Mit Tempo 54 in die Wand

Sport / 13.06.2019 • 22:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der vierfache Tour-de-France-Sieger Chris Froome befindet sich nach seinem schweren Sturz bei einer Trainingsfahrt mit mehreren Knochenbrüchen und multiplen Verletzungen auf der Intensivstation.AFP
Der vierfache Tour-de-France-Sieger Chris Froome befindet sich nach seinem schweren Sturz bei einer Trainingsfahrt mit mehreren Knochenbrüchen und multiplen Verletzungen auf der Intensivstation.AFP

Intensivstation statt Tour de France. Froome nach Horrorsturz acht Stunden operiert.

Roanne Eine tropfende Nase bei voller Fahrt, der Einschlag in eine Hauswand mit 54 Stundenkilometern: Christopher Froomes fürchterlicher Trainingssturz hat rund drei Wochen vor der Tour de France den Radsport-Zirkus gehörig in Aufregung versetzt. Während der Brite in einer achtstündigen Operation zusammengeflickt wurde und auf der Intensivstation des Krankenhauses von Roanne lag, muss sich sein Ineos-Team für die Frankreich-Rundfahrt neu sortieren. „Chris hat unglaublich hart daran gearbeitet, in fantastische Form zu kommen. Er war auf dem besten Weg zur Tour“, sagte Ineos-Teamchef Dave Brailsford: „Wir lenken unseren Fokus jetzt darauf, ihn bei seiner Genesung zu unterstützen.“

Zukunft völlig offen

Wie lange die Genesung des viermaligen Tour-Champions nach dem Crash beim Zeitfahr-Training während des Criterium du Dauphine dauern wird, lässt sich angesichts der Schwere der Verletzungen und multipler Brüche nur erahnen. „Er ist operiert worden, um seinen Oberschenkelhalsknochen, seine Hüfte und seinen Ellbogen zu reparieren. Er hat Rippenbrüche, auch kleinere innere Verletzungen“, sagte Brailsford: „Er wird in den nächsten Tagen noch auf der Intensivstation bleiben, dann schauen wir weiter.“ Bei Froome wachten Ehefrau Michelle und Teamarzt Richard Usher.

Im Jahr 2019 wird Froome höchstwahrscheinlich kein Rennen mehr fahren. Und danach? „Chris zeichnen mentale Stärke und Widerstandsfähigkeit aus“, sagte Brailsford. Doch ob dies reichen wird, im gesetzteren Radsportalter in alter Stärke zurückzukommen, um sich den Traum vom fünften Tour-Sieg zu erfüllen, steht infrage. 2020 mit dann 35 Jahren wäre Froome der älteste Tour-Sieger der Geschichte.

Für die kommende Frankreich-Rundfahrt (6. bis 27. Juli) verschiebt das Aus des langjährigen Dominators die Kräfteverhältnisse – auch wenn dies für die Kontrahenten in den Hintergrund trat. „Egal, ob er ein Rivale ist oder nicht. Egal, was die Leute über Chris Froome sagen. Es geht hier um die menschliche Komponente. Er hat zwei junge Kinder und eine Frau daheim“, sagte der Australier Richie Porte, Ex-Teamkollege und selbst mehrmals von bösen Verletzungen ausgebremst.

Hand vom Lenker genommen

Die genaue Analyse des Unfallherganges hinterließ bei Teamchef Brailsford indes die Erkenntnis, dass sich Geschehnisse unglücklich verketteten. „Chris kam eine anspruchsvolle Abfahrt herab in Richtung eines geraderen Straßenstücks mit Häusern auf beiden Seiten“, sagte Brailsford. Dann habe der viermalige Tour-de-France-Sieger seinem Teamkollegen Wout Poels signalisiert, dass er sich die Nase putzen wolle. „Dazu hat er eine Hand vom Lenker genommen. In dem Moment hat eine Windböe sein Vorderrad erfasst, er hat die Kontrolle verloren und ist geradewegs in die Hauswand“, so Brailsford. Mit Tempo 54, so die Auswertung der Computerdaten.