Altach-Talent Diakité: „Heimweh? Das habe ich verlernt“

Sport / 12.07.2019 • 16:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Altachs Neuzugang Ousmane Diakité zeigte gegen West Ham, über welch großes Talent der 18-jährige Mittelfeldspieler verfügt. VN-Stiplovsek
Altachs Neuzugang Ousmane Diakité zeigte gegen West Ham, über welch großes Talent der 18-jährige Mittelfeldspieler verfügt. VN-Stiplovsek

Mit RB-Salzburg-Leihgabe Ousmane Diakité (18) ist ein sehr großes Talent in Altach gelandet.

Markus Krautberger

Altach, Salzburg Ousmane Diakité ist mit viel Vorschuss-lorbeeren aus Salzburg nach Altach gekommen. Spätestens sein Auftritt gegen West Ham United hat die meisten SCRA-Fans wohl endgültig davon überzeugt, dass der 18-Jährige eine richtige Verstärkung für die Truppe von Trainer Alex Pastoor sein kann. Die in Mali geborene Leihgabe von RB Salzburg schaffte es sogar gegen den Premier-League-Klub, dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Dabei überzeugte der 1,89 Meter große defensive Mittelfeldmotor neben seiner Körperlichkeit vor allem durch seine Einsatzbereitschaft und seinen Ehrgeiz. Zudem hat Diakité auch technisch einiges auf dem Kasten. SCRA-Sportdirektor Georg Zellhofer scheint mit dieser Leihe wieder einen ganz großes Talent ins Rheindorf geholt zu haben. Dass sich dabei einige Stadionbesucher sofort an Dimitri Oberlin erinnern, liegt in der Natur der Sache.

Perfekte Einstellung

Wobei Diakité nur die Hautfarbe mit Oberlin gemein hat. Denn der in Mali geborene Kicker, den sie im Team nur „Daki“ rufen, marschiert auch im Training rauf und runter, sucht regelrecht jeden Zweikampf – und verliert dabei nicht viele. In seiner Einsatzbereitschaft und seiner Einstellung zur Arbeit sieht Diakité auch selbst seine größte Stärke: „Ich habe sehr große Ziele und ich weiß, dass ich diese nur erreiche, wenn ich in jeder Einheit und jedem Spiel alles gebe. Nur so komme ich weiter.“ In der Leihe nach Altach sieht der 18-Jährige eine große Chance, sich weiterzuentwickeln. „Es waren einige andere Klubs interessiert, aber RB-Salzburg-Sportdirektor Christoph Freund hat mir geraten, nach Altach zu gehen. Und nach den Gesprächen mit Georg Zellhofer habe ich mich schon richtig auf Altach gefreut. Hier will ich den nächsten Schritt in meiner Laufbahn machen“, erklärt Diakité. Sicher von großem Vorteil: Altachs Coach Pastoor spricht hervorragend Französisch, kann sich daher mit „Daki“ perfekt verständigen. In die Mannschaft wurde die „Kampfmaschine“ sofort integriert, schnell spürten auch Mitspieler wie Kapitän Philipp Netzer, wie gut so ein Kaliber dem Team tut. „Er war vom ersten Moment an sehr präsent. Und ich muss zugeben, er ist für sein junges Alter fußballerisch und im Kopf schon sehr weit“, so Netzer über den Neuzugang.

Kein Heimweh nach Mali

Der Kopf hat bei Diakité immer schon eine große Rolle gespielt – auch müssen. Denn bereits mit zehn Jahren erkannte Yeelen Olympique sein Talent und holte ihn in die Akademie. Und dort hieß es für Diakité lernen, wie es sich anfühlt, lange von zu Hause wegzubleiben. „Ich musste oftmals bis zu drei Monate im Internat bleiben, obwohl der Klub in meiner Heimatstadt Bamako liegt. Aber man hat uns so auf unser Ziel Europa vorbereitet. Unter dem Motto ‚In Europa werdet ihr auch lange alleine sein‘. So habe ich das Heimweh verlernt.“ Im Sommer 2018 bewahrheitete sich die Vorhersage, und RB Salzburg lotste den Defensivmann an die Salzach.

Mentale Stärke

René Aufhauser, Co-Trainer von RB Salzburg, hält ebenfalls große Stücke auf Ousmane Diakité.gepa
René Aufhauser, Co-Trainer von RB Salzburg, hält ebenfalls große Stücke auf Ousmane Diakité.gepa

Einer, der enorm viel von Diakite hält, ist RB Salzburgs Co-Trainer René Aufhauser. „Daki bringt alles mit, was es braucht, um irgendwann einmal auf internationaler Bühne zu spielen. Er hat die perfekte Statur für einen zentralen Spieler, dazu ist er auch technisch beschlagen“, erklärt der Steirer, der insgesamt 58 Mal für das österreichische Nationalteam auflief und nun seit 2016 als Co-Trainer bei den Bullen agiert. Zudem weist er vor allem auf Diakités mentale Stärke hin: „Daki hat einen super Charakter, er ist ein bodenständiger Typ, der mit dem Schritt nach Altach auch Geduld bewiesen hat. In meinen Augen ist das Engagement in Vorarlberg genau richtig für ihn, um Erfahrung in der höchsten Spielklasse zu sammeln. Hier bei RB hätte er noch nicht so viel Spielzeit bekommen.“ Dass die Altach-Fans ihre Freude mit „Daki“ haben werden, davon ist Aufhauser überzeugt, „weil er immer alles geben wird. Vielleicht ist er manchmal noch etwas hektisch und zu inkonsequent in seinem Passspiel. Aber das ist dann dem jugendlichen Leichtsinn geschuldet. Er ist ja erst 18 Jahre alt. Aber er wird sehr schnell reifen.“

Nächster Premier-League-Klub in der Cashpoint Arena

Ralph Hasenhüttl gastiert mit dem FC Southampton zum Testspiel in der Cashpoint Arena. gepa
Ralph Hasenhüttl gastiert mit dem FC Southampton zum Testspiel in der Cashpoint Arena. gepa

Nach West Ham United ist vor FC Southampton. Altachs prominente Testspielreihe geht am Sonntag um 15 Uhr in die nächste Runde. Gleichzeitig markiert die Partie gegen die Südengländer die Generalprobe für den Saisonauftakt am 20. Juli im ÖFB-Cup gegen FC Kufstein (A). Dabei dürfen sich die Altacher Fußballfans erneut auf viel internationale Klasse freuen. Nicht weniger als 14 A-Nationalteamspieler stehen in den Reihen der vom gebürtigen Grazer Ralph Hasenhüttl betreuten Mannschaft. Dazu mit Ryan Bertrand (2012 mit Chelsea) und Pierre-Emile Højbjerg (2013 mit dem FC Bayern) zwei Champions-League-Sieger sowie Portugals Europameister Cedric Soares. Für Southampton bildet die Partie gegen Vorarlbergs Bundesligisten den Abschluss des Trainingslagers in Schruns.