Letzter im Jänner, Meister im Juni

13.06.2019 • 20:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Bausteine für den Stanley Cup: Kapitän Alex Pietrangelo (oben), Rookie-Torhüter Jordan Binnington, der wertvollste Finalspieler Ryan O‘Reilly und Interimstrainer Craig Berube. ap
Die Bausteine für den Stanley Cup: Kapitän Alex Pietrangelo (oben), Rookie-Torhüter Jordan Binnington, der wertvollste Finalspieler Ryan O‘Reilly und Interimstrainer Craig Berube. ap

St. Louis schrieb NHL-Geschichte, holte sich den Stanley Cup.

Boston Der Weg der St. Louis Blues von ganz unten nach ganz oben dauerte nicht einmal sechs Monate. Noch am 3. Jänner belegte das Team aus Missouri den letzten Platz in der nordamerikanischen Eishockey-Liga NHL. Nun feiern die Blues den ersten Stanley Cup in ihrer 52-jährigen Teamgeschichte. Nach dem 4:1 (2:0, 0:0, 2:1) im entscheidenden siebten Spiel der Finalserie bei den Boston Bruins durfte Kapitän Alex Pietrangelo die 20 Kilogramm schwere und 90 Zentimeter hohe Silber-Trophäe in die Luft stemmen.

Ohrwurm Gloria

„Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Wo wir herkamen und wo wir jetzt sind. Es ist unglaublich“, sagte der 29-jährige Pietrangelo, der in Boston selbst einen Treffer zum Erfolg beisteuerte. „Wir haben es geschafft. Ab dem 3. Jänner haben wir alles auf eine Karte gesetzt, wir haben verdient gewonnen“, rief sein Kollege Pat Maroon. Fünf Spieler um Jaden Schwartz entdeckten in einer Sportsbar den 80er-Ohrwurm „Gloria“ von Laura Branigan für sich und entwickelten eine ganz besondere Beziehung zu dem Lied. Der Song lief nach jedem Tor im Enterprise Center, als der Einzug ins Finale perfekt war, spielte ihn der Radiosender Y-98 24 Stunden durch. Er wurde zum Symbol.

Einen großen Anteil am Auswärtserfolg in Boston hatte Rookie-Torhüter Jordan Binnington. Der 25-Jährige wehrte 32 von 33 Schüssen der Bruins ab. „Es war eine unglaubliche Saison, eine unglaubliche Geschichte“, sagte Binnington, der erst am 7. Jänner sein NHL-Debüt gab und nun zum Final-Helden wurde.

Zum vierten Mal in Folge gewann das Auswärtsteam ein entscheidendes Finalspiel in der NHL. Die Feier innerhalb der Arena in Boston fiel dadurch etwas verhaltener aus. In St. Louis hingegen bejubelten Tausende von Fans ihre Mannschaft.Die Heimspielstätte der Blues, das Enterprise Center, war beim Public Viewing voll besetzt. Zusätzlich war auch das Busch Stadium, in dem die Cardinals aus der Baseball-Liga ihre Heimspiele bestreiten, für die Eishockey-Anhänger geöffnet worden. „Unsere Fans mussten lange auf diesen Moment warten. Es ist aufregend. Wir werden viel Spaß haben“, versprach St. Louis-Spieler Jaden Schwartz mit Blick auf eine rauschende Party.

Zum wertvollsten Spieler der NHL-Playoffs wurde Ryan O‘Reilly gekürt. Der 28-Jährige ist der erste Spieler seit Legende Wayne Gretzky, der in vier Stanley-Cup-Spielen hintereinander ein Tor erzielte. In Spiel sieben traf er zur 1:0-Führung in der 17. Minute. „Nachdem wir unseren Stil gefunden hatten, waren wir nur schwer zu schlagen“, resümierte Blues-Interimstrainer Craig Berube, der Mike Yeo abgelöst hatte.

Kein NHL-Team musste länger auf den ersten Stanley-Cup-Gewinn warten. 52 Jahre vergingen seit der Gründung der Franchise 1967. Damals kamen in der NHL sechs Teams dazu, vier davon – Philadelphia, Pittsburgh, Minnesota/Dallas und Los Angeles – haben den Stanley Cup bereits gewonnen. Das sechste Team, die Oakland Seals, verabschiedete sich bald.

Eishockey

Die Stanley Cup Rekordsieger seit 1915

Montreal Canadiens  24

Toronto Maple Leafs  13

Detroit Red Wings  11

Boston Bruins  6

Chicago Blackhawks  6

Edmonton Oilers  5

Pittsburgh Penguins  5

New York Rangers  4

New York Islanders  4

Ottawa Senators  4