Polizei nahm Platini in Gewahrsam

Sport / 18.06.2019 • 20:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gegen den ehemaligen UEFA-Präsident Michael Platini laufen Ermittlungen wegen unlauterer Machenschaften bei der Vergabe der Fußball-WM an Katar. ap
Gegen den ehemaligen UEFA-Präsident Michael Platini laufen Ermittlungen wegen unlauterer Machenschaften bei der Vergabe der Fußball-WM an Katar. ap

Es geht um Korruption bei der WM-Vergabe an Katar.

Nanterre Der ehemalige UEFA-Präsident Michel Platini ist im Rahmen der Korruptionsuntersuchungen im Zuge der Vergabe der Fußball-WM 2022 an Katar vernommen worden. Ein Treffen vor neun Jahren im Elysée-Palast steht im Mittelpunkt des Interesses der Ermittler.

Als Michel Platini das Gebäude der Anti-Korruptions-Abteilung der Kriminalpolizei in Nanterre betrat, holte ihn die umstrittene WM-Vergabe an Katar erneut mit aller Macht ein. Der ehemalige UEFA-Präsident stellte sich am Dienstag im Pariser Vorort den bohrenden Fragen der Ermittler. Es bestehe der Verdacht der „aktiven und passiven Korruption“, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Verweis auf namentlich nicht genannte Justiz-Quellen.

Platini gab sich nach der Anhörung gelassen. Er habe „absolut nichts falsch gemacht“, ließ er in einer über seinen Anwalt William Bourdon verbreiteten Erklärung mitteilen. Er sei auch nicht „verhaftet“, sondern lediglich als „Zeuge vernommen“ worden. Dabei habe er alle Fragen ruhig und präzise beantwortet, auch zur Vergabe der EURO 2016.

Absprachen im Elysée-Palast

Der derzeit für alle Fußballaktivitäten gesperrte Platini wurde wegen eines Treffens mit dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, Tamim Bin Hamad Al Thani, Emir von Katar, und Hamad Ben Jassem, damaliger Premierminister Katars, verhört. Bei einem Mittagessen am 23. November 2010 im Elysée-Palast in der französischen Hauptstadt sollen Absprachen über die WM-Vergabe nach Katar getroffen worden sein. Katar sollte den französischen Klub Paris St. Germain kaufen, im Gegenzug würde Platini seine Kontakte spielen lassen und für Stimmen bei der WM-Vergabe werben.

Die WM wurde ein paar Wochen später dann tatsächlich an Katar vergeben, gleichzeitig wurde Russland als WM-Gastgeber 2018 auserkoren. 2011 kaufte sich Katar bei PSG ein. Im Zusammenhang mit den WM-Vergaben wurden immer wieder Korruptionsvorwürfe laut. Viele Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees, das 2010 die Entscheidung pro Russland und Katar traf, sind mittlerweile von der Ethikkommission der FIFA gesperrt worden. Ex-FIFA-Präsident Joseph S. Blatter bekräftigte seine Vorwürfe. „Platini hat mich angerufen und mir gesagt, dass er eine Unterhaltung mit Nicolas Sarkozy im Elysée hatte und dass er und seine Freunde aus nationalen wirtschaftlichen Interessen für Katar stimmen könnten.“