100 Jahre Faszination Gelbes Trikot

Sport / 05.07.2019 • 18:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Eddy Merckx (l.) bei der Tourpräsentation in Brüssel mit König Philippe. AFP
Eddy Merckx (l.) bei der Tourpräsentation in Brüssel mit König Philippe. AFP

Das Maillot Jaune, längst zu einem Mythos geworden, feiert sein Jubiläum.

Brüssel Eingeführt mit dem simplen Zweck, den Gesamtersten der Tour de France besser zu erkennen, ist das Gelbe Trikot längst zu einem Mythos geworden. 100 Jahre Maillot Jaune, wie das wohl berühmteste Trikot der Welt in Frankreich heißt, sind verknüpft mit Heldengeschichten und Tragödien.

Der Erste Die Idee kam vom Tour-Gründer Henri Desgrange 1919. Etappen von bis zu 500 Kilometern Länge waren kurz nach dem Ersten Weltkrieg keine Seltenheit. Und damit die Zuschauer den Führenden der Tour in der Dunkelheit besser erblicken konnten, sollte dieser kenntlich gemacht werden. Da das Tour-Organ L‘Auto – der Vorgänger der L‘Equipe – ebenfalls in Gelb gedruckt wurde, war die Farbe schnell gefunden. So erhielt Eugene Christophe zu Beginn der elften Etappe am 19. Juli 1919 in Grenoble das erste Gelbe Trikot. Jener Christophe, der bereits sechs Jahre zuvor Berühmtheit erlangt hatte, als er nach einer Pyrenäen-Abfahrt einen Gabelbruch erlitt, nach einem langen Fußmarsch in der Schmiede von Sainte-Marie-de-Campan sein Rad wieder richtete und weiterfuhr. Das gleiche Malheur passierte ihm dann auch 1919, wodurch er die Tour verlor.

Der Beste Kein Fahrer verkörperte so sehr das Maillot Jaune wie der Belgier Eddy Merckx. Der Kannibale aus Woluwe-Saint-Pierre trug 111-mal beziehungsweise an 96 Tagen Gelb, was bis heute unerreicht ist. Fünfmal gewann er die Tour, das erste Mal vor genau 50 Jahren. „Das war der schönste Sieg meiner Karriere“, sagte Merckx bei der Mannschaftspräsentation 2019 in Brüssel, von seinen Landsleuten euphorisch bejubelt. Merckx hat die Tour geprägt wie kaum ein anderer. Auch an seine 34 Etappensiege ist bisher niemand herangekommen.

Der Glückliste Es war das Herzschlagfinale der Tour-Geschichte. 1989 lieferten sich die ganze Rundfahrt über der Franzose Laurent Fignon, der Mann mit der Nickelbrille, und der US-Amerikaner Greg Lemond einen packenden Zweikampf. Zum Showdown kam es am letzten Tag beim Einzelzeitfahren über 24,5 Kilometer nach Paris. Fignon hatte eigentlich einen beruhigenden Vorsprung von 50 Sekunden. Doch Lemond, der mit einem damals neuartigen Triathlon-Lenker angetreten war, machte Sekunde um Sekunde wett. Im Ziel schließlich hatte Lemond acht Sekunden Vorsprung und feierte den zweiten seiner drei TdF-Triumphe.

Der Österreicher Der einzige Österreicher, der sich bisher im Glanz des Gelben Trikots sonnen durfte, war der 1905 geborene Max Bulla. 1931 gewann er die zweite Etappe von Caen nach Dinan und schlüpfte für einen Tag in das Maillot Jaune. Der 1990 verstorbene Wiener feierte in jenem Jahr noch zwei weitere Tour-Etappensiege und belegte am Ende den 15. Platz.