Vettel und Ferrari treten auf der Stelle

Sport / 21.06.2019 • 22:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sebastian Vettel diskutiert mit einem Techniker von Reifenhersteller Pirelli, von der Hand des Frischverheirateten blitzt ein Ehering.apa
Sebastian Vettel diskutiert mit einem Techniker von Reifenhersteller Pirelli, von der Hand des Frischverheirateten blitzt ein Ehering.apa

In Le Castellet gab es viel Neues, keinen Fortschritt und keinen Kanada-Sieg.

Le Castellet Viele neue Teile am Ferrari, aber kein Schritt nach vorn: Sebastian Vettel fährt der Spitze in der Formel 1 weiter hinterher. Im freien Training zum Großen Preis von Frankreich kam der mit seiner Hanna frisch Verheiratete am ersten Trainingstag nicht über Rang vier hinaus – und auch die Hoffnung auf den nachträglichen Kanada-Sieg am Grünen Tisch musste der Ferrari-Star endgültig abschreiben.

Beweise taugten nichts

Wie die Rennkommissare aus Montreal bei einer eigens einberufenen Sitzung in Le Castellet beschlossen, hat das von der Scuderia eingebrachte neue Beweismaterial „keine signifikanten und relevanten neuen Elemente“ zutage gefördert. Die rennentscheidende Szene zwischen Vettel und Weltmeister Lewis Hamilton wird damit nicht neu bewertet.

Ferrari-Sportdirektor Laurent Mekies hatte bei einer Pressekonferenz kurz vor der Anhörung noch von „überwältigenden“ Beweisen gesprochen. Wie der Automobil-Weltverband FIA der Urteilsverkündung bekannt gab, wollte Ferrari die Regelhüter um den deutschen Juristen Gerd Ennser unter anderem mit TV-Aufnahmen von Vettels Helmbewegungen sowie einer Analyse des Ex-Fahrers und Fernsehexperten Karun Chandhok zum Umdenken bewegen.

Auch auf der Strecke wurde Ferrari abgewatscht: Vettels Rückstand auf den Finnen Valtteri Bottas im Mercedes betrug stolze 0,728 Sekunden. Deutlich vor dem viermaligen Champion, der seit 15 Rennen auf einen Sieg wartet, platzierte sich auf dem Circuit Paul Ricard auch Hamilton im zweiten Mercedes mit 0,424 Sekunden Rückstand auf Bottas.

Der WM-Spitzenreiter aus Großbritannien verbremste sich allerdings heftig bei seinem einzigen Versuch, auf der weichsten und damit schnellsten Reifenmischung die Bestzeit zu setzen. Wegen seiner forschen Rückkehr auf die Strecke, die beinahe einen Unfall mit Red-Bull-Pilot Max Verstappen nach sich gezogen hätte, leitete die Rennleitung eine Untersuchung ein.

Gedämpfte Erwartungen

Ferrari reiste unter anderem mit neuem Frontflügel, Heckflügel und Unterboden zum achten Saisonlauf. Die jeweils 90-minütigen Trainingseinheiten am Freitag wurden von der Scuderia vor allem zum Experimentieren genutzt, wie Vettel tags zuvor angekündigt hatte: „Es wird ein Tag, an dem wir herausfinden wollen, ob die Richtung stimmt.“

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto hatte im Vorfeld die Erwartungen allerdings deutlich gedämpft. Das neue Paket sei „noch nicht die Lösung unserer Probleme“, so der Italiener.

Die flirrende Hitze in der Provence und rund 55 Grad Streckentemperatur halfen allerdings der Mercedes-Konkurrenz, das schwer zu treffende Reifenfenster zu finden. Doch auch das nützte wenig gegen die Silberpfeile, die saison­übergreifend neun Rennen in Folge gewonnen haben.

Die Form stimmte bei Vettels Teamkollege Charles Leclerc zudem eher als bei ihm selbst. Der 21-jährige Monegasse beendete die Einheit als Dritter mit 0,649 Sekunden Rückstand auf Bottas.

Formel 1

Grand Prix Frankreich in Le Castellet

1. freies Training

1. Hamilton (GBR) Mercedes 1:32,738 Min., 2. Bottas (FIN) Mercedes +0,069 Sek., 3. Leclerc (MON) Ferrari 0,373, 4. Verstappen (NED) Red Bull 0,880, 5. Vettel (GER) Ferrari 1,052, 6. Gasly (FRA) Red Bull +1,353, 7. Norris (GBR) McLaren 1,372, 8. Sainz Jr. (ESP) McLaren 1,523

2. freies Training

1. Bottas (FIN) 1:30,937 Min., 2. Hamilton (GBR) +0,424 Sek., 3. Leclerc (MON) 0,649, 4. Vettel (GER) Ferrari 0,728, 5. Norris (GBR) 0,945, 6. Verstappen (NED) 1,112, 7. Sainz Jr. (ESP) McLaren 1,495, 8. Gasly (FRA) 1,511

Heute

3. freies Training 12.00 Uhr

Qualifikation 15.00 Uhr

Sonntag

Grand Prix von Frankreich 15.10 Uhr

Fernsehen: ORF 1, RTL, SRG, Sky live