Michel Platini ist wieder frei, die Zweifel aber bleiben

Sport / 19.06.2019 • 22:58 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Michel Platini wirkte nach dem stundenlangen Polizeiverhör abgekämpft. ap
Michel Platini wirkte nach dem stundenlangen Polizeiverhör abgekämpft. ap

Fußball-WM 2022 in Katar erneut im Zwielicht.

Nanterre Der Verhör-Marathon war kaum vorbei, da hing Michel Platini schon wieder am Handy. Ein Lächeln huschte dem abgekämpft wirkenden Ex-UEFA-Boss über die Lippen, als er telefonierte. Schnell war er in der Nacht wieder auf freien Fuß gekommen, nachdem seine vorläufige Festnahme wegen möglicher Verwicklungen in korrupte Geschäfte rund um die Vergabe der WM 2022 in Katar hohe Wellen geschlagen hatte. Platini ist vorerst frei – doch das Turnier im Emirat rückt einmal mehr ins Fadenkreuz der Justiz.

„Viel Lärm um nichts“

Für den für alle Fußballaktivitäten gesperrten Platini kam der Trubel um seine Person – und damit auch um die WM – offenbar völlig überraschend. Mit Rechtsbeistand William Bourdon an der Seite wies er vor dem Polizeibüro im Pariser Vorort Nanterre alle Vorwürfe entschieden von sich. „Ich bin frei hierhergekommen und die haben mich sofort in Gewahrsam genommen. Es schmerzt. Es schmerzt jeden, an den ich denken kann“, sagte Platini.

Er sei „über die Europameisterschaft 2016, die WM in Russland, die WM in Katar und die FIFA“ befragt worden. Im Zentrum der Untersuchung steht ein Treffen mit dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, Tamim Bin Hamad Al Thani, Emir von Katar, und Hamad Ben Jassem, Premierminister Katars im November 2010. Damals sollen Absprachen bezüglich der Vergabe der WM 2022 an Katar getroffen worden sein.

Platini und sein Anwalt spielten die Vorwürfe herunter. „Viel Lärm um nichts“, nannte es Bourdon und erklärte den Fall für „geschlossen“. Platini erklärte, er sei „immer gelassen gewesen, weil ihm jede Art von derlei Geschäften fremd“ sei. Das stimmt nicht so ganz. 2015 platzte sein Traum vom Präsidentenamt beim Weltverband FIFA, nachdem er wegen einer dubiosen Zahlung über 1,8 Millionen Euro an ihn gesperrt worden war. Die später von acht auf vier Jahre reduzierte Suspendierung läuft im Oktober aus.

Was vom Fall Platini bleibt, sind die neuerlichen, dicken Fragezeichen hinter der WM 2022. Dass sie nach allem, was bislang auf den Tisch gekommen ist, trotzdem dort stattfindet, ist wahrscheinlich. Zwar überschlagen sich seit der Vergabe 2010 die Meldungen über unmenschliche Arbeitsbedingungen, Korruptionsfälle und verhaftete Funktionäre. Doch ändern wird das an den Plänen der FIFA wohl nichts.