Europaspiele: Zwischenbilanz mit Licht und Schatten

Sport / 27.06.2019 • 08:37 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Peter Mennel zog eine Zwischenbilanz bei den Europaspielen in Minsk. Für den Bregenzer ist Karatekämpferin Bettina Plank (oben) noch eine heiße Medaillenhoffnung, dagegen schied Ringerin Florine Schedler (unten) frühzeitig aus.GEPA
Peter Mennel zog eine Zwischenbilanz bei den Europaspielen in Minsk. Für den Bregenzer ist Karatekämpferin Bettina Plank (oben) noch eine heiße Medaillenhoffnung, dagegen schied Ringerin Florine Schedler (unten) frühzeitig aus.GEPA

Österreich hält bei Europaspielen bei vier Medaillen, aber noch kein Olympia-Quotenplatz für Tokio 2020.

Misnk Am sechsten Tag der noch bis Sonntag andauernden zweite Europaspiele in Minsk gab es keine weitere Medaille für Österreich. Für ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel aus Bregenz gibt es eine Zwischenbilanz mit Luft nach oben. Zu den Medaillenanwärtern für Mennel zählt u. a. Karatekämpferin Bettina Plank, die vor vier Jahren in Baku Silber erkämpfte. Nur von kurzer Dauer war die Premiere für Ringerin Florine Schedler. Die 20-jährige Wolfurterin unterlag in der Auftaktrunde der 53-kg-Klasse gegen die Deutsche Nina Hemmer nach 2:43 Minuten Kampfzeit mit 0:10 und schied vorzeitig aus.

Nach sechs von zehn Wettkampftagen stehen eine Silberne und drei Bronzene zu Buche. Wie zufrieden sind Sie aus ÖOC-Sicht?

Mennel Alle vier Medaillen waren auf ihre Art speziell: Am überraschendsten kam wohl Bronze im Straßenradrennen durch Daniel Auer. Ihm wurde im Vorfeld ein Top-10-Rang zugetraut, nicht aber Edelmetall. Andere Teams hatten bis zu fünf Fahrer am Start, wir nur drei. Die Bronzene von Judoka Stephan Hegyi ist insofern speziell, weil unsere Aktiven bis dahin über einen siebten Rang nicht hinausgekommen waren. Die Art und Weise, wie der 20-Jährige den Vizeweltmeister im Kampf um Bronze besiegte, war imposant. Im Teambewerb haben dann andere aufgezeigt. Bernadette Graf schlug die Weltranglisten-Erste aus den Niederlanden, Lukas Reiter gewann drei seiner vier Kämpfe. Es sagt alles, dass die letzte österreichische Judo-Teammedaille aus dem Jahre 1989 stammt. Im Schützenlager war die Erleichterung über Silber im Kleinkaliber-Mixedbewerb durch Franziska Peer und Bernhard Pickl ähnlich groß. Diese Medaille bringt zwar keinen direkten Quotenplatz für Tokio, aber sie sollte dem Team für die nächsten Bewerbe Auftrieb geben.

Gab es aus Ihrer Sicht auch Enttäuschungen?

Mennel Diese Frage müssen die Sportverbände in den nächsten Wochen im Detail analysieren. Im Judo gab es diesmal viele Erstrunden-Niederlagen. Im Tischtennis wurden die hochgesteckten Erwartungen im Einzel und Mixed-Doppel ebenfalls nicht erfüllt. Die Judokas konnten an den letzten beiden Wettkampftagen das Blatt wenden. Vielleicht gelingt das auch im Tischtennis im Teambewerb. Auch bei den Schützen sind die Hoffnungen von direkten Quotenplätzen für Tokio nicht endgültig ausgeträumt.

Macht das aus Ihrer Sicht einen Sinn, wenn bei Europaspielen die olympischen Kernsportarten Leichtathletik und Schwimmen fehlen?

Mennel Die Zahlen sprechen für sich: Das Teilnehmerfeld von 4000 Athleten aus 50 Nationen ist beachtlich. In acht der insgesamt 15 Sportarten geht es um Quotenplatze für die Sommerspiele 2020. Die Europaspiele werden von insgesamt 170 Nationen im Fernsehen übertragen und mehr als 500 Medienvertreter berichten aus Weißrussland. Minsk ist aus meiner Sicht ein sehr guter Gastgeber. Wir fühlen uns hier sehr willkommen. Ich bin überzeugt, dass die Europaspiele nachhaltig ihren angestammten Platz im internationalen Sportkalender finden werden. Für die 2023 stattfindenen dritten Europaspiele der Geschichte 2023 hat Krakau den Zuschlag erhalten. Ich glaube sagen zu können: Das wird gut funktionieren in Polen.

Was lässt sich am Format der Europaspiele noch verbessern?

Mennel Sogenannte Trendsportarten wie Klettern oder Breakdance wären eine mögliche Alternative. Vorrangiges Ziel muss aber sein, noch mehr Olympiaqualifikationen im Rahmen der Europaspiele abzuhalten. Tatsache ist, dass sich unsere Athleten in Minsk sehr wohlfühlen. Wir haben bislang teamintern ausnahmslos positives Feedback erhalten.

Was erwarten Sie in den verbleibenden vier Wettkampftagen?

Mennel Wir sind gekommen, um möglichst viele direkte Quotenplätze für Tokio 2020 und Medaillen zu erreichen. Diese Chance lebt noch im Tischtennis-Mannschaftbewerb und den Einzelbewerben der Schützen. Zudem haben wir ja mit Ringerin Martina Kuenz und Karatekämpferin Bettina Plank zwei ganz heiße Medaillenkandidatinnen im Rennen. Der 27-jährigen Feldkircherin gelang bei der Premiere 2015 am ersten Wettkampftag mit Silber ein perfekter Beginn und es ist durchaus möglich, dass sie am Sonntag für einen goldenen Abschluss sorgt. VN-JD