nun heraustreten kann. „Man sieht, was da für ein Hype entstehen kann. Sie waren der Underdog und haben trotzdem allen bewiesen, was möglich ist, wenn man zusammenhält und gemeinsam konsequent an einem Ziel arbeitet. Was das betrifft, können wir uns von ihnen eine Scheibe abschneiden, weil wir in einer ähnlichen Situation sind“, erläuterte Alexander Schlager.

Die Vorzeichen stünden jedenfalls gut. „Wir haben die Qualität im Kader und einen super Zusammenhalt in der Mannschaft. Von dem her ist sicher einiges möglich“, vermutete der LASK-Schlussmann. Seinem Teamchef macht die Arbeit auch nach vielen Jahren weiter großen Spaß. Ein Wechsel zu den Frauen ist unabhängig davon kein Thema. „Da hätte wahrscheinlich meine Frau was dagegen, obwohl ich schon ein alter Sack bin“, sagte Gregoritsch schmunzelnd.

Die ÖFB-Frauen gewannen übrigens ihre Generalprobe vor der EM 2017 zu Hause 4:2 gegen das höher eingeschätzte Dänemark. Die U21 siegte nun als Underdog gegen Frankreich 3:1. Vielleicht ein gutes Omen.

„Die Begeisterung der Frauen für die Sache, das war speziell und hat mir imponiert.“