Altachs neuer, alter Cotrainer Martin Bernhard weiß jetzt, was Druck bedeutet

04.07.2019 • 19:10 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Martin Bernhard ist nach etwas weniger als drei Jahren als Cotrainer zurück beim SCR Altach. GEPA

Der gebürtige Feldkircher hat in seiner Zeit als Cotrainer bei Rapid Wien ganz viele Erfahrungen gemacht. Diese will er nun in Altach für Erfolge nutzen.

Markus Krautberger

Altach 949 Tage lagen zwischen Martin Bernhards letztem Arbeitstag am 11. November 2016 und seinem Comeback im Altacher Trainerdress am 17. Juni 2019. Ereignisreiche Tage, wie der gebürtige Feldkircher bestätigt. „Mit dem Wechsel 2016 von Altach zu Rapid hat sich für mich sehr schnell sehr viel verändert. Ich bin da in eine komplett andere Welt eingetaucht. Vom ersten Arbeitstag an wurde einem vermittelt, dass man eben beim österreichischen Rekordmeister tätig ist“, erklärt der mittlerweile 47-Jährige, dem im Ländle seit seiner aktiven Laufbahn als Spieler bei SW Bregenz, FC Dornbirn, FC Lustenau und SCR Altach der Spitznamen „Butre“ (Anm. d. Red.: in Anlehnung an Emilio Butrageno) verpasste wurde.

Spießrutenlauf

Wenn Bernhard zurückhaltend von „ereignisreich“ spricht, kann man als Außenstehender getrost behaupten, die Zeit bei Rapid Wien sei ein einziger Spießrutenlauf gewesen. Zuerst nach nicht einmal fünf Monaten der Rauswurf von Cheftrainer Damir Canadi, der Bernhard einst 2013 nach Altach lotste und nach Wien mitnahm. Danach leitete der Feldkircher gemeinsam mit Goran Djuricin als Interimstrainer den Klub und war einem enormen medialen, aber auch sportlichen Druck ausgesetzt. „Es war vom Start weg turbulent, es war jeden Tag was los. Der Druck auf uns Trainer nahm jeden Tag zu. Die Entlassung von Canadi brachte zwar etwas Ruhe, aber bei einem Klub wie Rapid ist das nie von langer Dauer“, beschreibt „Butre“ die Zeit Anfang 2017. Dennoch bestätigt er, dass er vor allem in den Monaten danach sehr viel gelernt hat, sei es als Trainer wie auch als Mensch. „Es blieb nicht viel Zeit, um nachzudenken, man musste immer agieren, immer versuchen, gemeinsam mit dem Trainerteam die richtigen Entscheidungen für die Mannschaft zu treffen. Immer mit dem Wissen, dass die Medien alles mit der Lupe beobachteten. Im Nachhinein gesehen habe ich in dieser turbulenten Zeit sehr viel gelernt.“ Als Belohnung stand Bernhard im Mai 2017 mit Rapid im österreichischen Cupfinale gegen RB Salzburg. Die Saison 2017/18 lief etwas ruhiger ab, auch weil Rapid am Ende Platz drei belegte und es in die Europa-League-Qualifikation schaffte. Für Bernhard war das bereits das dritte Mal, dass er europäische Luft auf der Trainerbank schnuppern durfte. Zuvor gelang ihm das zweimal eben mit dem SCR Altach (2015, 2017).

„Die aktuelle Truppe hat einen ähnlich tollen Spirit wie das Team im Jahr 2013.“

Martin Bernhard, Cotainer SCR Altach


Mit Rapid gelang sogar der Einzug in die Gruppenphase. Dort warteten so klingende Namen wie Spartak Moskau, Glasgow Rangers und Villareal. Doch Bernhard kam nur in den Genuss einer Partie gegen Spartak Moskau, denn im Oktober 2018 trennte sich Rapid vom Duo Djuricin/Bernhard. „Bitter, weil ich mich sehr auf das Spiel bei den Rangers gefreut habe. Aber zu diesem Zeitpunkt rechnete ich schon mit einer Ablöse, da die Performance in der Liga nicht gut war.“

Gemeinsam mit Goran Djuricin (r.) führte Martin Bernhard Rapid 2018 in die Europa League Gruppenphase.gepa
Gemeinsam mit Goran Djuricin (r.) führte Martin Bernhard Rapid 2018 in die Europa League Gruppenphase.gepa

Zurück zu den Wurzeln

Die letzten Monate ohne Tätigkeit im Fußball taten dem 47-Jährigen richtig gut. „Ich konnte wieder einmal richtig durchschnaufen, hatte die Möglichkeit, die Zeit bei Rapid zu verarbeiten. Als es zum Kontakt mit dem SCR Altach kam, spürte ich aber sofort wieder die Lust und Gier zu arbeiten“, erklärt Bernhard. Was kann er nun seinem neuen alten Klub geben? „So schnell haut mich nichts mehr um, ich weiß, was Druck bedeutet. Daher möchte ich den Spielern eine gewisse Lockerheit vermitteln, ohne ihnen dabei den Biss zu nehmen. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Alex Pastoor. Ich habe zwar mittlerweile auch schon einige Erfahrungen gemacht im Fußball, bin aber überzeugt, von Pastoor wieder viel Neues lernen zu können.“
Dass Bernhard in Altach von allen Mitarbeitern mit offenen Armen empfangen wurde, freut ihn. Da spürte er sofort, „dass ich mit der Rückkehr die richtige Entscheidung getroffen habe. Als ich erstmals wieder im Altach-Trainingsanzug auf dem Platz stand, war die Freude sehr groß.“ Auch, weil „Butre“ gewisse Parallelen zu seiner Anfangszeit im Jahr 2013 erkennt: „Die aktuelle Truppe hat einen sehr ähnlichen Spirit wie das Team damals. Eine gute Mischung aus Routiniers und jungen, hungrigen Spielern. Ich habe sofort gespürt, dass die Jungs was erreichen wollen. So macht es richtig Spaß, hier zu arbeiten.“

Ein Bild aus alten Tagen: Gemeinsam mit Patrick Salomon und Boris Prokopic durfte Martin Bernhard zweimal über den Einzug in die Europa-League-Qualifikationsrunde jubeln. gepa
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