Spektakuläre Aufholjagd von Verstappen wurde mit Sieg belohnt

30.06.2019 • 19:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit

Überholmanöver gegen Charles Leclerc wurde untersucht,
Bottas Dritter vor Vettel und Hamilton.

spielberg Die Serie von Mercedes in der Formel 1 ist in Spielberg gerissen. In dem wohl spannendsten Rennen in diesem Jahr bestimmte der Zweikampf der Jungstars Max Verstappen und Charles Leclerc um den Sieg das Geschehen. Strahlender Gewinner war nach schweißtreibenden 71 Runden der „Hausherr“: Dank eines noch zu untersuchenden Manövers wiederholte Verstappen den Heimsieg für Red Bull. In der vorvorletzten Runde überholte Verstappen den Ferrari von Leclerc innen in Kurve 3, was zu einer Untersuchung bei der Rennleitung führte. Als Dritter rettete der Finne Valtteri Bottas die Ehre von Mercedes, das zuvor alle acht WM-Läufe 2019 gewonnen hatte. Nach saisonübergreifend zehn Siegen endete die imposante „Silberpfeil“-Serie. Lewis Hamilton, der seine überlegene WM-Führung behielt, wurde nur Fünfter, vor ihm landete noch Sebastian Vettel im zweiten Ferrari.

Glücklicher Marko

Der Niederländer hatte nach einem Fehlstart eine beachtliche Aufholjagd hingelegt, am Ende lieferte er Leclerc über mehrere Runden einen spektakulären Kampf. „Hier zu gewinnen, ist unglaublich“, jubelte Verstappen nach seinem sechsten Grand-Prix-Sieg und dem 60. für Red Bull Racing. „Max, du bist ein mächtiges Rennen gefahren“, lobte ihn sein Teamchef Christian Horner. „Eine Max-Show, unglaublich“, gab sich auch Red-Bull-Berater Helmut Marko im ORF-Interview direkt euphorisch.

Die entscheidende Szene kommentierte Verstappen mit gewohnt klarem Standpunkt. „Das ist hartes Racing, sonst müssen wir zu Hause bleiben“, meinte er. Leclerc beklagte sich, dass ihm Verstappen keinen Platz gelassen habe, was Verstappen von sich wies: „Wenn diese Dinge nicht erlaubt sind im Rennsport, was bringt es dann, in der Formel 1 zu sein?“ Leclerc meinte, er lasse die Stewards entscheiden. „Im Auto hätte ich gesagt, es ist unfair, von außen habe ich es noch nicht gesehen“, sagte der Monegasse, der vor der Siegerehrung kein Wort mit Verstappen wechseln wollte.

Die jüngste Startreihe in der Formel-1-Geschichte mit den beiden 21-jährigen Leclerc und Verstappen kam unterschiedlich weg. Der Niederländer verpatzte nämlich seine Anfahrt total und verlor fünf Positionen, während Leclerc vorneweg fuhr. Verfolgt wurde er vom Mercedes-Tandem Bottas und Hamilton, in der siebenten Runde war der von Platz neun gestartete Vettel bereits Vierter.

Vettel (Soft), Bottas (Medium) und Leclerc (Soft) wechselten bei Streckentemperaturen von bis zu 55 Grad und 35 Grad in der Luft noch vor dem ersten Drittel der Renndistanz auf härtere Mischungen. Hamilton kam erst in der 30. Runde an die Box, dabei wurde auch ein beschädigter Frontflügel getauscht. Der Brite fiel dadurch auch hinter Vettel und Verstappen zurück, die sich bald um den dritten Platz stritten.

In der 50. Runde zog Verstappen an dem Ferrari vorbei, wenig später überholte er auch Bottas. Vettel verlor durch einen weiteren Boxenstopp seinen vierten Platz an Hamilton, holte sich diesen aber am Schluss im Duell auf der Strecke zurück. Punkto Geschwindigkeit hatten die Mercedes diesmal klare Nachteile gegenüber Ferrari und dem Verstappen-Red-Bull, die mit den heißen Temperaturen offenbar besser zurechtkamen.

„Die Hitze hat unserem Motor zugesetzt“, gestand Bottas. „Es fühlt sich an wie das heißeste Rennen, das ich je gefahren bin“, hatte Hamilton schon vor Beginn gemeint. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff sagte: „Wir wussten von Anfang an, dass diese Strecke schwierig für uns wird.“ Hamilton liegt in der WM-Wertung mit 197 Punkten vor Bottas (166), neuer Dritter ist nun Verstappen (126). Das Rennen stand im Zeichen des Gedenkens an die österreichische Motorsport-Ikone Niki Lauda. In der Früh schon war die erste Kurve auf dem Red Bull Ring in Anwesenheit seiner Witwe Birgit und seines Sohnes Lukas in Niki-Lauda-Kurve umgetauft worden. An die Fans waren laut offiziellen Angaben 50.000 rote Kappen verteilt worden.

Im Visier der Rennkommissare

Nach dem Großen Preis von Österreich dauerte es weitere Stunden, bis der Name des Siegers offiziell feststand. Im Visier der Rennkommissare war das entscheidende Überholmanöver von Red-Bull-Held Max Verstappen gegen Ferrari-Mann Charles Leclerc. Für den Monegassen war klar: „Das ist nicht, wie man überholt.“ Helmut Marko bezeichnete den Sieg von Verstappen „völlig zweifelsfrei“.

„Dem Leclerc ist irgendwann die Straße ausgegangen“, kommentierte die Red-Bull-Eminenz den spektakulären Zweikampf in der 69. Runde, der Verstappen den von seinen niederländischen Fans frenetisch bejubelten Sieg brachte. Der Red-Bull-Pilot hatte sich in der Rechtskurve nach der „Oranje“-Tribüne innen an Leclerc vorbeigepresst, dieser verließ kurz die Strecke, nachdem es zu einer leichten Berührungen der Wagen gekommen war. „Er hat mir keinen Platz gelassen, um zurückkommen zu können“, erläuterte Leclerc, der äußerlich aber ruhig blieb.

„Ich war auf der Außenseite wie in der Runde davor. In der Runde vorher war es total in Ordnung, er hat am Kurvenausgang genug Platz für ein Auto daneben gelassen, aber nachher hat er das nicht gemacht. Er hat mich berührt, ich musste nach außen ausweichen und hatte keine Chance, Max wieder zu überholen“, sagte der 21-Jährige, der seinen ersten Rennsieg wie schon in Bahrain in der Schlussphase eines Rennens verlor.

„Beim

zweiten

Mal habe ich etwas später in der Kurve gebremst.

Wir hatten natürlich einen kleinen Kontakt“,

erklärte der Niederländer.

„Das ist hartes Rennfahren. Es ist besser, als nur hintereinander

herzufahren und ein langweiliges Rennen zu haben.“ „Da gibt‘s überhaupt keine Debatte“, sagte Marko.

„Beim zweiten Mal habe ich etwas später in der Kurve gebremst. Wir hatten natürlich einen kleinen Kontakt.“

Die entscheidende Szene beim Grand Prix von Österreich: In der vorvorletzten Runde überholte Max Verstappen den Ferrari von Charles Leclerc innen in Kurve 3, was zu einer Untersuchung bei der Rennleitung führte. gepa
Die entscheidende Szene beim Grand Prix von Österreich: In der vorvorletzten Runde überholte Max Verstappen den Ferrari von Charles Leclerc innen in Kurve 3, was zu einer Untersuchung bei der Rennleitung führte. gepa