Gold erkämpft mit gerissenem Seitenband

01.07.2019 • 20:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bei der Abschlussfeier der Europaspiele in Minsk trug Goldmedaillengewinnerin Bettina Plank die rot-weiß-rote Fahne. GEPA
Bei der Abschlussfeier der Europaspiele in Minsk trug Goldmedaillengewinnerin Bettina Plank die rot-weiß-rote Fahne. GEPA

Bettina Plank muss nach Triumph bei
Europaspielen Zwangspause einlegen.

Minsk Es waren ein extrem langer und kräftezehrender Wettkampftag und eine sehr kurze Nacht. Doch wie zuvor auf der Kampffläche steckte Bettina Plank die Strapazen fast mühelos weg. „Eigentlich kam erst auf dem Heimflug so etwas wie Müdigkeit auf, da ich habe für kurze Zeit richtig tief geschlafen“, beschreibt die 27-jährige Feldkircherin die ersten Stunden nach ihrem größten sportlichen Erfolg. Am Abschlusstag sorgte die zierliche Karatekämpferin mit ihrem Triumph in der 50-kg-Klasse für ein vergoldetes Ende aus österreichischer Sicht bei den zweiten Europaspielen der Geschichte in Minsk. „Unmittelbar nach dem Kampf war mir zwar klar, dass ich gewonnen habe. Doch so richtig realisiert habe ich den Erfolg erst bei der Siegerehrung, als mein Adrenalinspiegel etwas gesunken war. Als ich die Goldene überreicht bekam und die Nationalhymne gespielt wurde, gingen mir gefühlte 1000 Gedanken gleichzeitig durch den Kopf.“

Als einzige Goldmedaillengewinnerin wurde der HLSZ-Sportsoldatin dann die Ehre zuteil, bei der Abschlussfeier als Fahnenträgerin ins Dinamo-Stadion einzumarschieren. „Ich war völlig überrascht, als ich gefragt wurde, und musste nicht eine Sekunde überlegen. Unter so vielen Topathleten für diese Aufgabe ausgewählt zu werden, war eine riesige Ehre für mich.“

Als sich Plank bereits nach Mitternacht überglücklich, aber restlos erschöpft auf ihr Zimmer zurückzog, um gedanklich den Erfolgstag noch einmal Revue passieren zu lassen, wurde die überschwengliche Freude etwas getrübt. „Bei einer Fußtechnik von mir zum Kopf der Gegnerin habe ich einen Stich im linken Knie verspürt. Doch ich war so mit Adrenalin vollgepumpt, dass ich zunächst der Sache keine Bedeutung beigemessen habe. Ich war so voll im Euphorie und einfach nur überglücklich. Als ich am Morgen gesehen habe, dass das Knie richtig dick angeschwollen war, habe ich sofort den ÖOC-Arzt kontaktiert, und die notwendigen Schritte wurden eingeleitet“, erklärt Vorarlbergs Sportlerin der Jahre 2016 und 2017.

Bei der Rückkehr in Wien wurde bei der MRT-Untersuchung ein Riss des äußeren Seitenbandes am Knie festgestellt. Zum jetzigen Stand geht man aber davon aus, dass das Kreuzband bzw. der Mensikus nicht betroffen sind. Eine endgültige Dia­gnose darüber soll eine weitere MRT-Untersuchung kommende Woche bringen. „Eigentlich habe ich mir die anstehende Trainingspause etwas entspannter vorgestellt. Trotz dieses bitteren Beigeschmacks ist die Freude über den Erfolg ungetrübt. Gerade der klare 5:1-Finalerfolg gegen Serientitelträgerin Serap Özcelik hat gezeigt, dass ich und mein Team auf dem richtigen Weg sind. Daran ändert auch die Verletzung nichts. Die Momentaufnahme ist absolut vielversprechend, doch bis zu den Sommerspielen in Tokio 2020 ist es noch ein langer und harter Weg.“

„Die Fahne ins Stadion zu tragen, war schon ein ganz emotionaler Moment.“