Fußball, Politik und eine faire Bezahlung

Sport / 08.07.2019 • 19:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Fußball-Ikone und Frauenrechtlerin Megan Rapinoe auf dem Weg in die USA.Reuters
Fußball-Ikone und Frauenrechtlerin Megan Rapinoe auf dem Weg in die USA.Reuters

USA liegen Rapinoe und Co zu Füßen: „Jetzt gebt ihnen das Geld.“

Lyon Megan Rapinoe posierte stolz mit ihren drei WM-Trophäen, gab ihrer Freundin Sue Bird einen Kuss – und schickte die nächste Botschaft an ihren Lieblingsfeind Donald Trump gleich hinterher. „Dieses Team ist gerade dabei, die Welt zu verändern“, beschwor die zur Fußball-Ikone aufgestiegene Rapinoe in ihrer Rolle als Anführerin der „neuen Fackelträgerinnen“. Nach Rapinoes Ankündigung, bei einem WM-Triumph sicher nicht „ins f…ing Weiße Haus“ zu kommen, hatte ihr der US-Präsident geantwortet, sie solle „erst mal gewinnen, dann reden“. Also führte sie den Titelverteidiger im WM-Finale gegen die Niederlande mit der Führung per Elfmeter zum vierten Stern – und wurde mit ihrem Team sogar von Trump gefeiert. „Das war ein schönes und aufregendes Spiel, Amerika ist stolz auf euch alle“, gratulierte der Präsident via Twitter. Vorgänger Barack Obama adelte die US-Auswahl als „Rekordbrecherinnen. Ich liebe dieses Team.“

Unterstützung von den Fanrängen

Nancy Pelosi, Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, appellierte: „Das Frauen-Nationalteam hat uns seine Größe gezeigt – jetzt gebt ihnen das Geld.“ Ein Großteil der Zuschauer im Stade de Lyon schrie ebenso nach gleicher Bezahlung ihrer Heldinnen, für die die Golden Girls seit Jahren kämpfen. Sogar mit einer Klage gegen den eigenen Verband, der die erfolglosen Männer noch immer bevorzugt behandelt, obwohl die Frauen als Rekordweltmeister das Aushängeschild sind.

Zeit für den nächsten Schritt

„Equal pay! Equal pay!“, schallte es FIFA-Präsident Gianni Infantino in Lyon entgegen. „Die Bewegung wächst vor unseren Augen! Gebt den Leuten, was sie wollen“, forderte Rapinoe. „Jede Spielerin hat bei dieser WM die unglaublichste Show abgeliefert. Wir können nicht noch mehr leisten, noch mehr beeindrucken, noch bessere Botschafter sein“, betonte sie auf der Pressekonferenz, die Augen funkelten wie die Goldmedaille um ihren Hals. „Es ist Zeit für den nächsten Schritt.“

Mit ihren mutigen Auftritten in Frankreich hat die Frau mit den pinken Haaren ihren Teil beigetragen. Nicht nur sportlich ist sie auf dem linken Flügel unterwegs. Aus Protest gegen die Trump-Politik singt sie die Nationalhymne nicht mit, sie nutzt ihre Bühne, um für soziale Gerechtigkeit und gegen Diskriminierung zu kämpfen.

So warf sie vor dem Endspiel dem Weltverband FIFA mangelnden Respekt vor, weil die angestrebte Verdopplung des Preisgeldes der Frauen-WM von 30 auf 60 Millionen Dollar nicht ausreiche. Angesichts von 440 Millionen für die Männer bei der WM 2022 in Katar erscheint diese Summe nicht nur ihr lächerlich gering. Doch die wohl größte Wertschätzung für das Vermächtnis dieser goldenen Generation um Rapinoe, Morgan und Carli Lloyd kam aus berufenem Munde. „Diese Athletinnen haben dem Frauensport mehr Aufmerksamkeit, Unterstützung und Stolz verschafft als wohl jedes andere Team in der Geschichte“, schrieb Gleichberechtigungs-Ikone Billie Jean King. „Es ist schon längst an der Zeit, ihnen das zu zahlen, was sie zu Recht verdienen.“