ÖTV-Fokus auf Doppel gerichtet

03.07.2019 • 18:56 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Philipp Oswald bestreitet heute sein Auftaktspiel in Wimbledon.GEPA
Philipp Oswald bestreitet heute sein Auftaktspiel in Wimbledon.GEPA

Österreich erstmals seit 25 Jahren in Wimbledon in zweiter Einzelrunde nicht mehr vertreten.

London Ein Vierteljahrhundert ist es her, dass beim Tennis-Grand-Slam-Turnier in Wimbledon zuletzt kein Österreicher in der zweiten Runde im Einzel stand. Im Frühsommer 1994 lautete die Bilanz in Runde eins sogar 0:7, diesmal hatten sich zwei Aktive für den Hauptbewerb qualifiziert. Sowohl Dominic Thiem als auch Dennis Novak unterlagen in ihren Auftaktspielen in vier Sätzen. Als die ernüchternde ÖTV-Bilanz besiegelt war, wollte das Novak nicht als Minuspunkt des rot-weiß-roten Tennissports sehen. Der 25-Jährige verwies dabei darauf, dass für ihn vor allem mit besserem Aufschlag beim 6:3, 4:6, 6:7, 2:6 gegen den Ungarn Marton Fucsovics mehr möglich gewesen wäre. Und einer wie Sebastian Ofner wiederum habe schon vor zwei Jahren gezeigt, dass er im Tennis in Wimbledon reüssieren kann.

Bei Thiem wiederum ergibt sich Jahr für Jahr die Problematik, dass er bis drei Wochen davor eine extrem intensive Sandplatzsaison spielt, die Vorbereitung auf Rasen darunter leidet. Nach seinen beiden Paris-Endspielen musste er im Vorjahr in der ersten Wimbledon-Runde aufgeben. Diesmal folgte auf Roland Garros der Verzicht auf das Rasen-Vorbereitungsturnier in Halle, womit er keine Turnier-Matchpraxis vor dem harten Test gegen Querrey hatte. „Die Sandsaison hat mich viel Substanz gekostet“, führte Thiem aus. „Ich habe alles gegeben, was ich hatte. Dann hatte ich die Entscheidung zu treffen, ohne Vorbereitung auf Rasen zu spielen. Und dann komme ich auf Querrey, der Rasen liebt.“ Viel Erfahrung gehöre auch dazu, bei nur vier Matches auf Rasen in zwei Jahren sei die aber nur schwer zu sammeln. Bloß ein Turnierspiel auf diesem Belag in einer Saison hat Thiem noch nie gespielt. 2014 waren es zwei gewesen. Gegen Querrey hatte es lange gar nicht schlecht ausgesehen. „Ich war, obwohl es ausgeglichen war, immer ein bisschen obenauf. Dann ist mir in kurzer Zeit das Match entglitten. Vor allem auf Rasen kann es schnell passieren, dass es auch in die andere Richtung kippt. Ich muss schauen, wie ich es in den nächsten Jahren mache, hier besser zu spielen.“ Grundsätzlich sei es in der kurzen Rasensaison aber schwierig, das zu bewerkstelligen.

„Ich bin keine Maschine“

Jedenfalls möchte Thiem dafür keine Einschränkungen auf Sand machen, ein Grand-Slam-Titel, am besten in Paris, sei weiter sein höchstes Ziel. „Ich stehe aber auf Sand bei jedem Turnier unter Vollstrom. Doch ich bin keine Maschine, die immer auf 100 Prozent agiert. Ich brauche danach eine Zeit, bis ich wieder vier, fünf Stunden alle zwei Tage volle Intensität fahren kann.“

Während Thiem nun bis 22. Juli für das Turnier in Hamburg Zeit zur Vorbereitung hat, wird Novak schon in Baastad erneut auf Sand im Einsatz sein. Es folgen Gstaad und Kitzbühel. Mit seinem Abschneiden in London ist Novak schon wegen der geschafften Qualifikation nicht unzufrieden. In Zukunft gebe es nur einen Weg, den er in den letzten Wochen mit seinem Touring-Coach Julian Knowle vereinbart hat. Konkret gelte es vor allem, am Service zu arbeiten. „Damit ich mehr Percentage und Tempo bekomme am Ersten.“

Knowle ist bis Baastad anderweitig gut ausgelastet, der gebürtige Harder betreut in Wimbledon auch Oliver Marach und Jürgen Melzer. Das ÖTV-Duo musste in der ersten Doppelrunde gegen Hsieh Cheng-peng/Christopher Rungkat (TPE/IDN) trotz komfortabler Zweisatzführung noch in einen Entscheidungsdurchgang, behielt aber nach 3:20 Stunden Spielzeit mit 6:3, 6:4, 1:6, 2:6, 11:9 die Oberhand. In der zweiten Runde könnte es mit Philipp Oswald gegen einen Landsmann gehen. Der 33-jährige Feldkircher musste allerdings zuvor mit dem Tschechen Roman Jebavy die heute geplante Auftaktpartie gegen Hugo Dellien/Guido Pella (Bol/Arg) siegreich beenden.