USA gewinnt Fußball-WM

Sport / 07.07.2019 • 21:52 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
AFP
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Die USA haben ihre Vormachtstellung im Frauen-Fußball untermauert. Das Team von Trainerin Jill Ellis gewann am Sonntag das WM-Finale in Lyon gegen die Niederlande verdient mit 2:0 (0:0) und verteidigte den Titel von 2015 erfolgreich. Nach ihrem fünften Finale durften die US-Amerikanerinnen, die bei allen acht WM-Turnieren unter den Top Drei waren, zum vierten Mal den Pokal in die Höhe stemmen.

Den zweiten US-WM-Titel in Folge leitete im ausverkauften Stade de Lyon Kapitänin Megan Rapinoe ein. Die rechtzeitig für das Endspiel fit gewordene 34-Jährige verwandelte einen erst nach Video-Entscheidung gegebenen Elfmeter (61.) souverän. Sie beendete das Turnier damit wie ihre Teamkollegin Alex Morgan und die Engländerin Ellen White mit sechs Toren an der Spitze der Torjägerwertung. Rose Lavelle (69.) machte den Sack kurze Zeit später zu. Danach war der Rekord-Weltmeister näher an weiteren Toren als der Europameister am Anschlusstreffer.

In der ersten halben Stunde war von Rapinoe und Co. offensiv noch wenig zu sehen, genauso wie von den geschickt verteidigenden Niederländerinnen. Beide Teams kämpften um jeden Zentimeter, erst in der 27. Minute gab es erstmals Torgefahr. Niederlande-Torfrau Sari van Veenendaal wurde bei einem Abschluss von Julie Ertz im Fallen (27.) geprüft. Es war der Auftakt eines deutlich verstärkten US-Drucks in der Schlussphase der ersten Hälfte.

Bei einem Kopfball von Samantha Mewis musste sich Van Veenendaal erstmals richtig auszeichnen. Gleich darauf konnte die Schlussfrau von Arsenal bei einem Schuss von Alex Morgan in Extremis und dank Mithilfe der Stange klären (jeweils 38.). Auch bei einem Morgan-Linksschuss (40.) zeigte die 29-Jährige eine starke Parade. Die Europameisterinnen lauerten vor allem auf Konter, blieb aber ohne Topchance.

Bei den US-Amerikanerinnen war zur Pause für Kelley O’Hara Schluss, sie blieb nach einem Zusammenstoß mit dem Kopf von Lieke Martens in der Kabine. Am Spiel änderte sich wenig. Die USA waren einfach um einen Tick besser und münzten ihre Überlegenheit auch zurecht in die nötigen Tore um. Stefanie van der Gragt traf Morgan mit dem gestreckten Fuß im Strafraum am Körper. Die französische Schiedsrichterin Stephanie Frappart entschied zuerst auf Corner, nach Konsultation der TV-Bilder aber völlig zurecht auf Strafstoß, bei dem Rapinoe keine Nerven zeigte.

Acht Minuten später schloss Lavelle ein Solo knapp innerhalb des Strafraums mit einem platzierten Linksschuss ins Eck ab. Ihr drittes Tor im Turnier war ein ganz Besonderes. Tobin Heath (71.) und Crystal Dunn (76.) hätten noch nachlegen können, es fehlte aber die Kaltschnäuzigkeit. Einzige nennenswerte Offensivaktion der Niederlande war ein gefährlicher Spitse-Freistoß (80.).

Die WM ging damit mit 146 Toren zu Ende. Die USA stellten mit 26 erzielten Treffern eine neue Bestmarke auf. Diese hatten sie zuvor selbst (1991) wie auch Deutschland (2003) mit jeweils 25 gehalten. Den WM-Titel hatten die US-Amerikanerinnen, die mit ihrem Verband wegen mangelnder Gleichbehandlung mit dem Männerteam juristisch auf Kriegsfuß stehen, neben 2015 zuvor auch 1991 und 1999 geholt.

US-Präsident Donald Trump gratulierte trotz der kritischen Worte von US-Kapitänin Rapinoe in den vergangenen Tagen dem Frauen-Nationalteam zum Gewinn des Weltmeistertitels. „Gratulation dem US-Frauen-Fußball-Nationalteam zum Gewinn des WM-Titels. Großartiges und aufregendes Spiel. Amerika ist stolz auf euch alle“, twitterte Trump. Rapinoe hatte in den vergangenen Tagen angekündigt, im Falle eines WM-Titels nicht im Weißen Haus („Ich gehe nicht in das beschissene Weiße Haus“) von Trump empfangen werden zu wollen.

Gratulationen für die US-Amerikanerinnen gab es auch von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. „Unsere Blauen haben nicht gesiegt, aber wir alle zusammen feiern den Erfolg dieser großartigen Weltmeisterschaft, auf deren Organisation Frankreich stolz ist“, schrieb der Staatschef auf Twitter. Bei der Siegerehrung war Macron zuvor gemeinsam mit FIFA-Präsident Gianni Infantino vom Publikum mit Pfiffen begrüßt worden.