Prestigeerfolg von hoher Güte

07.07.2019 • 19:32 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Philipp Oswald steht erstmals in Wimbeldon und zum dritten Mal in seiner Karriere im Achtelfinale eines Grand-Slam-Turniers. In der zweiten Runde setzte sich der 33-jährige Feldkircher zusammen mit seinem tschechischen Partner Roman Jebavy gegen die ÖTV-Paarung Oliver Marach/Jürgen Melzer in vier Sätzen durch.gepa
Philipp Oswald steht erstmals in Wimbeldon und zum dritten Mal in seiner Karriere im Achtelfinale eines Grand-Slam-Turniers. In der zweiten Runde setzte sich der 33-jährige Feldkircher zusammen mit seinem tschechischen Partner Roman Jebavy gegen die ÖTV-Paarung Oliver Marach/Jürgen Melzer in vier Sätzen durch.gepa

Doppelspezialist Philipp Oswald als einziger ÖTV-Spieler in Wimbledon noch im Bewerb.

London Nicht Dominic Thiem Oliver Marach oder Jürgen Melzer, sondern einzig Philipp Oswald vertritt in der zweiten Woche der 133. All-England-Championships in Wimbledon die Farben Österreichs. Nach dem Aufgabesieg gegen Hugo Dellien/Guido Pella (Arg/Bol) in der Auftaktrunde meisterte der 33-jährige Feldkircher an der Seite des tschechischen Doppelpartners Roman Jebavy auch die zweite Hürde. Der in der ATP-Doppelrangliste auf Platz 68 geführte Oswald und sein 29 Jahre alter Teamkollege setzten sich in einem Krimi nach 3:21 Stunden Spielzeit gegen die als Nummer 14 gesetzte ÖTV-Paarung Oliver Marach/Jürgen Melzer, die erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier Seite an Seite spielen, mit 7:5, 6:4, 5:7 und 7:6(6) durch und treffen im Achtelfinale am Montag (dritte Partie nach 11 Uhr) auf die auf Position zwei gesetzten Kolumbianer Juan Sebastian Cabal und Robert Farah. „Auch wenn viele Leute von einer Überraschung reden, war der Erfolg für uns nicht so utopisch“, erklärt Oswald nüchtern. „Ich denke, wir haben über weite Strecken die Partie dominiert, waren extrem fokussiert und haben verdient gewonnen.“

Lobende Worte von Marach

Der in wenigen Tagen 39 Jahre alt werdende Oliver Marach, seit seinem Triumph 2018 mit dem Kroaten Mate Pavic bei den Australian Open neben Thomas Muster, Julian Knowle, Jürgen Melzer und Alexander Peya einer von nur fünf ÖTV-Siegern bei einem Grand-Slam-Turnier, zollte bei der anschließenden Pressekonferenz seinem Landsmann viel Lob: „Ich habe Ossi (Anm. Philipp Oswald) selten so gut spielen gesehen“, betont der Grazer. „Natürlich freut man sich und fühlt sich geehrt, wenn man solche Worte hört. Gleichzeitig bestätigt es aber auch meinen Weg. Obwohl Roman und ich nicht viel gemeinsame Wettkampfpraxis haben, hat sich gezeigt, dass es sich lohnt, sich ausschließlich auf das Doppel zu konzentrieren“, erklärt Oswald. „Die Dichte im Doppel an der Weltspitze ist enorm hoch und abgesehen von einige Topduos ist es in den meisten Partien so, dass Nuancen am Ende über Sieg oder Niederlage entscheiden. Wir haben eine sehr solide Leistung abgeliefert und die entscheidenden Punkte gemacht und unseren Plan bis zum Ende durchgezogen.“

Dem Achtelfinalduell gegen die von der Papierform her favorisierten Kolumbianer Cabal/Farah blickt der in Dornbirn wohnhafte Oswald zweckoptimistisch entgegen. „Vielleicht ist es ja sogar ein gutes Omen, dass ich gegen exakt diese Gegner am 3. März 2014 in Buenos Aires an der Seite von Guillermo Garcia-Lopez meinen ersten ATP-Titel geholt habe. Auch damals hat uns kaum jemand den Sieg zugetraut und am Ende haben wir uns mit 5:7, 6:4, 15:13 durchgesetzt“, blickt der 33-Jährige zurück.

Wiedersehen mit Mirnyi

Gleichzeitig gibt Oswald zu, dass ihn ein Mail seines ehemaligen Doppelpartners Max Mirnyi während der Partie gegen Marach/Melzer nicht nur einmal in Erinnerung kam: „Obwohl Max seine aktive Karriere letzten Herbst beendet hat, habe ich immer noch regelmäßigen Kontakt zu ihm. Als er seine Teilnahme am diese Woche in Wimbledon ausgetragenen Legendenturnier gegeben hat, hat er mir ein Mail geschreiben, dass ich mich anstrengen soll, damit ich in der zweiten Woche noch im Bewerb bin und wir uns in London treffen und nachträglich auf seinen 42. Geburtstag anstoßen können.“

Zusammen mit dem Weißrussen Mirnyi feierte Oswald 2017 in Moskau sowie 2018 in New York und Houston drei seiner insgesamt acht Turniersiege auf der ATP-Tour. Daneben hat der Feldkircher noch fünf Finalteilnahmen auf ATP-Ebene zu Buche stehen. Bei einem Grand-Slam-Turnier-Teilnahmen waren bislang die beiden Achtelfinalteilnahmen bei den US Open 2014 (mit dem Kanadier Adil Shamasdin) und eine Saison später (mit Garcia-Lopez) die größten Erfolge.

Die Freude über den dritten Einzug in die Runde der letzten 16 Teams bei einem Majorturnier ließ Oswald die anschließende Niederlage im Mixed schnell vergessen. Nach Vermittlung seines Doppelpartners Jebavy war Oswald mit der Australierin Monique Adamczak aufgrund von einigen Absagen in den Hauptbewerb gerutscht. Nach dem 7:5-, 6:2-Auftaktsieg musste die österreichisch-australische Paarung in Runde zwei Kveta Peschke Wesley Koolhof (Tech/Ned-5) nach 56 Minuten mit 1:6, 4:6 die Segel streichen.

„Wir haben Selbstvertrauen getankt und wollen das gegen Casal/Farah bestätigen.“