Die EM ist das große Ziel

09.07.2019 • 19:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Patenkind Tobias jedenfalls freut sich, dass Matthias Brändle nun – nicht ganz freiwillig – mehr Zeit für ihn hat.privat
Patenkind Tobias jedenfalls freut sich, dass Matthias Brändle nun – nicht ganz freiwillig – mehr Zeit für ihn hat.privat

Radprofi Matthias Brändle (29) blickt nach der Operation bereits wieder in die Zukunft.

Hohenems Nachtragend sein ist nicht sein Ding. Vielmehr blickt Matthias Brändle nach der gelungenen Operation am rechten Schlüsselbein schon wieder optimistisch in die Zukunft. So hatte er gestern, als er von Dr. Alexander Gohm aus dem LKH Feldkirch entlassen wurde, seinen Humor schon wieder gefunden. „Vielleicht tut mir die Pause ganz gut. Als ich 2014 nicht für die Tour de France selektioniert wurde, bin ich im Herbst Stundenweltrekord gefahren. Es gibt also nichts Schlechtes, an dem nicht auch etwas Gutes ist.“

48 Stunden nach seinem Sturz bei der Ö-Tour ist aus dem Siegfahrer also ein Passivfahrer geworden. Auf der Couch seines Eigenheims machte er es sich bequem und zappte im TV zwischen Ö-Tour und Tour de France. Zuvor hatte ihn noch Patenkind Tobias von den Ereignissen am Wochenende abgelenkt. Eine Platte und sieben Schrauben in der rechten Schulter aber ermahnten ihn schnell wieder, dass nun rund fünf Wochen Pause auf ihn warten. Nicht zu vergessen das Trainingsprogramm auf dem Weg zurück. Vorerst jedenfalls will er sich therapeutisch in die Hände der Experten im Olympiazentrum begeben. „Beim letzten Mal (Anm. d. Red.: Im Vorjahr hatte er sich beim Einfahren für den Giro ebenfalls einen Schlüsselbeinbruch links zugezogen) hat es fünf Wochen gedauert. Damit rechne ich auch dieses Mal. Beim EM-Zeitfahren jedenfalls will ich am Start sein. Da geht es eh nur eben dahin. Die einzige Erhöhung ist eine Autobahnbrücke . . .“ Die Straßenrad-EM 2019 findet vom 7. bis 11. August in der nordholländischen Stadt Alkmaar statt. Das Einzelzeitfahren wird am 8. August ausgetragen. Und das ist das große Ziel von Brändle.

Team will handeln

Persönlich werde er nach dem Skandal-Unfall nichts unternehmen („Das ist nicht meine Natur“), seitens seines Teams Israel Cycling Academy aber könnten Maßnahmen gegen den Veranstalter folgen. „Ich kann es verstehen, denn dadurch wurde uns die große Chance auf einen Etappensieg und somit PR für das Team genommen. Finanzielle Ausfälle gar nicht mitgerechnet.“ Dass seitens der Tour-Direktion einen Tag nach dem Unfall Zeitnehmung und Ergebnisdienst ausgetauscht wurden, lässt ebenfalls das Eingestehen einer Mitschuld an Brändles Sturz vermuten. Rund 50 bis 60 km/h schnell war der 29-jährige Vorarlberger, als er aus dem Sattel geworfen wurde. „Ich hatte Glück im Unglück . . .“, sagt er mit einem Blick auf seine Schulter und den wenigen Schürfwunden. Und ergänzt: „. . . dass ich nicht gegen eine Begrenzung geflogen bin. Aber schade natürlich, denn die Form hat total gestimmt. Das Führungstrikot hätte ich mir schon noch einmal zurückgeholt.“

„Bei der EM will ich fahren, auch wenn ich nicht weiß, ob ich dann ganz fit sein werde.“